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Eine Schule kämpft für ihren Abwart

Der Abwart des Wetziker Schulhauses Guldisloo muss gehen. Die Primarschulpflege hat ihm gekündigt, weil er durch die Hauswart-Prüfung fiel. Jetzt setzen sich Lehrer, Eltern und Schüler für ihn ein.

Von Walter Sturzenegger Wetzikon – Seit vier Jahren ist Livio Boffa Abwart im Wetziker Primarschulhaus Guldisloo. Nicht nur die Lehrer schätzen ihn, auch die Eltern und selbst die Schulkinder. Trotzdem soll er seine 100-Prozent-Stelle verlieren und damit auch die Dienstwohnung, die er mit seiner zu 50 Prozent als Reinigungskraft angestellten Frau Sonja und den zwei volljährigen Kindern bewohnt. Die Primarschulpflege hat dem 45-Jährigen auf Ende Juli gekündigt und die Stelle ausgeschrieben. Sie sucht einen Schulhauswart mit handwerklich-technischer Berufsausbildung, abgeschlossener Ausbildung zum Hauswart mit eidgenössischem Fachausweis – oder jemanden mit der Bereitschaft, diese Ausbildung zu besuchen. Zweimal knapp gescheitert Den eidgenössischen Fachausweis wollte auch Boffa machen. Zwei Jahre lang drückte er berufsbegleitend die Schulbank. Die Primarschulgemeinde hatte dies im Anstellungsvertrag ausdrücklich gewünscht und kam für die Kosten auf. Doch dann patzte Boffa an der Abschlussprüfung. Er verfehlte mit einem Durchschnitt von 3,9 die erforderliche Note 4 knapp. Ein Jahr später wiederholte er die Prüfung – und scheiterte erneut haarscharf. Ohne den geforderten Fachausweis verliere er seine Anstellung, hatte ihn die Primarschulpflege im vergangenen Sommer gemahnt. Jetzt zog die Behörde die Konsequenzen. «Soziale Kompetenz zählt mehr» Die Kündigung schlug hohe Wellen. Erst reichte die Lehrerschaft eine Petition ein: Sie bitte die Primarschulpflege, die Kündigung zurückzunehmen. Dann sammelten die Schulkinder Unterschriften für den Hauswart. Die Eltern setzten ebenfalls eine Bittschrift auf, die sie gestern Nachmittag der Schulverwaltung überreichten. Und auch das Organisationskomitee des alljährlichen Guldi-Festes will sich mit einem Brief an die Schulpflege wenden. Livio und Sonja Boffa seien «Traumabwarte», sagt Eltern-Vertreter Marco Lutz. Die beiden hätten das Schulhaus im Griff, leisteten hervorragende Arbeit, schauten dabei nie auf die Uhr und seien bestens integriert. Ihre soziale Kompetenz sei höher zu gewichten als ein fehlendes Diplom, findet der Vater von zwei Schulkindern. Dieser Meinung sind auch die Mütter Iris Schlegel, Birgit Yazbek und Susanne Lutz, die sich aktiv an der Unterschriftensammlung beteiligten. Es dürfe nicht sein, dass die Primarschulpflege einen «sehr guten, hoch motivierten und freundlichen Menschen» wie Livio Boffa entlasse, halten die Eltern in ihrer Bittschrift fest. Wer sich im Guldisloo-Schulhaus umhört, kommt zum Schluss: Alle wollen, dass die Boffas bleiben. Die beiden seien «die Seele unseres Schulhauses», schreibt die Lehrerschaft. «Sie kennen alle Kinder mit Namen» und helfen mit, dass eine «vorbildliche und friedliche Stimmung herrscht». So müssten die Schulkinder keine Angst haben, zu ihren Dummheiten zu stehen, weil sie wüssten, dass ihnen der Hauswart helfe, das Malheur wieder in Ordnung zu bringen. Eine Entlassung von Livio Boffa könnte eine «unverantwortliche Schädigung des guten Klimas» im Schulhaus zur Folge haben, warnt die Lehrerschaft. Sonja und Livio Boffa freuen sich über die breite Anerkennung ihrer Arbeit und die Unterstützung. Zur Angelegenheit selbst wollen sie sich aber nicht äussern. Schulpräsident ist überrascht Die heftigen Reaktionen haben Primarschulpräsident Franz Behrens überrascht. Die Kündigung sei nicht leichtfertig und ohne Grund erfolgt, sagt er. Dass für Schulhauswarte der Fachausweis verlangt wird, sei zwar nicht vorgeschrieben, aber üblich und in Wetzikon schon seit einigen Jahren Standard. Alle Haupt-Hauswarte verfügten denn auch bereits über die geforderte Ausbildung, einer absolviere sie derzeit noch. Behrens versichert, die Primarschulpflege sei fair und offen vorgegangen und habe sich die Kündigung sehr gut überlegt. Und er betont: «Herr Boffa wusste immer, dass er die Ausbildung noch nachholen muss.» Der Abwart sei ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht worden. Auch auf den Umstand, dass der erfolgreiche Abschluss der Ausbildung eine Voraussetzung für die Anstellung sei.

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