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Er macht den Flyers Beine

Im Frühling wurde Frédéric Rothen ausgemustert. Als Fitnesscoach ist er trotzdem am Klotener Höhenflug beteiligt, der heute gegen den ZSC weitergehen soll.

Von Silvan Schweizer, Kloten Frédéric Rothen winkte am Dienstagabend ins Klotener Publikum; auf dem Arm hielt er seine 5-jährige Tochter Layla. Die Fans erhoben sich von ihren Sitzen und schmetterten seinen Namen in die Halle. Es war Derbyzeit, aber es war Drittelspause. Den Moment seines Abschieds hatte sich Rothen anders vorgestellt. Emotionaler. Nicht im Anzug, sondern in Ausrüstung und Klotener Trikot, das er insgesamt neun Saisons getragen hatte, wollte er als verdienstvoller Stürmer die Ehrenrunde drehen. Sein letztes NLA-Spiel hatte er aber bereits am 1. April bestritten, als die Flyers gegen Bern aus dem Titelkampf ausschieden. Nur war das dem Jurassier damals noch nicht bewusst. Zwei Wochen später erklärten ihm der ehemalige Sportchef Alpo Suhonen und dessen Assistent Jürg Schawalder, dass die Vereinsführung nicht mehr mit ihm plane. «Ich wusste, dass meine Leistungen nicht mehr gut gewesen waren. Aber der Entscheid hat mich schon überrascht. Ich habe immer alles für Kloten gegeben, war immer ehrlich», sagt Rothen. «Das hat mich im Stolz verletzt.» Zumal der 34-Jährige noch im November einen neuen Zweijahresvertrag erhalten hatte. Zu einem anderen Verein mochte er nicht wechseln, er wollte seine Karriere im Zürcher Unterland beenden, das war ihm immer schon klar gewesen. «Ich hätte sagen können, ich bleibe stur und kassiere das Geld», sagt Rothen. «Aber so funktioniere ich nicht. Was soll ich zwei Jahre zu Hause herumsitzen?» Deshalb war er froh, dass der Klub ihm doch noch eine Zukunft bot – als Konditionstrainer für die Elite-Junioren und das Fanionteam. Er unterschrieb für drei Jahre. Zwei Diplome Im Unerschied zu vielen Kollegen hat Rothen mit den zermürbenden Kraftübungen im Geräteraum nie ein Problem gehabt. «Man sieht, wie ich gebaut bin», sagt er und blickt an seinem gestählten rechten Oberarm hinunter. «Ich musste nie leiden, vergoss auch nach zwei Stunden keinen Tropfen Schweiss.» Seine Leistungswerte konnte in den letzten Saisons nur Kraftprotz Victor Stancescu, sein Nachfolger als Captain, übertreffen. Dafür sei er kein Läufertyp gewesen, gibt Rothen zu. «Rennen: Da war ich immer halbtot danach!» Sein Wissen und Talent im Fitnessbereich hatte er schon in den letzten vier Jahren seiner Karriere gefördert. In der Sommerpause pendelte er jeweils zwischen Kloten und Genf, wo er eine fachspezifische Schule besuchte. Rothen schloss zwei Ausbildungen mit Diplom ab. Trotzdem war er nervös, als er nun im Juli plötzlich zum Trainerstab gehörte. «Zuvor war ich ihr Teamkollege, jetzt mussten die Spieler meine Anweisungen befolgen. Ich wusste nicht, wie sie reagieren würden», sagt er. «Aber von Kimmo Rintanen bis zum Junior haben alle ohne Murren mitgemacht. Das hat mir enorm geholfen.» Gemeinsam mit Assistenztrainer Felix Hollenstein, der die Sommersession leitete, gestaltete Rothen die Trainingslektionen. Er brachte Ideen für neue Übungen ein, ging auf die Bedürfnisse der Spieler ein – ob Kraft, Kondition oder Beweglichkeit –, bot ihnen auch einmal die Wahl zwischen einer vorzeitigen Massage und der nächsten Einheit Kniebeugen. Das Team dankt es ihm und dem Trainerduo. Weder in der Testphase noch in der NLA haben die Kloten Flyers bisher eine ihrer 17 Begegnungen nach 60 Minuten verloren. «Nach acht Meisterschaftspartien kann man noch nicht sagen, dass die Spieler fitter sind als in anderen Jahren», sagt Rothen indes vor dem nächsten Zürcher Derby von heute. «Meinen Anteil sieht man erst an Weihnachten, wenn das erste Loch kommt. Und dann natürlich im Playoff, wenn es zählt.» Ein Meistertitel als Herr der Medizinbälle würde für seinen enttäuschenden Abgang als Spieler entschädigen. Mit Kraftübungen hat Frédéric Rothen noch nie ein Problem gehabt: «Man sieht, wie ich gebaut bin». Foto: Nicola Pitaro

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