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Er kämpft gegen die Schwarzarbeit und scheitert an der Politik

Adrian Gsell betreibt eine Putzfrauenvermittlung und möchte, dass die Löhne des Putzpersonals von den Steuern abzugsberechtigt sind – als Massnahme gegen Schwarzarbeit. Politiker mögen seine Idee nicht.

Von Stefan KrähenbühlFehraltorf – Adrian Gsells Kampf ist verloren, bevor er richtig begonnen hat. «Noch eine Woche, höchstens», sagt der Unternehmer und lehnt sich im kleinen Ledersitz seines Fehraltorfer Büros zurück. «Dann hör ich auf.» Der ernste Unterton in seiner Stimme ist ungekünstelt. Und zeugt von Enttäuschung. Adrian Gsell hat sich zum Ziel gesetzt, die Schwarzarbeit in der Reinigungsbranche zu reduzieren – und scheiterte an der Politik. Viele Politiker unterstützen den Kampf gegen Schwarzarbeit, nur konkret etwas dagegen tun, da ist sich der 42-Jährige sicher, will niemand. Und weil er selbst keine Zeit hat, wird das Ansinnen bald in der Aktenablage landen. Vor acht Jahren hat Adrian Gsell die Putzfrauenagentur Putzfrau.ch gegründet. Aus einer einzelnen Agentur ist inzwischen eine Verwaltungszentrale geworden, die über 14 Agenturen in der ganzen Schweiz wacht. Rund 950 Mitarbeiter sind bei seinen Agenturen registriert. «Alle völlig legal», betont Gsell. Legal bedeutet: Wer eine Putzhilfe beschäftigt, tritt als Arbeitgeber auf – mit allen Pflichten. Der Arbeitgeber muss nicht nur einen Vertrag mit der Putzhilfe abschliessen, sondern verpflichtet sich auch zur Bezahlung von Beiträgen an Unfallversicherung, Sozialversicherungen und Pensionskasse. Ein Aufwand, den viele scheuen. Steuerliche Anreize gefordert Rund 100 000 Haushaltsangestellte arbeiteten im letzten Jahr in der Schweiz schwarz. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die Gsell selber verfasst hat. Demnach beschäftigen 75 Prozent der Haushalte, die eine Putzhilfe anstellen, diese illegal. «Der Bund hat 3,5 Millionen Franken in eine Kampagne gegen Schwarzarbeit gesteckt, genützt hat es praktisch nichts», sagt Gsell. Deshalb habe er einen anderen Ansatz gesucht. Um die Arbeitgeber zu bewegen, ihrer Deklarationspflicht nachzukommen, will der Fehraltorfer steuerliche Anreize schaffen. Sprich: Wer eine Reinigungshilfe anstellt, soll deren Kosten in den Steuern – wie beim Kinderbetreuungsabzug – abziehen können. «Dadurch würden Sozialleistungsbeiträge von rund 200 Millionen Franken entstehen», sagt Gsell. Und da es zu höheren Steuereinnahmen führe, wenn die Putzhilfen ihre Löhne deklarieren, sei der Steuerrückgang, der durch die Abzüge entsteht, quasi aufgehoben. Eine praktikable Lösung, findet Gsell. «Mit der Vorlage würde das politische Lager von links bis rechts abgeholt», sagt er. «Die Linke wegen des Arbeitnehmerschutzes, die Rechte wegen des zusätzlichen Steuerabzugs.» Das Interesse der Politiker hielt sich jedoch in Grenzen. «Ich hätte den Vorstoss aber beschlussfertig auf dem Silbertablett liefern müssen. Das wollte ich nicht.» Eine Zusammenarbeit kam nicht zustande. «Ich wurde pausenlos mit Versprechen hingehalten», sagt er. Bestehendes Gesetz genügt Der Schweizerische Gewerkschaftsbund äusserte sich zu Gsells Idee genauso kritisch wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Der gemeinsame Nenner: Man wolle bei der jetzigen Politik bleiben, um das Gesetz gegen Schwarzarbeit durchzusetzen. Es wurde 2008 eingeführt und setzt vor allem auf vermehrte Kontrollen und stärkere Sanktionen. Gleichzeitig wurde ein vereinfachtes Abrechnungsverfahren eingeführt. Seither können Arbeitgeber ihre Putzhilfen mit einem einzigen Formular bei den Sozialversicherungen anmelden. Gemäss Seco haben sich im Jahr 2008 12 615 Personen für das vereinfachte Verfahren angemeldet. Im Jahr 2009 waren es noch 4578 Personen. Und dennoch: Laut Gsell hat die Politik wenig gebracht. «Man zeigt uns die Anmeldungen für das vereinfachte Abrechnungsverfahren und spricht von einem Erfolg. Dabei wird unterschlagen, wie viele der angemeldeten Personen ihre Putzhilfe vorher schon legal beschäftigt und nur das Verfahren gewechselt haben.» Für Rolf Gerspacher vom Seco sind das vereinfachte Abrechnungssystem und Informationskampagnen die praktikabelsten Massnahmen im Kampf gegen die Schwarzarbeit. «Ein Steuerabzug der Löhne von angestellten Putzhilfen ist kaum ein geeignetes Instrument», sagt Gerspacher. «Es ist nicht nachvollziehbar, wieso gewisse Lebenssituationen in privaten Haushalten steuerlich privilegiert werden sollten.» Es müsse zudem erst nachgewiesen werden, «dass das Sparpotenzial, das erreicht wird, wenn Löhne von Putzhilfen abgezogen werden können, tatsächlich ein entscheidender Grund für die Anmeldung ist».Worte, die Adrian Gsell gut kennt. Vor kurzem hat er sich ein weiteres Mal an verschiedene Parteivertreter gewandt. Ein weiteres und letztes Mal, wie er betont. Er wolle die Mitarbeiter aus seiner Branche zwar weiterhin unterstützen, sagt Gsell. «Doch auch mein Engagement hat Grenzen. Ich bin in erster Linie Unternehmer.» Etwa 100 000 Haushaltangestellte arbeiten in der Schweiz, ohne Beiträge an die Sozialwerke zu bezahlen, sagt Adrian Gsell. Foto: Nicolas Zonvi

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