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Entbehrungen auf dem Velosattel

Zwei Dälliker wollen es wissen: Sie umrunden im Rahmen des Radrennens «Tortour» die Schweiz. Ihr Ziel ist es, die 1000 Kilometer und 15 000 Höhenmeter in 42 Stunden zu bezwingen.

Von Sarah Sidler Dällikon – Für den einen ist es eine Herausforderung mehr in seinem beeindruckenden sportlichen Leistungsausweis. Für den anderen der Abschluss seiner verrückten Sportabenteuer. Bruno Meier freut sich auf den Start des härtesten Radrennens der Schweiz, Harry Aemmer auf das Ziel. Trotzdem zaubert der Begriff «Tortour» ein Lächeln auf beide Gesichter. Die Dälliker freuen sich auf die Strapazen des Radrennens entlang der Landesgrenze. Zu zweit nehmen sie am 19. und 20. August die 1000 Kilometer und 15 000 Höhenmeter unter die Räder ihrer Velos. Während des Rennens überqueren sie den Gotthard-, Julier-, Nufenen- und Flüelapass. Gefahren wird Tag und Nacht. Der Start in Neuhausen am Rheinfall erfolgt um 3.30 Uhr. Etwa alle 50 Kilometer wechseln sich die Fahrer ab. Während einer rund zwei Stunden lang radelt, ruht sich sein Teamkollege in einem der beiden Begleitfahrzeuge aus. An Schlaf ist während der insgesamt 20 Etappen kaum zu denken. Sie hoffen, einmal wenigstens duschen zu können. Spaghetti und Flüssignahrung Sechs Helfer – Freunde und Arbeitskollegen – begleiten die beiden Extremsportler auf ihrer Tour. Unter ihnen befinden sich ein Velomechaniker, ein Koch sowie zwei Physiotherapeuten. Ernähren werden sie sich hauptsächlich von Gnocchi und Spaghetti, eventuell gibt es bei Bedarf zusätzlich eine Tube Flüssignahrung auf dem Velo. Auf die Behandlung der Physiotherapeuten während des Rennens freuen sich Aemmer und Meier besonders: «Die Masseure haben wir durch einen Aushang in einer Schule für angehende Physiotherapeuten gefunden.» Sie betreuen die Sportler kostenlos. Ein Kostenpunkt weniger: Die Startgebühr für die «Tortour», an der rund 90 Teams teilnehmen, beträgt 1290 Franken. Rechnet man Material, Bekleidung, Betreuung, Verpflegung und Benzin der Begleitfahrzeuge hinzu, kommt ein ansehnlicher Betrag zusammen. Die Dälliker Sportfreaks können ihn jedoch zu einem grossen Teil mit Sponsorbeiträgen decken. Unausstehlich ohne Training Die beiden Mittvierziger trainieren meist unabhängig voneinander für ihr gemeinsames Vorhaben. Aemmer fährt täglich mit dem Rad an seinen Arbeitsplatz in Unterengstringen. Zudem spult der Selbstständigerwerbende zweimal wöchentlich zwischen 100 und 130 Kilometer ab. «Seit ich im März mit dem Training begonnen habe, bin ich etwa 7000 Kilometer weit gefahren», schätzt er. Meier hat vor rund zwei Monaten an einem Gigathlon teilgenommen. Seither habe er versucht, seine Form beizubehalten. Der Informatiker fährt dreimal die Woche von Dällikon nach Wettingen und von dort aus mit dem Zug an seinen Arbeitsort in Langenthal. Zurück radelt er die ganze Strecke. Er werde die nächsten zwei Wochen intensiv fahren und dann eine Woche ausruhen, sagt er. Das Velo ist ein wichtiger Bestandteil im Leben der beiden zweifachen Väter: «Kann ich einmal eine Woche lang nicht fahren, werde ich unausstehlich», so Meier. Angst vor wilden Tieren Die Dälliker gehen davon aus, dass sie während der «Tortour» vor allem gegen den mangelnden Schlaf zu kämpfen haben werden. Gleichzeitig freuen sie sich auf die nächtlichen Etappen: «Wann hat man sonst die Gelegenheit, bei Nacht über die Berge zu fahren?» Sorge bereitet ihnen nur der Gedanke an wilde Tiere auf der Strasse. Die beiden sind sich einig, dass sich während des Rennens vieles im Kopf abspielen wird: «Die Beine trampen einfach.» Warum tun sie sich diese Strapazen an? «Während des Ausdauersports kommen mir die besten Ideen», sagt Meier. Wenn er die harten Phasen eines Rennens – während denen alles schmerzt und es einem schlecht geht – überwunden habe, fühle sich das unheimlich gut an. «Du bist süchtig danach», wirft Aemmer ein. Aemmer schätzt das intensive Trainieren. Er könne hingegen auch einfach Velofahren ohne irgendein Ziel vor Augen. Seine Zeit als Extremsportler finde ausgerechnet mit der «Tortour» ein Ende, weil das Rennen «etwas ganz Spezielles und Faszinierendes» sei. «Wenn wir von unserem Projekt erzählen, fragen alle, ob wir die Schweiz in einer Woche oder zehn Tagen umrunden wollen», schmunzelt Meier. Ihre Antwort lautet dann: «In maximal 42 Stunden.» Harry Aemmer (links) und Bruno Meier nehmen das härteste Velorennen der Schweiz unter die Räder. Foto: David Baer

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