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Eine Königin auf Erholungsurlaub in Hombrechtikon

Die Frau eines traditionellen kamerunischen Herrschers ist auf Anraten ihres Arztes an den Zürichsee gekommen. Fast unerkannt.

Von Frank Speidel Hombrechtikon – Nur der König darf rechts neben der Königin sitzen. Doch das weiss der Zeitungsreporter nicht. Natürlich setzt er sich rechts neben ihr auf die Couch. Ihre Bekannte, Caroline Pollastri, klärt ihn über die Hofetikette auf. Schleunigst wechselt er den Platz. Nun kann das Gespräch beginnen. Sie verbringe zehn Tage in der Schweiz, um sich zu erholen, erklärt Königin Ouretou Mbombo Njoya auf Französisch. Dass es sie ausgerechnet nach Hombrechtikon verschlagen hat, ist ihrem Arzt zu verdanken. Er ist der Bruder von Caroline Pollastri, die mit ihrem Mann Marco in einem Haus hoch über dem Zürichsee wohnt. Und er ist der Hofmediziner am Palais Royal in der Stadt Foumban, dem Zentrum des kamerunischen Königreiches Bamun. Eine von 108 Frauen Der König, Ibrahim Mbombo Njoya, hat insgesamt acht Frauen geheiratet. Nochmals hundert hat er von seinem Vater geerbt. Jede hat ihre spezifische Aufgabe. Königin Ouretou begleitet ihn jeweils auf seinen Auslandsreisen. Sie ist gebildet und spricht fliessend Englisch und Französisch – Eigenschaften, die für Staatsbesuche unerlässlich sind. Der König von Bamun hat bloss eine repräsentative Funktion, denn Kamerun ist eine präsidiale Republik mit einem Mehrparteiensystem. Seit 1982 wird der Staat von einem Mann regiert – dem Präsidenten Paul Biya. Die Oberhäupter der kamerunischen Königreiche können aber laut Königin Ouretou dank ihrem besonderen Status Einfluss nehmen auf die Geschehnisse im Land. Als die Königin in der Schweiz angekommen sei, habe sie fast der Schlag getroffen – eine solche Kälte kennt sie aus ihrer Heimat nicht. «Eine Nachbarin hat mir einen Mantel geschenkt», sagt sie. Diesen werde sie aber in der Schweiz zurücklassen. In Kamerun gebe es keine Gelegenheit, ihn zu tragen – es sei dort zu warm dafür. In Zürich traf sie auf «Fans» Was der Königin in der Schweiz besonders aufgefallen ist, sind die Autos: Die seien alle so neu hier. Und die Strassen, auf denen die Autos rumkurvten, seien auffallend sauber. Auch Hombrechtikon hat sich die Königin angeschaut. Bei ihrem Spaziergang durchs Dorf ist die 39-Jährige unerkannt geblieben. Anders sei das in den Strassen Zürichs gewesen: Verschiedene Leute hätten sie dort erkannt. Sie habe Autogramme gegeben, erzählt sie, und mit ihren «Fans» in Kameras gelächelt. Besonders geblieben ist der Königin von ihrer Reise in die Schweiz nebst der Kälte der Besuch des Klosters Einsiedeln. Auch dort sei sie erkannt worden: von einem Geistlichen, der den König schon einmal getroffen habe. Die Königin weilte nicht nur zur Erholung in Hombrechtikon. Mit ihren Kontakten konnte sie Caroline Pollastris Verein Casa des anges helfen, der in Kamerun ein Heim für benachteiligte Kinder aufbauen will. Königin Ouretou Mbombo Njoya (links) wohnt bei Caroline Pollastri .Foto: Frank Speidel

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