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Er raste, flüchtete und fehlte vor Gericht

Ein junger Raser brauste durch Wallisellen der Polizei davon und muss dafür ins Gefängnis. Gestern hätte er um eine mildere Strafe kämpfen sollen, doch der Verhandlung blieb er fern.

Wallisellen/Zürich. - Gestern um acht Uhr waren am Zürcher Obergericht alle bereit. Alle, bis auf den Verurteilten selbst. Wo der 23-jährige Schweizer mit Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien steckte, entging auch dem amtlichen Verteidiger. Und der begleitet die kriminelle Karriere seines Mandanten immerhin seit vier Jahren.

Eine ganze Reihe von Übertretungen leistete sich der Stadtzürcher in der Nacht auf den 14. April letzten Jahres. Ohne den ihm entzogenen Fahrausweis fuhr er mit seinem Opel Kadett in den Ausgang. Als er in Wallisellen eine Polizeikontrolle vor sich sah, wendete er und brauste Richtung Winterthur davon. Ein Streifenwagen verfolgte ihn. Doch statt zu halten, beschleunigte der damals 22-Jährige auf 135 km/h. Erlaubt waren 60 km/h. Auch durch eine Strassensperre in Baltenswil liess er sich nicht aufhalten. Erst im letzten Moment riss er das Lenkrad nach links und passierte den Streifenwagen nur knapp. Nachdem er in Tagelswangen bei Rot über eine Kreuzung schoss und mehrfach die Sicherheitslinie überfuhr, stoppte ihn schliesslich bei Lindau ein von der Polizei ausgelegtes Nagelbrett.

Die Verfolgungsjagd und die Aussicht auf eine Gefängnisstrafe hinderten ihn nicht daran, drei Monate später erneut gegen das Gesetz zu verstossen. In Zürich zerschlug er die Scheibe eines DVD-Ladens, bedrohte und nötigte eine Frau und fuhr mehrfach zu schnell - wieder ohne Ausweis.

Das Bezirksgericht Bülach verurteilte ihn darauf zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten. Und da er innerhalb der Probezeit von drei Jahren delinquierte, widerrief es zudem eine bedingt verhängte Freiheitsstrafe von 20 Monaten. Gegen Letzteres legte der Verurteilte Berufung ein.

«Er war schon beim letzten Gerichtstermin knapp dran», sagte der Verteidiger um 8.15 Uhr. Das Gericht gewährte eine «Respektstunde» und bat den Rechtsanwalt, inzwischen mit dem Plädoyer zu beginnen. Dieser betonte, dass sein Klient seine Schuld einsehe und die unbedingte Gefängnisstrafe akzeptiere. Übertrieben fand er jedoch die zusätzliche Freiheitsstrafe von 20 Monaten bedingt, die sein Mandant nun ebenfalls absitzen muss. «Das wäre ein lange Zeit, wenn man sein Alter berücksichtigt, zumal im Gefängnis ja nicht die besten Kontakte geknüpft werden.» Er wohne bei den Eltern und arbeite selbstständig oder temporär als Maler. Zwar harze das Geschäft, doch so viel er wisse, habe er in letzter Zeit nichts mehr verbrochen. «Er ist kein böser Mensch», sagte der Verteidiger und bedauerte, dass sein Klient der Verhandlung fernblieb. «Was ich sagen kann, ist nicht viel. Deshalb wäre es schön, wenn er sich äussern könnte.» Die «Respektstunde» war mittlerweile verstrichen. Doch vom Raser keine Spur.

Als der Richter mutmasste, dass der Verurteilte vielleicht am Arbeiten sei, war nicht zu erkennen, ob er das ernst meinte oder nicht. Jedenfalls hielt er bei der Verurteilung fest, dass die Abwesenheit die Chancen des jungen Rasers nicht eben begünstigt hätten. Das Gericht beschied ihm keine guten Aussichten und bestätigte das vorinstanzliche Urteil. Das Obergericht hätte gar eine höhere Strafe gefällt, sagte der Richter. Doch sei dies nicht möglich, weil nur die Verteidigung, nicht aber die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatte.

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