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Erdbeben Die Ursachen verstehen, TA vom 16. 1.

Jenseits von allem.

André Comte-Sponville, dem ich ansonsten in vielem Recht gebe, stellt seine atheistische Weltanschauung einem konventionellen, christlich-dogmatischen Gottesbild entgegen. Wird Gott als allmächtig, allwissend und gütig zugleich definiert, tappt man unweigerlich in die Theodizee-Falle, das heisst, ein solcher Gott lässt sich nicht rechtfertigen. Es gibt aber im Christentum auch eine alte Tradition der mystischen und negativen Theologie. Was man Gott nennt, ist unerkennbar und ohne jegliche Eigenschaft. Er ist alles in allem und jenseits von allem. Schon der hebräische Gott Jahwe sagt von sich, er sei reines Sein («Ich bin, der ich bin»), und man dürfe sich kein Bild von ihm machen. Wenn an anderer Stelle im Zusammenhang mit der Erdbebenkatastrophe die Voodoo-Praktiken auf Haiti als Mystik bezeichnet werden, ist das völlig absurd. Voodoo ist Magie und hat mit Mystik nicht das Geringste zu tun.

Walter Artho, Schlieren

Also auch Gott nicht. Der Atheist André Comte-Sponville schreibt: «Wenn Gott nicht existiert, erklärt sich dieses Erdbeben mit seinen Folgen allein durch die Naturgesetze.» Und weiter: «Wenn Gott aber existiert, liegt der Fall völlig anders.» Warum? Reagieren dann die Naturgesetze nicht mehr, wie sie eben sind? Wie kann ein gescheiter Mensch wie der französische Philosoph und Schriftsteller in zwei fast aufeinanderfolgenden Sätzen sich derart widersprechen? Und im letzten Abschnitt fügt er dann hinzu: «Wenn man die Ursachen eines Phänomens verstanden hat, dann begreift man, dass niemand schuldig ist.» Also auch Gott nicht.

Karl Graf, Neu St. Johann

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