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Eine eigene Klasse für schwierige Schüler

Verhaltensgestörte Schüler aus ihrer Klasse nehmen und andernorts unterrichten: Schulpfleger Kurt Vuillemin treibt ein solches Projekt für den Bezirk Horgen voran.

Von Gaby Schneider Sekschüler M. kommt fast täglich zu spät, gibt dem Lehrer freche Antworten, macht keine Aufgaben, schwänzt oft die Schule. Ein Schulverweis als letzte Massnahme würde zwar das Problem für die Schule selber lösen, dem Jugendlichen aber die Zukunft verbauen. Zudem ist sie rechtlich kaum durchführbar. Eine Lehrstelle findet ein Jugendlicher nur mit Schulabschluss und einer ordentlichen Verhaltensbeurteilung im Zeugnis. Nun zeichnet sich aber eine Lösung für schwierige Schüler wie M. ab: die Time-out-Klasse. Dort könnte er den versäumten Schulstoff nachholen. Kurt Vuillemin, Thalwiler Schulpfleger und Leiter des Berufseinstiegsjahrs Bezirk Horgen, ist Initiant und Projektleiter für eine regionale Time-out-Schule. Er hat bereits eine Arbeitsgruppe gegründet, in der vor allem Schulleiter und Behördenmitglieder aus dem Bezirk vertreten sind. Schulstoff nicht verpassen Die Time-out-Klasse wäre eine Klasse für Schüler wie M., die vor allem wegen ihres Verhaltes in der Schulklasse vorübergehend nicht mehr tragbar sind. Aufgenommen werden sollen Schüler der ersten und zweiten Sekundarstufe. Vorgesehen ist eine Tagesschule mit sozialpädagogischer Begleitung. Eine wöchentliche Familien-Gruppentherapie soll dafür sorgen, dass auch die Familien der Jugendlichen eingebunden werden. «Genauso wichtig ist jedoch, dass das verpasste Schulwissen nachgeholt werden kann», sagt Vuillemin. Der Richterswiler Schulleiter Andreas Bächler befürwortet aus seiner Erfahrung die Time-out-Schule: «Es braucht neben der Regelschule weitere Strukturen, in denen überforderten und unmotivierten Schülern die Möglichkeit geboten wird, wieder schulische Erfolgserlebnisse zu haben.» Zugesagt, sich an der Projektierung zu beteiligen, haben bisher die Gemeinden Richterswil, Wädenswil, Thalwil, Oberrieden, Rüschlikon und Kilchberg. Langnau und Adliswil werden vor beziehungsweise nach den Sommerferien entscheiden. Horgen hat gemäss Vuillemin eine Mitarbeit abgelehnt. Neben dem eigenen Time-out-Projekt, dem 2003 gegründeten Angebot «Step by step» der Oberstufe Horgen, bestehe kein zusätzlicher Bedarf. «Das Horgner ‹Step by step› unterscheidet sich von unserem Projekt insofern, als dass die Jugendlichen dort vor allem handwerklich beschäftigt werden», sagt Vuillemin. Distanz zum Schulhaus Um den «Ausstieg» deutlich zu machen, sollen die Time-out-Klassen nicht in einem Schulhaus angesiedelt sein, sondern an einem andern Ort. «In Frauenfeld ist die Time-out-Schule in einem Einfamilienhaus untergebracht», sagt Vuillemin. Die Arbeitsgruppe hat dieses Projekt bereits besucht. «Die Reintegration in die Regelschule ist das oberste Ziel. Die Time-out-Schule hat keinen strafenden Charakter», sagt Vuillemin. Im Oktober soll eine definitive Arbeitsgruppe das Projekt lancieren. Über die Kosten will er momentan noch nicht sprechen.

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