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Eine Fabrik in der Wohnung

Bruno Grob aus Bäretswil stellt Kunststoffteile für Grossfirmen her – bei sich zu Hause. «Er ist stets auf dem neusten Stand», sagen die Kunden über den 74-Jährigen.

Von Andy Pfister Bäretswil – Vögel zwitschern im Garten, in der blumengesäumten Einfahrt steht ein Familienwagen – idyllisch mutet das Bäretswiler Einfamilienhaus an, über dessen Klingel der Name Grob steht. Der Hausbesitzer öffnet die Tür, ein sonores Surren tönt aus dem Innern. «Das kommt von der Maschine, es läuft gerade eine Serie», sagt Bruno Grob entschuldigend. Im Vorzimmer seiner Wohnung arbeitet eine fünf Meter lange Spritzgiess-anlage. Weisse Kunststoffhaken fallen von einem Förderband in Kartons. Grob fängt ein Exemplar und sucht es nach Fehlern ab. 16 000 von diesen Teilen habe eine Wetziker Firma bei ihm bestellt, sagt der Rentner beiläufig. Damit sei er drei Wochen lang beschäftigt. 60 Stunden Arbeit pro Woche Grob feiert nächstes Jahr seinen 75. Geburtstag und arbeitet 60 Stunden pro Woche in seiner Werkstatt. Zu seinen Kunden zählen renommierte Unternehmen wie die Rütner Möbelherstellerin Embru oder der Wetziker Verkabelungsspezialist Reichle & De-Massari (R&M). Ein Rentner, der Komponenten für Hightechgeräte produziert. Nur ein scheinbarer Gegensatz, wie Rolf Rothenhofer, strategischer Einkäufer für Kunststoffteile bei R & M, sagt: «Die Fertigung der Werkstücke, die wir bei Herrn Grob in Auftrag geben, erfordert sehr viel Erfahrung. Durch die langjährige Zusammenarbeit kennt er unsere Bedürfnisse.» Dass jüngere Unternehmer die Teile günstiger herstellen könnten, glaubt Rothenhofer nicht. Grob sei stets bemüht, seine Einrichtung auf dem neusten Stand zu halten. «Er betreibt eine Maschine der neusten Generation.» Kurse in Deutschland Tatsächlich bestätigt Grob, er habe das Fabrikat eines deutschen Herstellers erst 2008 in Betrieb genommen. «Es handelt sich um eine elektrische Anlage, die ich im Baukastensystem zusammenstellen konnte.» Wegen der geringen Raumhöhe ist sie besonders niedrig gebaut. Ein integrierter Computer steuert alle Abläufe während der Produktion. So wird zum Beispiel die Färbung der verschiedenen Teile vom Rechner gesteuert. Grob spricht von USB, Mikrochips und Speicherkarten wie andere Senioren vom Jassen. Schwierigkeiten mit der modernen Informationstechnologie scheint er keine zu haben. Seit Jahren besuche er regelmässig Kurse beim Maschinenhersteller in Deutschland. «So bleibe ich auf dem Laufenden», sagt er. Und sowieso: Dank des Computers arbeite seine Anlage viel schneller als früher. Bruno Grob erinnert sich: «Als ich 1968 meine eigene Firma gründete, musste ich den Rohstoff noch mit einem Becher abmessen.» 2000 Franken habe er damals für sein erstes, handbetriebenes Giessgerät bezahlt – der aktuelle Vollautomat kostet das Hundertfache. Trotz der einfachen Infrastruktur kam das Geschäft des Bäretswilers bald auf einen grünen Zweig: 1970 schaffte Grob die erste hydraulische Anlage an, 1986 goss er mit 21 Maschinen. Um die Jahrtausendwende – inzwischen 63-jährig – beschloss er, seine Firma schrittweise zu verkleinern. Heute erzählt nur noch die Werkstatt im Eingangsbereich seiner Wohnung von der bewegten Vergangenheit.Seit 52 Jahren ist Bruno Grob mit seiner Frau Franziska verheiratet. Ihre drei Kinder führen mittlerweile eigene Unternehmen. Die beiden Töchter sind in der Baubranche tätig, der Sohn leitet eine Versicherungsagentur. Dass niemand seinen Betrieb weiterführt, betrübt Grob nicht: «Die Jungen sollen machen, was ihnen Freude bereitet.» Ende 2012 in den Ruhestand Wegen seiner Gesundheit möchte der 74-Jährige seine Tätigkeit bald reduzieren. Er plant, Ende 2012 seine Geschäfte einer Zürcher Oberländer Firma zu übergeben. Nichtstun steht auch dann nicht auf Grobs Programm: Er werde im Ausland für Giessereien Schadensanalysen durchführen. «In den letzten Jahren wurde ich dank meiner Erfahrung schon mit solchen Aufträgen betraut.» «Als ich 1968 meine eigene Firma gründete, musste ich den Rohstoff mit einem Becher abmessen.» Bruno Grob Bruno Grob betrieb einst 21 Maschinen. Heute steht ein einziges Gerät bei ihm zu Hause. Foto: David Kündig

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