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Eine Bülacher Familie hat das Albert-Schweitzer-Virus

Robert Ernst sammelt Geld für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene. Seine Tochter Silvia leitet das Albert-Schweitzer-Spital in Haiti.

Von Markus Rohr Bülach – Die Magie des Albert Schweitzer ist einzigartig. Sein Name verleitet dazu, zu glauben, er sei ein Schweizer und das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene ein Spital der Eidgenossen. Dem ist aber nicht so. Schweitzer ist im Elsass aufgewachsen. Er war international tätig, und die Unterstützung für das von ihm gegründete Spital in Gabun ist ebenfalls international. Der Name des Friedensnobelpreisträgers von 1952 ist zum Markenzeichen geworden, nicht nur für Spitäler, sondern auch für Schulen und andere Einrichtungen (siehe Box). Auch «Busch»-Medizin hilft In Bülach gibt es so etwas wie ein Albert- Schweitzer-Nest. Die Bülacher Ärztin Silvia Ernst (41) hatte schon immer den Wunsch, ihren Beruf auch einmal in einem Drittweltland auszuüben. Dabei suchte sie nicht einen kurzfristigen Katastropheneinsatz, sondern ein eher langfristiges Engagement. Ihre Wahl fiel eher zufällig auf das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene. Dort war sie von Oktober 2004 bis November 2006 als Internistin und Allgemeinärztin tätig. Ihr Vater besuchte sie mit einer Gruppe von ehemals in diesem Spital tätigen Krankenschwestern aus der Schweiz und Frankreich sowie einer Ärztin aus Holland. Mit dabei war auch die damalige Cheflaborantin am Albert-Schweitzer- Spital in Haiti. Dort ist Silvia Ernst seit Anfang September Medical Director, das heisst, sie trägt zusammen mit dem Sohn des Spitalgründers und einem Kanadier die Gesamtverantwortung für das Spital mit 115 Betten und 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Klinik liegt 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Port-au-Prince. Wohlverstanden: Die beiden Spitäler haben ausser dem Namen überhaupt nichts Gemeinsames, auch nicht die Trägerschaft. Vor ihrer Tätigkeit in Lambarene und nach ihrer Rückkehr war Silvia Ernst Assistenz- und Oberärztin am Universitätsspital in Basel. Der Kontrast zwischen dem einfachen Dorfspital in Afrika und der universitären Spitzenmedizin war ihr aber doch zu gross. Sie suchte ein kleineres Spital und fand dieses in Biel. «Aber eigentlich wusste ich schon nach meiner Rückkehr, dass ich irgendwann nochmals einen solchen Einsatz leisten möchte», sagt Silvia Ernst. In Antwerpen absolvierte sie den «Postgraduate Course in Tropical Medicine and International Health». Was treibt die Bülacherin an? Ihr Engagement sei nicht so idealistisch, wie es scheine, wehrt sie bescheiden ab. Rein medizinisch hätten ihr die in Lambarene gemachten Erfahrungen nicht viel geholfen, wenn man vom hierzulande nur selten anwendbaren Wissen über die Tropenkrankheiten absehe. «Unsere Medizin hier ist so schnelllebig und apparativ, dass die einfache Medizin im Busch nicht mithalten kann», sagt Silvia Ernst. «Aber», fügt sie an, «ich habe wieder gelernt, wie man ohne allzu viele Hilfsmittel, alleine mit Zuhören und Untersuchen auch gute Medizin machen kann, und dass mehr Untersuchungen nicht immer besser sind.» Allerdings bedrückt es Silvia Ernst dann schon, wenn sie merkt, dass sie einem Patienten nicht mehr helfen kann, nur weil die richtigen Medikamente und Apparaturen fehlen. Sie ist an den Albert-Schweitzer-Spitälern häufiger mit dem Tod konfrontiert als hier in der Schweiz, wobei die Leute dort zum Tod auch ein anderes Verhältnis haben. Kehricht als Hauptproblem Während Silvia Ernst nun in Haiti erste Erfahrungen mit der Führung eines Spitals macht, engagiert sich ihr Vater Robert Ernst (67) weiter für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene. Im Schosse der katholischen Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit in Bülach sammelt er Geld für eine einfache Kehrichtverbrennungsanlage. «Der Kehricht ist eines der drängendsten Probleme des Spitals», sagt Ernst. Bis heute wird der Spitalabfall von der Spritze bis zum Verbandsmaterial einfach auf einen Haufen geworfen und verbrannt. Das ist nicht nur für die Umwelt schädlich, sondern gefährdet auch die Gesundheit jener Leute, die glauben, dort noch etwas Brauchbares zu finden. Seit Ende 2009 liegt ein Projekt vor: Für 40 000 Franken liefert und installiert eine französische Firma einen Verbrennungsofen und bildet das Personal aus. Seit März dieses Jahres sammelt die katholische Pfarrei Bülach Geld für dieses Projekt. Das Sammelziel ist in greifbarer Nähe, ja es könnte gar übertroffen werden. «Das wäre kein Problem», sagt Robert Ernst, denn so könnte auch noch ein Dach für die Anlage finanziert werden. Sollte dann immer noch überschüssiges Geld vorhanden sein, so würde es dem Schweizerischen Hilfsverein für das Albert-Schweitzer-Spital zur Beschaffung oder für den Unterhalt von medizinischen Einrichtungen zur Verfügung gestellt. Am 26. September findet in der katholischen Kirche Bülach ein Benefiz-Orgelkonzert mit Bruno Reich für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene statt. Robert Ernst ist über die Spendenfreudigkeit seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger erfreut. Die Pfarrei hatte sich schon letztes Jahr beim Sammeln von Spenden für das elfjährige Mädchen Iwanka aus der Ukraine eingesetzt. Iwanka leidet unter einem Kieferproblem und ist inzwischen zweimal erfolgreich in der Schweiz operiert worden. Während dieser Zeit durfte sie in Bülach bei einer Pflegefamilie leben und ging auch hier zur Schule. In sechs Jahren ist eine dritte und letzte Operation nötig. Diese wird ebenfalls in der Schweiz durchgeführt. Das Geld dafür liegt auf einem Sparkonto der katholischen Pfarrkirchenstiftung Bülach bereit. Spendenkonto Verbrennungsofen: Lambarene PC 80-35822-3 Spendenkonto Haiti: PC 25-14357 (Partnerschaft Kinderspitäler Biel-Haiti) Robert Ernst und Silvia Ernst setzen sich tatkräftig für die Albert-Schweitzer-Spitäler ein. Foto: Peter Würmli 88 % 3sp-4f-8556 name 1402482

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