Zum Hauptinhalt springen

Eine Eishockey- Gala und ein Pechvogel

Die Schweiz schlägt Weissrussland im letzten Test 6:2. Romy fällt wegen einer Verletzung erneut kurz vor Olympia aus.

Gemäss Theateraberglaube wird die Premiere nach einer gelungenen Generalprobe zum Misserfolg. Hoffentlich gilt das nicht fürs Schweizer Eishockeynationalteam. Der letzte Test für Vancouver geriet Ralph Kruegers Mannschaft in Winnipeg mit einem 6:2 gegen Weissrussland geradezu zur Gala. Sechs verschiedene Stürmer trafen, der Kontrast zum 1:2 vom Dienstag gegen denselben Gegner war bezüglich offensiver Effizienz erstaunlich. Im ersten Test brauchten die Schweizer 41 Schüsse für ein Tor, gestern stellten sie den weissrussischen Goalie Mesin nur 24-mal auf die Probe.

«So ein gutes Spiel gegen Weissrussland hatten wir schon lange nicht mehr», sagte Krueger zufrieden. Sein letztes Testspiel als Schweizer Nationaltrainer, das ausgerechnet in seiner Geburtsstadt Winnipeg stattfand, stimmte ihn auch ein bisschen sentimental. «Aussen lache ich, aber innen weine ich», gestand der 50-Jährige. Dann gab Krueger den letzten Kaderschnitt vor der heutigen Weiterreise nach Vancouver bekannt: Die Genfer John Gobbi und Paul Savary müssen nach Hause, weil sie fürs Olympia-Turnier nicht gut genug sind. Kevin Romy, weil er verletzt ist.

Damit erklärte Krueger auch, warum sich der Stürmer des HC Lugano zuvor als einziger Schweizer unter den über 8000 Zuschauern im MTS Centre nicht hatte freuen können. «Die Schmerzen sind einfach zu gross», erklärte Romy hinterher und meinte damit die Rippenprellung, die er am Dienstag erlitten hatte. Das vorzeitige Olympia-Aus ist für den 24-Jährigen aber auch psychisch besonders hart. Schon vor vier Jahren war der Olympia-Traum des Neuenburgers in allerletzter Minute geplatzt, nachdem er sich im abschliessenden Meisterschaftsspiel vor Turin am Oberschenkel verletzt hatte. «Das tut weh», sagte der Olympia-Pechvogel. «Die Spiele sind das Grösste für jeden Athleten. Und ich war zweimal so nah dran.»

Von Gunten nah an Olympia

Krueger entschied sich dafür, Romy nicht zu ersetzen und das Turnier mit zwölf Stürmern und acht Verteidigern zu bestreiten. Die Stürmer sind jene, die gestern regelmässig zum Einsatz kamen. Von den acht Verteidigern, die der Coach mit nach Vancouver nimmt, muss noch einer weichen, wenn Mark Streit am Sonntagabend zum Team stösst. Das ist Goran Bezina, falls er sich bis dahin nicht vollständig von der Bauchmuskelverletzung erholt hat, die ihn diese Woche am Spielen hinderte. Ansonsten trifft es entweder den Berner Philippe Furrer oder den Klotener Patrick von Gunten. Dass der Flyers-Verteidiger nochmals so nah an eine Olympia-Teilnahme kommen würde, hatte er bis vor kurzem selbst nicht gedacht - und bereits Ferien in Miami Beach gebucht. «Für mich war das Kapitel Vancouver abgeschlossen», sagte der 24-jährige Seeländer. «Ich konnte ja nicht damit rechnen, dass sich noch so viele verletzen.»

Eine Abwechslung für Streit

Der Nationaltrainer wird mit bangem Blick die letzten Meisterschaftseinsätze der beiden NHL-Söldner beobachten, die noch je am Samstag und Sonntag spielen. Vor allem auf ihnen ruhen die Hoffnungen auf eine Schweizer Olympia-Überraschung. Anaheims Jonas Hiller war beim 3:2 gegen Edmonton mit einer Fangquote von 95 Prozent einmal mehr überragend und der Hauptgrund dafür, dass die Ducks mit dem zehnten Heimsieg in Serie einen neuen Klubrekord aufgestellt haben. Mark Streit hatte in Pittsburgh wie üblich am meisten Eiszeit aller Islanders-Spieler, musste aber beim 1:3 die achte Niederlage in den letzten neun Spielen hinnehmen. Zumindest für den Schweizer Captain dürfte Vancouver eine willkommene Abwechslung sein.

Weissrussland - Schweiz 2:6 (0:3, 1:3, 1:0) MTS Centre, Winnipeg. - 8312 Zuschauer. - SR Burchell/Holdsworth (Ka), Deck/Reimer (Ka). - Tore: 3. Déruns (Monnet, Ambühl) 0:1. 12. Rüthemann (Seger, Plüss) 0:2. 15. Wick (Domenichelli, Weber/Ausschluss Kaljuschni) 0:3. 22. Ambühl (Sbisa/Ausschluss Seger!) 0:4. 26. Sacharow (Ugarow, Dsemahin/Ausschluss Blindenbacher) 1:4. 28. Plüss (Wick, Lemm) 1:5. 39. Monnet (Paterlini) 1:6. 57. Dsemahin (Sadselenow, Stasenko) 2:6. - Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Weissrussland, 6-mal 2 Minuten gegen die Schweiz. Schweiz: Stephan; Weber, Seger; Blindenbacher, Von Gunten; Diaz, Sbisa; Furrer; Paterlini, Rüthemann, Plüss; Wick, Jeannin, Lemm; Domenichelli, Sannitz, Sprunger; Déruns, Ambühl, Monnet; Savary. Bemerkungen: Schweiz ohne Rüeger (Ersatztorhüter), Bezina, Romy (beide verletzt), Gobbi (überzählig), Hiller und Streit (beide NHL). - Powerplay: Weissrussland 1/6 (1 Shorthander kassiert); Schweiz 1/2.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch