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«Er ist die rechte Hand»

Geht wie in Schönenberg der Gemeindeschreiber, spürt das als Erstes der Gemeindepräsident.

Von Daniel Stehula Bezirk – Walter Kälin verlässt die Gemeindeverwaltung Schönenberg nach eineinhalb Jahren als Gemeindeschreiber (siehe Kasten). Zurück lässt er eine Verwaltung, die sich neu sortieren muss. Damit ist Schönenberg eine weitere Gemeinde, die seit 2007 einen Wechsel an der Verwaltungsspitze verkraften muss. Kilchbergs langjähriger Gemeindeschreiber Bernhard Bürgisser ging heuer in Pension, Hütten braucht einen Nachfolger für André Pichon. Richterswils Schreiber Roger Nauer ist seit April 2009 im Amt. Adliswil und Horgen haben seit 2008 einen neuen Schreiber, und Adrian Hauser wechselte 2007 von Hütten in den Hirzel. Alfons Schuler (parteilos), seit diesem Frühjahr Gemeindepräsident von Schönenberg, ist nicht glücklich, zu wissen, dass sein Gemeindeschreiber gekündigt hat. Schuler sagt zwar, die Welt gehe nicht unter, weil Kälin die Gemeinde verlasse. Der Betrieb in der Verwaltung geht weiter. «Es gibt noch andere Abteilungen», sagt der Gemeindepräsident, «der Schreiber ist nur eine Person; auf anderen Posten arbeiten Fachleute, die viel Erfahrung haben.» Doch Schuler sagt auch: «Der Gemeindeschreiber ist meine rechte Hand.» Er sei die zentrale Person. Denn: «Er weiss über die rechtliche Seite Bescheid.» Er kennt die offiziellen Verfahren, bei Unklarheiten nimmt der Gemeinderat Rücksprache. Selbst während einer Gemeindeversammlung kann sich der Gemeindepräsident beim Schreiber versichern, dass alles nach Recht und Ordnung abläuft. Ein Neuer für Hütten Der Gemeindepräsident hat aber auch Verständnis für den Entscheid Kälins. «Der Gemeindeschreiber hat einen Knochenjob», sagt Schuler. Besonders für eine kleine Gemeinde wie Schönenberg mit seinen 1913 Einwohnern (Stand Ende Juni 2010) gilt das. Kälin hat neben der Mitarbeiterführung auf der Verwaltung auch die Bauabteilung unter sich. In grösseren Gemeinden, sagt Schuler, könne sich der Gemeindeschreiber häufiger zusammen mit dem Gemeindepräsidenten um strategische Geschäfte kümmern. Dort müsse er nicht noch eine Abteilung leiten. In einer kleinen Gemeinde aber fülle ihn das Tagesgeschäft aus – abends habe er häufig Sitzungen. Alfred Tanner ist Gemeindeschreiber ad interim in Hütten. Er hat beobachtet, dass in den vergangenen zwei bis drei Jahren kleine Gemeinden Schwierigkeiten bekundeten, die Stelle des Gemeindeschreibers zu besetzen. Die Gründe dafür kennt er nicht. Er sagt: «Jeder hat seine eigene Meinung dazu.» Hütten hat einen Gemeindeschreiber gefunden. Tanner sagt: «Der Beschluss des Gemeinderates liegt noch nicht vor, deshalb kann ich nicht mehr dazu sagen.» Heute bleiben die Schreiber nicht mehr über Jahrzehnte einer Gemeinde treu. Es gibt aber Ausnahmen. Thomas Dischl ist seit über 14 Jahren Schreiber in Oberrieden. Gemeindepräsident Martin Arnold (SVP) sagt: «Er ist die Schlüsselperson, die alles sieht und alles weiss.» Eben der Chef der Verwaltung.

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