«Es geht mir um die Partei, nicht um ein Amt»

Der 32-jährige Patrick Walder würde Präsident der Zürcher SVP bleiben, wenn ihn die Partei darum bitten würde. Ob er von sich aus kandidiert, hat er noch nicht entschieden.

Ist noch unschlüssig, ob er Parteipräsident der SVP Kanton Zürich bleiben möchte: Patrick Walder. Foto: Reto Oeschger

Ist noch unschlüssig, ob er Parteipräsident der SVP Kanton Zürich bleiben möchte: Patrick Walder. Foto: Reto Oeschger

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Herr Walder, Sie sind seit einem halben Jahr Präsident der Zürcher SVP. Nun sucht die Partei bereits wieder nach einem Präsidenten. Haben Sie die Lust an Ihrem Amt schon verloren?
Ich bin im Frühjahr bis Ende Jahr als Interimspräsident gewählt worden. Es war von Anfang an klar, dass wir die ordentliche Konstituierung aller Parteigremien für die nächste Legislatur nach den nationalen Wahlen durchführen. Nun beginnt der normale demokratische Prozess, der sicherstellen soll, dass jedes Mitglied der Zürcher SVP die Möglichkeit hat, sich für das Amt zu bewerben.

Und Sie? Bewerben Sie sich, oder bewerben Sie sich nicht?
Das ist im Moment noch offen. Ich bin persönlich der Meinung, dass es für die Partei nicht schlecht wäre, wenn wieder ein eidgenössischer Parlamentarier das Amt übernähme. Die Wirkung gegenüber den Medien, aber auch gegenüber den Mitgliedern ist eine andere. Das kann man nicht wegdiskutieren.

Die Partei hat Sie doch explizit deshalb gewählt, weil Sie nicht auf der nationalen Bühne aktiv sind.
Das war eine andere Phase. Weil die Zeit so kurz war, hat man jemanden gesucht, der sich zu hundert Prozent auf den Wahlkampf der Partei konzentrieren kann und nicht noch einen persönlichen Wahlkampf machen muss. Jetzt aber reden wir von einer ganzen Legislatur. Mindestens.

«Kosten und Zeit sind für mich nicht das Argument. Als Lokalpolitiker bin ich mir solche Umstände gewohnt.»

Nochmals: Wären Sie bereit, unter den gegebenen Umständen weiterzumachen, wenn man Sie bitten würde? Oder würden Sie dann ein politisches Amt verlangen?
Um ein Amt ist es mir nie gegangen, sonst hätte ich von Anfang an darauf gedrängt, dass ich auf die Nationalratsliste komme. Es geht um die Partei.

Welche Rolle spielt in diesen Überlegungen der zeitliche Aufwand? Bezahlt wird ein Parteipräsident ja nicht.
Das Amt des Parteipräsidenten ist ehrenamtlich, und es ist sehr zeitintensiv, das stimmt. Fakt ist natürlich, dass ein nationaler Parlamentarier, der ein Honorar für sein politisches Amt erhält, hier eine andere Mischrechnung machen kann. Ausserdem ist ein Ratsmitglied in den Geschäften drin, ich als Nichtmitglied muss mir hingegen alles erarbeiten. Aber Kosten und Zeit sind für mich nicht das Argument. Als Lokalpolitiker bin ich mir solche Umstände gewohnt. Die entscheidende Frage für mich ist, welches der grösste Nutzen ist, den ein Präsident der Partei bringen kann.

Und wie sieht Ihre Bilanz diesbezüglich aus? Was haben Sie in dem halben Jahr erreicht, was nicht?
Ich mache das Amt mit sehr viel Freude. Es ist spannend, aber auch herausfordernd. Unser Ziel war es, wieder politisch präsenter zu sein, unsere Botschaften klarer und einfacher rüberzubringen. Das haben wir erreicht.

Trotzdem droht am Sonntag eine Niederlage.
Das wissen wir noch nicht. Wir sind am Mobilisieren, damit unsere Wählerinnen und Wähler an die Urne gehen. Der 20. Oktober ist ein sehr entscheidender Wahltag.

«Ziel muss sein, dass die SVP mit einer Sprache spricht. Das ist uns gelungen.»

Normalerweise ist der ganze Kanton Zürich mit SVP-Plakaten zugepflastert, an jeder Scheune hängt ein Sujet. Heuer ist dem nicht so. Wo liegt das Problem? Beim Apfel?
Der Apfel war nicht das Sujet der Kantonalpartei. Unsere Plakate sieht man, die Krake, den Klimateufel, den Gesslerhut, Roger Köppel. Wir haben die Plakatierung intern als sehr gut beurteilt.

Stichwort Roger Köppel: Wie sehr bestimmt er den Kurs der Partei?
Dieser wird allein von der Parteileitung bestimmt, und ich bin der Vorsitzende der Zürcher Parteileitung. Aber natürlich stimmen wir den Kurs mit unserem Ständeratskandidaten ab, ebenso mit den Nationalratskandidaten und der nationalen Parteileitung. Ziel muss sein, dass die SVP mit einer Sprache spricht. Das ist uns gelungen. Wir haben die wichtigsten Themen aufs Tapet gebracht: den unsäglichen Rahmenvertrag, die Masseneinwanderung und die durch die Klimahysterie drohende Umverteilung.

Seit Sie im Amt sind, fährt die SVP einen deutlich forscheren Kurs. Das stösst auch intern auf Kritik.
Ich bin überzeugt, dass unser klarer Kurs – der richtig und wichtig ist – von der Partei getragen wird. Das Wahlresultat wird das hoffentlich zeigen.

Erstellt: 14.10.2019, 13:01 Uhr

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