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Eine Mischung aus Klamauk und Todesernst

Der Schriftsteller Urs Widmer las in der Villa Grunholzer in Uster aus seinem aktuellen Roman «Herr Adamson».

Von Jennifer Steiner

Uster - Wo die Reise hingehen soll, wird bereits in den ersten Sätzen klar. Wir schreiben das Jahr 2032. Vier Geschenke von seinen Liebsten findet das 94-jährige Ich des Romans neben seiner Geburtstagstorte. Ein Miniaturboot, an dessen Heck ein schwarzer Fährmann steht. Dazu ein Lebkuchenherz mit den Worten «Gute Reise», eine Flasche Wein und Brot als Wegzehrung. Das Buch handelt vom Tod. Von einem Tod, der nicht bloss am Ende auf einen wartet, sondern ein lebenslanger Begleiter ist.

Abstecher ins Reich der Toten

Todernst ist Urs Widmers Roman «Herr Adamson» aber keineswegs. Eine gehörige Portion Humor schwingt in den Sätzen und zwischen den Zeilen mit, dazu eine Prise bizarren Wahnsinns; gekonnt betreibt der Autor die sprachliche Übertreibungskunst.

Urs Widmer las am Mittwochabend in der Villa Grunholzer in Uster aus seinem neusten Werk. Der Schriftsteller entführte die gut 50 Zuhörer in den Grenzbereich zwischen Leben und Tod, regte zu lautem Gelächter und stillem Nachdenken an. Er erzählte die Geschichte eines Jungen, der mit Herrn Adamson eines Tages seinem Vortoten begegnet. Das ist ein Verstorbener, der gelegentlich aus dem Reich der Toten zurückkehren darf - ein letztes Mal, um denjenigen zu holen, der einst im Augenblick seines Todes geboren wurde. Die erste Begegnung zwischen den beiden findet 1946 in einem verwunschenen Garten in Basel statt. Es ist gewissermassen das Allegro von Urs Widmers einstündiger Lesung. Sein Besuch in Uster stellte den zweiten Anlass einer literarischen Veranstaltungsreihe dar, die der Förderverein Villa Grunholzer ins Leben gerufen hatte. Es folgten zwei weitere - engagiert vorgetragene - Passagen des Romans: die Mitte oder das Prestissimo, wie Widmer scherzhaft jenes Kapitel bezeichnet, in dem das junge Ich inden 40er-Jahren einen Abstecher in die triste, bedrohliche Welt der Toten unternimmt. Und schliesslich das Ende des Buches, das Andante, das im Jahr 2032 spielt. Einen Tag nach seinem Geburtstag sitzt der Protagonist im verwunschenen Garten seiner Kindheit und spricht seine Geschichte für seine Enkelin Anni auf Band, um so sein Leben zu beschliessen.

«Bizarr, ich habe gerade meinen Tod vorgelesen», schliesst der Schriftsteller die Lesung. Spätestens jetzt ahnt der Zuhörer: Es ist kaum Zufall, dass der Protagonist seinem Erschaffer, Urs Widmer, äusserst ähnlich sieht - und erst noch am selben Tag Geburtstag feiert.

Mit einer Portion Selbstironie

Im Anschluss an die Lesung nahm sich Widmer Zeit, um ehrlich und mit einer Portion Selbstironie die Fragen des Publikums zu beantworten. «Mir gefällt seine authentische Art», attestiert ihm eine Ustermerin sogleich. «Ausserdem mag ich seinen Humor und klaren Stil.»

Eine Zuhörerin wollte wissen, ob Widmer denn als Schriftsteller selbst noch viel lese. Er sei ein ausgesprochener Vielleser, bekräftigt dieser. «Ich bin bürgerlich aufgewachsen - aber in Büchern, nicht in Geld.» Er fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: «Ich habe noch nicht herausgefunden, was besser ist.» In seiner Schulzeit habe er jeweils unter dem Pult heimlich gelesen. «Vielleicht erklärt dies meine schlechten Noten.»

Nichtsdestotrotz: Der 1938 in Basel geborene Widmer spielt seit Jahren in der obersten Liga der deutschen Literaten. Unzählige Romane, Hörspiele und Theaterstücke entstammen seiner Feder.

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