Zum Hauptinhalt springen

Erfolgreiche Trüffelsuche am Pfannenstiel

Per Zufall ist Guido Rudolphi zu einem Hund gekommen, der einen Riecher für die begehrten Knollen hat. Seither kennt er die geheimen Plätzchen, wo diese wachsen.

Von Regine Imholz Meilen – Verspielt jagt die Lagotto-Hündin Amira einem Tannzapfen hinterher und wirft ihn übermütig in die Luft. Doch plötzlich lässt sie das Spielzeug links liegen und streckt aufmerksam ihre Nase in den Wind: Sie hat Witterung von Trüffeln aufgenommen. Wir befinden uns nicht etwa in der Toskana oder im Périgord, sondern im Wald am Pfannenstiel, hoch über Meilen. Zielstrebig trabt die gut zweijährige Hündin durchs Unterholz, bleibt dann stehen und beginnt zu graben. Sofort ist ihr Besitzer mit einer kleinen Hacke zur Stelle. Guido Rudolphi fördert einen nussgrossen, übel riechenden schwarzen Klumpen zutage. Nur ganz schwach schwebt darüber jener unverkennbare Duft, der klarmacht: Amira hat einen kleinen Trüffel gefunden. Dass dieser eher einem Schleimbrocken ähnelt, liegt daran, dass jetzt nicht Saison für die begehrten Pilze ist. Diese dauert von September bis zum frühen Winter.Dass Rudolphi, der bis vor kurzem in Uetikon lebte, einen Trüffelhund besitzt, ist dem Zufall zu verdanken. Er suchte bloss einen Familienhund, der wenig Haare verliert, weil sein Sohn darauf allergisch reagiert. Und Lagottos haaren fast gar nicht. Auf die andere Besonderheit dieser Rasse wurde er erst bei einem Spaziergang mit der Züchterin aufmerksam. Ein Fund mitten in Zürich Sie waren gemeinsam am Pfannenstiel unterwegs, als die drei Lagottos der Frau plötzlich im Erdreich zu graben begannen. Amira beobachtete das, schnüffelte an den zu Tage geförderten Knollen und ahmte danach das Verhalten der anderen Hunde nach. «Seit jenem Tag weiss sie, worum es geht», sagt Rudolphi. Als er kurz darauf während eines Spaziergangs telefonierte, legte ihm Amira in dieser Zeit mehrere Trüffel vor die Füsse. Wusste der 50-Jährige, dass am Pfannenstiel Trüffel wachsen? «Diese Pilze gibt es überall, wo die Bedingungen stimmen», sagt er. Sonnig müssten die Plätzchen sein, mit basischem Boden und Laubbäumen. Dort leben die Trüffel in Symbiose mit der Wurzel. Wird sie beim Ausgraben verletzt, stirbt der Trüffel ab. Geht der Pilzsucher dagegen sorgfältig vor, wächst der Trüffel jedes Jahr nach. Die Trüffelsucher vom Pfannenstiel – es sind bloss eine Handvoll – halten «ihre» Plätze streng geheim. Einmal fand Amira in einem kleinen Park mitten in Zürich einen weissen Trüffel. «Mit dem habe ich meine Pizza im Restaurant bezahlt», erzählt Rudolphi und lacht. Verkaufen will er seine Beute nicht. «Manchmal verstauben sie auf der Fensterbank», sagt er. Gelegentlich macht er Trüffelbutter daraus oder Trüffelteigwaren.Dass Amira das Zeug zur Trüffelsucherin hat, macht sie für ihr Herrchen zum perfekten Partner: «Wir suchen beide fürs Leben gern», sagt Rudolphi, der von Beruf Internet-Forensiker ist und als solcher die digitalen Spuren von Betrügern, Brandstiftern, Mördern und Terroristen verfolgt. «Wir passen wunderbar zusammen», sagt er. Schnüffelkurse in den USA Amira hat Rudolphi auch eine Geschäftsidee zu verdanken. Auf einem Spaziergang kam er ins Gespräch mit Franziska Rettenhaber, einer Polizistin, die einen Deutschen Schäferhund besitzt und eine Hundeschule betreibt. Als diese Amira bei ihrem Hobby beobachtete, kam sie auf die Idee, in ihrer Schule Hunde für die Trüffelsuche auszubilden. Im September soll der erste Kurs starten. Der Hund lernt dabei das Suchen und der Besitzer den richtigen Blick für Vegetation und Bodenbeschaffenheit. Der Datenprofi und die Polizistin haben grosse Pläne: Sie wollen Trüffelkurse in Oregon, Tennessee und San Francisco durchführen und dort Hunde vor Ort ausbilden. Die ersten Anmeldungen seien bereits eingegangen. Die Lagotto-Hündin Amira ist fündig geworden und buddelt einen der seltenen Pilze aus. Foto: Regine Imholz

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch