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Einmal vor der Schule nicht kiffen

Mit einem freiwilligen Kurs will die Suchtprävention Zürcher Oberland jugendlichen Kiffern helfen, ihren Cannabiskonsum zu reduzieren.

Oberland - «Nein, mit einer Therapie hat unser Angebot nichts zu tun», macht Karin Landolt deutlich. Die Sozialarbeiterin leitet zusammen mit einem Psychologen den Cannabiskurs Join-t-us, der heute Abend in Uster das erste Mal durchgeführt wird. Bei dem Pilotprojekt der Suchtprävention Zürcher Oberland geht es vielmehr darum, kiffende Jugendliche in vier Kurseinheiten dabei zu unterstützen, den eigenen Konsum von Haschisch und Marijuana zu überdenken und letztlich auch zu verringern.

Freiwilligkeit als Basis

Den Kurs gibt es schon in einer verwandten Form, der Besuch wird von der Zürcher Jugendanwaltschaft angeordnet. Das neue Projekt basiert hingegen auf einer freiwilligen Teilnahme, und das mache den Zugang zu den Jugendlichen deutlich einfacher, sagt Karin Landolt. «So müssen wir nicht erst das Eis brechen. Wenn jemand allerdings von seinen Eltern gedrängt wird, ist die Motivation natürlich auch nicht so gross, wie wenn ein Jugendlicher aus freien Stücken am Kurs teilnimmt.» Karin Landolt spricht in einem solchen Fall von einer «bedingten Freiwilligkeit».

Weichei vor den Kollegen?

Wichtig sei, vor den Jugendlichen nicht mit dem Mahnfinger aufzutreten, denn sonst sei ein offenes Gespräch nicht möglich. Und dies wiederum sei nötig, um die Gründe fürs Kiffen auszuloten sowie sichtbar zu machen, welchen Mustern der Konsum folgt. «Starke Kiffer folgen oftmals einem Ritual, sei es in der Gruppe oder in Bezug auf den Gute-Nacht-Joint am Abend», weiss die Sozialarbeiterin. «Nur wer sich seines Verhaltens bewusst ist, kann es auch verändern.»

Denn um den Cannabiskonsum zu reduzieren, reiche der blosse Wille oftmals nicht aus. Eine Strategie sei nötig, und dazu gehöre zum Beispiel, individuelle und vor allem realistische Ziele zu formulieren: Mal vor der Schule nicht kiffen, mal den Joint aus der Runde an sich vorbeigehen lassen. «Und dann schauen, was geschieht: Kann ich mich in der Schule besser konzentrieren? Bezeichnen mich die Kollegen dafür als Weichei?» Hier sei es dann an der Kursleitung, die Vorteile eines veränderten Konsums zu stützen. Dabei sei es auch hilfreich, die berufliche Zukunft der Jugendlichen zum Thema zu machen. «Die meisten bezeichnen es als ihr Ziel, eine Lehre zu machen und später einen guten Job zu haben. Und gemeinsam können wir herausfinden, inwieweit das Kiffen diesen Wunsch behindert.» Nur so könne das Verhalten längerfristig verändert werden. Dass es dabei auch zu Rückschlägen komme, liege in der Natur der Sache.

Bisher hat sich nur eine Handvoll Jugendliche für den Kurs angemeldet. Landolt begründet die überschaubare Teilnehmerzahl damit, dass sich die Suchtpräventionstelle in einer ersten Phase auf die Gemeinden Uster, Effretikon und Gossau habe beschränken wollen. «Im Kleinen anzufangen ist bei Pilotprojekten durchaus üblich», sagt sie. Letztlich sei es bei dieser Kursform aber auch nicht einfach, die Zielgruppe zu erreichen. Dies geschehe am besten über die Schulsozialarbeit oder die aufsuchende Jugendarbeit.

Gemeinden interessieren sich

Landolt ist überzeugt davon, dass der Kurs ein Erfolg wird. «Wir haben schon mit den von der Jugendanwaltschaft verordneten Gesprächsrunden gute Ergebnisse erzielt», gibt sie an. Aufgrund von Befragungen lasse sich dies sehr wohl nachweisen. «Obwohl wir natürlich nicht ausschliessen können, dass allenfalls veränderte Lebensumstände der Jugendlichen ebenfalls einen Einfluss haben.» Für sie steht deshalb fest: Für den Cannabiskurs gibt es eine Fortsetzung. Denn nachdem die Suchtpräventionsstelle kürzlich die übrigen Oberländer Gemeinden über Join-t-us informiert habe, sei die Resonanz sehr gross gewesen. «Viele haben gesagt:‹Endlich gibt es so etwas.›»

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.join-t-us.ch. Die Website wie auch die Flyer wurden von Jugendlichen gestaltet.

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