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Ein verliebter deutscher Geselle brachte die Uhrendynastie Beyer in die Schweiz

Beyer Chronometrie ist mit 250 Jahren das älteste Uhrengeschäft der Schweiz. Ohne eine zupackende Frau und gute Beziehungen wäre es nicht dazu gekommen.

Wenig hätte gefehlt, und es wäre bereits nach dem 175-Jahre-Jubiläum Schluss gewesen. Damals, Mitte der 30er-Jahre, litten die Zürcher Geschäfte unter den Folgen der bisher grössten Weltwirtschaftskrise; ihre Ware entwertete sich rasant, und die gute deutsche Kundschaft blieb zu Hause. Die Familie Beyer blieb in ihrem Geschäft an der Bahnhofstrasse auf ihren exklusiven Uhren sitzen. Die Beyers, die in Zürich zu den Ersten gehörten, die ein Auto fuhren, und die am Zürichberg eine Villa besassen, gerieten in Geldnöte. Sie mussten schliesslich das Haus verkaufen und vom Zürichberg in eine bescheidene Wohnung im Kreis 3 ziehen.

Das Geschäft aber konnte Theodor Julius Beyer dank seinen guten Geschäftsbeziehungen retten. Die Uhrenunternehmen Rolex und Patek Philippe, die Beyer in schwierigen Zeiten unterstützt hatte, revanchierten sich. Zudem kam der Vermieter Beyer mit dem Mietzins entgegen.

Das beste Ergebnis in 250 Jahren

Und so kam es, dass das Uhrengeschäft heute doch sein 250-Jahre-Jubiläum begehen kann. Auch bei diesem grossen Jubiläum leidet die Wirtschaft noch an den Folgen eines weltweiten wirtschaftlichen Einbruchs. René Beyer, der das Geschäft in der 7. Generation führt, kann es dennoch unbeschwert begehen: Das Jahr 2009 war mit Abstand das beste in seiner langen Geschichte. Das Unternehmen konnte den Umsatz mitten in der Krise um gegen 10 Prozent steigern. Zu verdanken hat es dies wohlhabenden Touristen aus dem Ausland, insbesondere jenen aus China.

Seine Anfänge nahm das Unternehmen aber nicht in Zürich, sondern im deutschen Donaueschingen. Dort tauchte erstmals 1760 ein Uhrenmacher namens Matthäus Beyer in Dokumenten auf. In die Schweiz kam das Unternehmen mit dessen Enkel Stephan Beyer, der 1822 mit 23 Jahren zu seinen Lern- und Wanderjahren aufbrach und dabei über Basel nach Schaffhausen reiste. Wahrscheinlich wäre er weitergezogen und hätte am Ende seiner Reise das Uhrengeschäft in Deutschland aufgebaut - hätte er nicht eine junge Frau namens Katharina Gärtner kennen gelernt. Ihr zuliebe blieb er in der Schweiz und gründete 1830 in ihrem Wohnort Feuerthalen eine «Uhrenmacherei und Spezerei». Von den Uhren alleine konnte die Grossfamilie Beyer nicht leben. Katharina Gärtner gebar 13 Kinder, das Erwachsenenalter erreichten aber nur fünf Söhne.

Einer dieser fünf, Theodor Beyer, brachte das Geschäft 1860 schliesslich nach Zürich. Er fand ein Lokal an der Niederdorfstrasse, der damaligen «Bahnhofstrasse» Zürichs. Bis das Geschäft am heutigen Standort einzog, verlegten die Beyers abermals ihren Sitz - immer den aktuellen Verkehrsströmen folgend. Sie richteten es auf das Limmatquai aus, setzten 1877 über die Limmat zur neuen Bahnhofstrasse über in den «Palais de Crédit Suisse» und 50 Jahre später in den benachbarten Orell-Füssli-Hof, dem heutigen Standort.

Eine Frau rettet Beyer

Auch im Jahr 110 nach seiner ersten Erwähnung hätte die Uhrenmacherei schon ums Haar schliessen müssen. 1870 starb Theodor Beyer mit 42 Jahren, und seine Frau, eine Hotelierstochter aus Andermatt, stand alleine mit Geschäft und Kind da. Aber: Frau Beyer hat sich, was damals für Frauen sehr unüblich war, glücklicherweise zur Uhrmacherin ausbilden lassen, und dies kam ihr nun entgegen.

Heute beschäftigt Beyer 42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und führt neben dem Verkaufsgeschäft ein Schmuckatelier, eine grosse Reparaturwerkstatt und ein Uhrenmuseum. Beyer-Uhren liegen heute nicht nur hinter den Schaufenstern an der Bahnhofstrasse, sondern finden sich in der ganzen City: Die Uhr beim Treffpunkt im Hauptbahnhof kommt von Beyer, die Anzeigen der Forchbahn und die Blumenuhr am Bürkliplatz. Adelrich Beyer (rechts) 1910 vor dem Uhrengeschäft im CS-Gebäude. Foto: PD

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