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«Es geht darum, auf allen Ebenen die Macht zu teilen»

SP-VisionenDen Genossen fehlen die Träume,TA vom 15. Dezember Träume werden nicht gelebt. Den Genossen fehlen keineswegs die Träume. Zur Linken gehörte schon immer die Utopie einer gerechteren Gesellschaft. Und wann immer man Kinder oder Erwachsene fragt, worauf es im Leben eigentlich ankomme, was wirklich wichtig sei und Sinn mache – vorausgesetzt die materiellen Grundbedürfnisse sind erfüllt –, liegen die Antworten sehr nahe bei diesen «Träumen». Abgestimmt und gewählt wird dann aber mehrheitlich anders. Da dominieren Einzelinteressen, Materialismus, Ängste, Neid und Missgunst; da wird nach unten getreten, nach oben gebuckelt. Und wer sich für eine bessere Welt einsetzt, wird als naiver Gutmensch diffamiert. Eigenartig – schämen wir uns etwa für unsere eigenen Träume, weil wir nicht an sie glauben können – und schlagen dafür auf jene ein, die sie aussprechen? Markus Eisenring, Zürich Sich an einfache Grundsätze halten. Mein Traum: Wir stärken Freiheit, Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt. Wir wollen in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung der Vielfalt in Einheit leben. Wir sind uns der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen bewusst. Wir sind verantwortlich gegenüber der Schöpfung. Wir wissen, dass nur frei ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass sich die Stärke des Volkes am Wohl der Schwachen misst. Ist das eine linke Kuschelvision, eine utopische Fantasterei, Solidaritätsgefasel? Nein. Es braucht keine seitenlange Abhandlungen, denn so steht es in der Einleitung zu unserer Bundesverfassung. Mein Traum ist, dass wir uns (wieder) an diese Grundsätze des Zusammenlebens halten. Hans Peter Sigrist, Zollikofen Die Anliegen des Mittelstandes. Ja, die SP soll den Begriff «Mittelstand» aufnehmen und die Anliegen der SP als Anliegen des Mittelstands deklarieren – wie beispielsweise eine nachhaltige und stabile Wirtschaft, ein nachhaltiger Umgang mit der Natur, eine Gesellschaft ohne Spannungen wegen der sozialen Ungleichheit. Das sind eigentlich Anliegen des Mittelstandes beziehungsweise Anliegen aller Menschen. Was Herr Nussbaumer davon gar nicht anspricht, ist das Problem der sozialen Ungleichheit. Koni Loepfe behauptete sogar, dass die SP weniger auf soziale Themen fokussieren solle. Weiter wird behauptet, dass wir in einer Gesellschaft leben, «in der fast alle befreit sind». Diese Aussage ist absurd. Prekarisierung, Privatisierung, die Vergrösserung der Schere zwischen Arm und Reich, die Ökonomisierung der meisten Lebensbereiche und die Zerstörung der Natur gibt es. Der Zwang zur ökonomischen Vernunft ist für mich keine Freiheit im Sinne von Selbstbestimmung. Die neoliberale Ökonomie ist eine zentrale Quelle dieser sozialen (und ökologischen) Probleme. Wenn man die Ökonomie nicht zu verändern versucht, betreibt man nur Symptombekämpfung. Die Überwindung des Kapitalismus ist der Traum von einer zivilen Marktwirtschaft. Der Traum der SP ist es, die «unsichtbare Hand» als Metaphysik einer reichen Elite zu entlarven und zu einer nachhaltigen und stabilen Wirtschaft zu finden, die anhand ihrer Produktivität nicht nur den Reichen, sondern allen Menschen Freiheit ermöglicht. Ob eine stabile, nachhaltige und zivile Marktwirtschaft erreicht wird, hängt jedoch nicht nur von der SP, sondern auch vom Willen der Bürger ab. Lukas Peter, Aathal Es gibt genügend Themen. Als aktives SP-Mitglied finde ich es rührend, aber auch verdienstvoll, dass sich der Tagi mit namhaften und kompetenten Journalisten um unsere Partei kümmert, Fakten und Stimmen zusammenträgt und diese in einen historischen Zusammenhang stellt. Sicher geht es darum, eine Vision zu entwickeln. Da braucht man nicht krampfhaft nach einem zügigen Thema zu suchen. Es geht darum, auf allen Ebenen die Macht zu teilen, also der Demokratie zum Durchbruch zu verhelfen (auch bei der Gewinnverteilung und am Arbeitsplatz). Wer durch seinen Wissensvorsprung zu viel Geld kommt, hat das mit anderen zu teilen. Spekulation mit Waren und Geld wird untersagt und künftig als Straftatbestand geahndet. Es müsste also ein Paradigmenwechsel stattfinden. Derjenige, der mehr als beispielsweise das Zwölffache eines anderen verdient, der hat letztlich jemandem etwas gestohlen, jedenfalls sicher nicht mit seiner Hände Arbeit verdient. Das gilt auch für SP-Stadträte, die mehr als 250 000 Franken im Jahr verdienen. Allerdings hat die SP ein Problem: Ihre Protagonisten leben zu wenig im Kontakt mit den «einfachen» Menschen, von denen meist weit über 50 Prozent Nichtwähler sind. Diese Leute erwarten endlich eine griffige Migrationspolitik mit einem menschlichen Antlitz. Es geht dabei nicht gegen die Ausländer, es geht darum, die Zubetonierung des Landes zu verhindern. Es geht darum, eine saubere Politik zu formulieren, ohne dem Wachstumsdenken zu verfallen. Dass dabei der Kapitalismus als krankmachend und demzufolge als ein zu überwindendes System erkannt wird, sollte für aufgeklärte Wähler kein Problem darstellen. Hans Roggwiler, Zwillikon Vieles nicht zu Ende gedacht. Die SP hat sich früher immer die soziale Gerechtigkeit zum Programm gemacht. Dafür war sie die Partei der Arbeiter. Heute wählen die Arbeiter mehrheitlich die SVP. Viele brennende Themen wurden auf viele Parteien verteilt, werden also nicht mehr primär von der SP vertreten. Soziale Probleme haben nicht nur die unteren Bevölkerungsschichten, nein auch der Mittelstand leidet zunehmend unter den vielen Belastungen. Darum braucht es ausgereifte Ideen, die von allen mitgetragen werden können. Ein Beispiel ist die Elternauszeit. Eltern würden 80 Prozent ihres Lohnes erhalten. Aber kann eine Familie, die etwa 5000 Franken im Monat verdient, auf 20 Prozent des Lohnes verzichten? Das ist nur ein Beispiel, das von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, weil es nicht zu Ende gedacht ist. So geschehen auch mit der Initiative zum Ausbau der AHV/IV. Da muss die SP noch viel Überzeugungsarbeit leisten, will sie wieder auf hohem Niveau punkten. Ruth Haug, Guntershausen «Die SP hat einProblem: IhreProtagonisten leben zu wenig im Kontakt mit den «einfachen» Menschen.»

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