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Einen eigenen See haben nur die Zürcher

Pfäffikon gibt es doppelt – einmal am Zürichsee und einmal am Pfäffikersee. Im Zürcher Oberland ist man auf den eigenen See zu Recht stolz, dafür macht das Alpamare den Ort im Kanton Schwyz im ganzen Land bekannt.

Oberländer Gemeinden und ihre Namensvettern (5) Von Andreas Frei Pfäffikon – Das ist das Seequai mit seinen Enten und den Ruderbötchen. Das ist die Seestrasse mit dem Kirchenplatz. Das ist Huber & Suhner mit dem markanten Kamin. Das ist das Römerkastell und die sanfte Hügellandschaft. Dass Pfäffikon damit keinesfalls abschliessend beschrieben ist, dürfte klar sein. Denn der Bezirkshauptort im Zürcher Oberland hat viel mehr zu bieten. Zum Beispiel pflegt Pfäffikon seit vielen Jahrhunderten eine besondere Beziehung zum Wasser. Interessanterweise gilt dies nicht nur fürs hiesige Pfäffikon – denn einen Ort mit gleichem Namen gibt es ja auch am Zürichsee. Die Parallelen sind verblüffend, auch wenn Pfäffikon im Kanton Schwyz keine Gemeinde ist – es gehört vielmehr zu Freienbach. Trotzdem: Beide Orte haben ihren ländlichen Charakter bewahrt, in beiden gibt es ein bedeutendes Gewerbe, beide leiden unter dem starken Verkehr, und in beiden wird gerne gebadet – was angesichts des Seeanstosses nicht verwundert. Wie lange der Zeitvertreib im wärmeren oder kälteren Nass in Pfäffikon SZ schon gepflegt wird, lässt sich schwer sagen. Einfacher ist das in Pfäffikon ZH: Römische Ruinen, die sich recht genau datieren lassen, zeigen, dass schon die Zeitgenossen von Asterix und Obelix Wert auf Wellness im Wasser legten. Die Standorte mehrerer Villen, in denen Bäder vorhanden waren, gelten als gesichert, und auch im Römerkastell soll es ein Badehaus gegeben haben. Ausserdem darf man davon ausgehen, dass die berühmten Pfahlbauer schon vor den Römern ab und zu ein mehr oder weniger freiwilliges Bad im See nahmen. Bekanntheit dank Alpamare Was die beiden Pfäffikon heute an Badegelegenheiten bieten, steht dem Angebot aus der Antike keinesfalls nach: Die Gemeinde im Kanton Zürich ist weitherum für ihre Badi am See bekannt – ein Angebot, das sich allerdings verständlicherweise eher auf die warme Jahreszeit erstreckt. Der Ort im Kanton Schwyz wiederum ist vor allem dank des Alpamares berühmt. Dessen Standort sorgt zuweilen für Verwirrung: Immer wieder fragen Touristen in Pfäffikon ZH nach dem Weg zum Erlebnisbad und sind dann erstaunt, wenn sie erfahren, dass sie noch gut 25 Kilometer davon entfernt sind. Dafür, dass das Alpamare just in Pfäffikon SZ steht, gibt es keinen Grund wie etwa eine besondere Quelle. Ausschlaggebend war vielmehr die gute Verkehrsanbindung sowie der Wohnort des geistigen Vaters des Bades, Max A. Hoefter. Alexandra Gerber, Kommunikationsbeauftragte des Unternehmens sagt: «Der in Wollerau wohnhafte Deutsche war für die Leitung Jodquellen in Bad Tölz verantwortlich.» Auf seine Initiative sei 1970 das Alpamare in Bad Tölz eröffnet worden. Er sei der Meinung gewesen, dass man den Leuten in der Schweiz etwas Ähnliches bieten sollte. 1977 wurde das Alpamare auf Schweizer Boden dann eröffnet. 1999 gelangte es in neue Hände: Die spanische Aspro-Ocio-Gruppe aus Madrid kaufte den Betrieb. Heute mache der Wellness-Bereich den kleineren Teil des Betriebes aus, sagt Gerber. Am beliebtesten seien die zehn Rutschbahnen. In diesem Bereich werde deshalb laufend ausgebaut. Besucherzahlen gibt das Alpamare nicht bekannt. Einen Durchschnittswert anzugeben, sei ohnehin nicht ganz einfach, zu sehr würden die Besucherzahlen schwanken. Dies hänge auch mit dem Einzugsgebiet des Bades zusammen: Dazu gehöre nicht nur die ganze Schweiz, sondern auch das angrenzende Ausland. «Familien und junge Erwachsene suchen hier vor allem Action. Leute über 30 ziehen dagegen eher den Wellness-Bereich vor», sagt Gerber. Eine eigentliche Flaute-Zeit kennt das Alpamare nach eigenen Angaben nicht. «Einen Rückgang stellen wir eigentlich nur an Hitzetagen fest, dann gehen die Leute wohl lieber ins Freibad. Bewölkt es sich oder fängt es gar an zu regnen, sind die Gäste sofort wieder bei uns.» Bad im See als Attraktion Das bedeutet allerdings nicht, dass Freibäder beim Auftauchen der ersten Wölkchen gleich menschenleer wären. Das Strandbad im zürcherischen Pfäffikon ist hierfür das beste Beispiel. Seit einigen Jahren kann das 1959 erbaute Bassin zusätzlich ökologisch geheizt werden – was schon zum Saisonbeginn im Mai für angenehme Wassertemperaturen sorgt. Geschätzt werde dies vor allem von regelmässigen Kunden, sagt Badmeister Roland Küpfer, der seit diesem Jahr in Pfäffikon tätig ist. «Jene Leute kommen bei jedem Wetter. Wir würden uns auch freuen, wenn noch mehr von ihnen zu uns kämen.» Im (dann noch wesentlich kälteren) See können abgehärtete Badegäste schon ab Mitte April schwimmen – und dies erst noch gratis. Eintritt wird erst ab dem offiziellen Saisonstart verlangt. Zu Ende ist die Saison traditionellerweise am Bettag. Der See steht auch danach weiterhin offen, bis die Badi Mitte Oktober in die Winterpause geht. Den Genuss, im See zu baden, lässt man sich auch im Kanton Schwyz nicht entgehen. In der Gemeinde Freienbach gibt es nicht weniger als drei Standbäder. Der Clou daran: In allen dreien ist der Eintritt gratis. Fairerweise muss man aber eingestehen, dass sich die Ausstattung des Bades in Pfäffikon am Zürichsee kaum mit der am Pfäffikersee messen kann. Liegewiese, Volleyballfeld, ein kleines Restaurant sowie das Garderobengebäude erwarten den Besucher des vergleichsweise kleinen Bades. Seit 1992 präsentiert sich die Anlage in ihrem heutigen Zustand. «Davor war es viel altmodischer, so, wie die Badeanstalten vielerorts aussahen, mit einem hölzernen Gebäude», erinnert sich Badmeisterin Josy Rochat. Damals habe der Eintritt ins Strandbad auch noch etwas gekostet – zumindest für die Auswärtigen. Dass der heutige Gratiseintritt ankomme, würden die Gästezahlen zeigen. «Ich weiss nicht, wie viele Gäste wir haben, ich bin ganz schlecht im Schätzen», meint die Badmeisterin mit einem Lächeln. «Mal sind es vielleicht fünfzig, dann aber auch einmal ein paar Hundert. Sie kommen von überall her. Einige reisen aus der March oder gar aus der Stadt Zürich an – eben weils gratis ist.» Doch nicht nur der Gratiseintritt macht das Bad in Pfäffikon laut Josy Rochat beliebt: «Das Gelände ist immer offen, einen Zaun gibt es nicht, die Leute können einfach jederzeit kommen und gehen.» Dies freue Jung und Alt. Überhaupt sei das Publikum sehr gemischt. Mehr als nur baden Das ist auch in Pfäffikon nicht anders, wie Roland Küpfer sagt, auch wenn hier ein kostenloser Eintritt kein Thema ist. «Neben vielen Pfäffikern haben wir auch zahlreiche auswärtige Gäste. Diese kommen zum einen Teil aus den umliegenden Gemeinden, aber es hat auch solche, die weitere Anfahrten auf sich nehmen, um sich bei uns zu entspannen.» Dafür steht die grosse Liegewiese zur Verfügung. Für Aktivere hat es Spielmöglichkeiten wie das Beachvolleyballfeld, eine grosse Rutschbahn oder einen Sprungturm. Das Restaurant sowie die finnische Sauna stehen allen offen – die Sauna sogar ganzjährig. Dass sich die Pfäffiker Badi derart entwickeln würde, war nicht immer allen klar. Als bekannt wurde, dass die Gemeinde direkt am See ein Bassin bauen wollte, hielten das viele für eine ausgemachte Schnapsidee. «Bassin am See, verrückte Idee», giftelten die Gegner in den späten 50ern. Der heutige Erfolg spricht allerdings für sich, auch wenn sich die hochfliegenden Pläne aus den frühen 70er-Jahren, die auch noch den Bau eines Hallenbades am selben Standort vorsahen, zerschlugen. Seit 1977 steht in Pfäffikon in der Schulanlage Steinacker nun immerhin ein Lehrschwimmbecken zur Verfügung. Von den Qualitäten eines Alpamares ist die Anlage im zürcherischen Pfäffikon aber weit entfernt. Das Privileg, jenes Pfäffikon mit eigenem See zu sein, haben aber definitiv die Zürcher. Pfäffikon ist ohne den See unvorstellbar – das gilt im Zürcher Oberland genauso wie im Kanton Schwyz. Foto: Nathalie Guinand

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