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Entzauberung eines Drogenkönigs

Das ganze Quartier wusste es – und nach seiner Verhaftung wusste es ganz Stäfa: Reinhard Lutz, einst der berühmteste Dealer der Schweiz, hatte im Kehlhof ein neues Geschäft aufgezogen. Jetzt stand er vor Gericht.

Alle scheinen sie an diesem Juni-Morgen in Erwartung einer aussergewöhnlichen Geschichte. Sogar die Natur, die ein Bühnenbild wie für eine morbide «Heidi»-Adaption entworfen hat: Wolkenfetzen ziehen tief über das Rheintal und verfangen sich an den steilen Hängen in den Tannen. Am Bahnhof des St. Galler Landstädtchens Buchs rattert ruhelos ein Billettautomat, obwohl weit und breit niemand in Sicht ist. Und oben, vor dem klassizistischen Gebäude des Kreisgerichts, erklärt einer im Nieselregen: «Für eine hundskommune Verhandlung wäre ich doch nicht extra die 40 Kilometer hierhergefahren.»

Denn vor dem Richter sitzt der Mann, den sie früher mal den Schneekönig genannt haben. Nicht wegen alpiner Höchstleistungen, sondern wegen solcher im Drogengeschäft: 100 Kilogramm Kokain hat er in den frühen Neunzigerjahren aus Brasilien in die Schweiz geschmuggelt – einer der grössten Fälle, den es hier je gab.

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