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Ein Tusch - und die Spinnenangst ist weg

Spinnen? Igittigitt! Das dachte sich auch die Autorin - bis sie zum Hypnotiseur ging.

Letzthin stand ich wieder einmal allein mit Herzrasen auf einem Stuhl in meiner Wohnung. In meiner Hand als letzten Notnagel das Mobiltelefon, führte ich geschätzte 10-mal hintereinander folgenden, jedes mal hysterischeren Monolog: «Wo bist du? Da ist diese dicke, schwarze Spinne. Bitte, komm her - jemand muss die raustun, bitte.» Natürlich kam niemand.

«Internationale Spinnentier- und Insektenbörse in Kloten» stand einige Tage später auf einer Betreffzeile in meiner Inbox. Ein E-Mail, das ich schon angewidert wegklicken wollte. «Fachpersonen befreien von Spinnenphobie», stand da aber noch als Zusatz. Eigentlich eine feine Sache. Trotzdem: Ich stelle mir vor, es mache mir irgendwann nichts mehr aus, mich diesen achtbeinigen, sich irgendwie ruckartig pervers bewegenden Dingern zu nähern, und mich schüttelts. Eine Phobie vor dem Verlust einer Phobie, sozusagen.

Nun denn. Ich ging am Samstag trotzdem zum Hypnotiseur im Klotener Schluefweg. Ein weiss gekleideter Mann führt mich hinter ein «Vorhängli», ich muss mich hinlegen, er hüllt mich in eine weiche Decke und sagt: Eine Klopftechnik namens «Emotional Freedom Technique» werde er anwenden, meinen Körper entlang Meridiane chinesischer Medizin beklopfen. Zunächst werde er mich aber in hypnotische Trance versetzen. «Was für ein Gugus», denke ich, «Meridianklopfen, wo bin ich hier, an der Esoterikmesse?» Aber wenn ich schon mal hier bin, mache ich halt mit.

«Ihre Beine entspannen sich, werden schwer», sagt der Mann, und schon muss ich mir vorstellen, ich stünde in meiner Wohnung auf dem Stuhl und die eklige Flussspinne, so eine sauschnelle mit glattem, schwarzem Körper und fetten, langen, schwarzen Beinen, klebe an meiner Wand. Mein Herz krampft sich zusammen. «Angstskala von eins bis zehn?», fragt der Hypnosecoach. «Ja dänk zehn!» Es wird geklöpfelt: zwei Therapeutenfinger auf meine Stirn, auf Wangenknochen, linkes Brustbein, linke Rippe. Ich komme mir vor wie ein Bongo und finde die imaginäre Spinne an meiner Wand eigentlich immer noch genauso eklig. Dem Therapeuten zuliebe sage ich dann: «Angstskala fünf.» Nochmals klöpfeln. «Äh, zwei.»

Als ich denke, dass das jetzt langsam reicht mit der Klöpflerei, muss ich mir Filme vorstellen: Ich sitze im Kino und sehe mir selber zu, wie ich mich der fiesen Spinne mit einem Glas nähere, ohne mit der Wimper zu zucken. Dann schiebe ich «cool as a cucumber» ein Stück Papier drunter. Ich schaue mir selbst interessiert zu, wie ich interessiert zuschaue, wie die Spinne im Glas rumrennt, gehe ruhig zum Fenster und «schenke der Spinne die Freiheit», wie der Therapeut sagt. Geht ganz ordentlich. Ein Tippen an meine rechte Schulter, und ich schlage die Augen auf. Das ging ja schnell, etwa eine halbe Stunde. «Eineinhalb Stunden», korrigiert mich der weiss gekleidete Herr freundlich. Und fragt, ob ich gleich die Probe aufs Exempel machen wolle.

Er begleitet mich zum Vogelspinnen-Stand, wir nähern uns recht langsam. Mein Herz schlägt ganz normal. Ich erwarte einen Schweissausbruch. Es kommt keiner. Ich erwarte, dass sich mein Magen zusammenzieht. Zieht nicht. Darmfunktion: auch normal. Ich bekomme ein Schächtelchen in die Hand gedrückt. Darin hockt eine inklusive Beine ungefähr fünflibergrosse Spinne still auf ein bisschen Erde. Weder kriege ich das Zittern noch Handschweiss. Und als sich das Tier plötzlich bewegt? Finde ich, dass das eigentlich recht putzig aussieht. In die Hand nehmen will ich so eine Vogelspinne aber dann doch nicht. Ob er anhält, der Therapieerfolg? «Dazu wären mehrere Sitzungen nötig. Ausserdem müssten Sie sich oft Spinnen aussetzen, sonst kommt die Phobie zurück.»

Spinnentierbörse in Kloten: Die einen müssen zum Hypnotiseur, andere nehmen die Tiere gleich in die Hand.

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