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«Es gibt Leute, die meinen Schnauz nicht mögen»

Die Gemeinde Horgen hat Wirt Rico Kradolfer die Restaurantpacht im Parkbad Seerose nicht verlängert. Kradolfer versteht bis heute nicht, weshalb.

Sind Sie enttäuscht, dass die Gemeinde Ihren Vertrag nicht verlängert hat?Ja, klar. Am meisten stört mich aber, dass irgendwelche «nicht namentlich genannt sein wollende» Personen mir per Zeitung Vorwürfe machen. Davon treffen höchstens fünf Prozent zu.

Welche Vorwürfe erachten Sie als zutreffend?Es trifft zu, dass ich am Chilbi-Sonntag die Situation falsch eingeschätzt habe und vom Ansturm völlig überfahren wurde. Es ist möglich, dass auch ein Würstchen im Hot Dog nicht richtig warm war. Das war mein Fehler. Ich dachte, es seien wie am Samstag alle an der Chilbi, deshalb gab ich dem dritten Mann in unserem Team frei.

Was können Sie sich sonst noch vorwerfen?Es kann schon sein, dass im Stress mal die Pommes frites nicht richtig abgetropft waren. Ein anständiger Gast aber hätte diese zurückgegeben und umgehend eine neue Portion erhalten. Was ich nicht verstehe, ist, dass man solche Reklamationen nicht direkt meldet, sondern damit zur Zeitung geht.

Was hat man Ihnen neben mangelnder Qualität sonst vorgeworfen?Die Gemeinde sprach von einem ungenügenden Angebot. Ich habe aber die Menükarte von meinem Vorgänger übernommen, eher noch erweitert. Zudem hiess es, wir würden das Essen in Plastikgeschirr servieren. Das stimmt aber nicht: Die Menüs gabs in richtigem Geschirr, nur die Pommes frites und Eintopfgerichte in Plastiktellern. Mir wurde auch vorgeworfen, ich mache zu viel Pause. Wenn nichts lief, hab ich mich schon mal hingesetzt. Sobald jedoch jemand kam, hab ich mich hinter die Kasse gestellt. An einem 14- bis 16-Stunden-Tag sollte man sich doch eine Pause gönnen dürfen.

Bevor Sie das Seerosen-Beizli übernahmen, haben Sie mit dem Restaurant Ochsen in Kilchberg Konkurs gemacht. Hat Ihnen das geschadet?Im Ochsen hatte ich keinen Erfolg, das hab ich nie verheimlicht. Dass diese Geschichte jedoch zu Beginn der Seerosen-Saison publik wurde, hat mir geschadet.

Damals stand aber die Gemeinde Horgen noch hinter Ihnen und gab Ihnen die Chance, ein Jahr zu wirten. Weshalb hat die Gemeinde das Vertrauen nun verloren?Wenn ich die wahren Hintergründe nur wüsste! Die Pacht fürs nächste Jahr ist noch nicht vergeben, es sind aber schon mehrere in den Startlöchern. Vielleicht wollten die heuer schon, und ich kam ihnen zuvor.

Sie glauben, die Konkurrenz habe Sie angeschwärzt?Möglich. Aber das sind nur Mutmassungen. Ich hab ein schlechtes Gefühl, weil ich im Alltag gute Erfahrungen gemacht habe.

Welche?Sehen Sie, unzufriedene Gäste geben kein Trinkgeld. Wir hatten ein Kässeli da stehen, darin hatte es Ende Saison 250 Franken. Ich habe zudem unter den Stammgästen einen Fragebogen verteilt. Sie haben mir alle ein «gut» verteilt. Es gab übrigens auch Leserbriefe, in denen sich Gäste für mich eingesetzt haben.

Das Parkbad inklusive Restaurant wird jetzt saniert. Mussten Sie möglicherweise Lückenbüsser für nur eine Saison spielen?Denkbar wäre es. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde war aber immer sehr angenehm.

Was bedeutet dieser «Rauswurf» für Sie persönlich?Ich bin sehr enttäuscht. Ich weiss, wir habens nicht schlecht gemacht. Ich und mein Team hatten Freude. Wir verstanden uns als Dienstleister, haben auch mal eine Portion Pommes frites ans Plantschbecken runtergebracht, obwohl im Restaurant ja Selbstbedienung war.

Weshalb haben Sie gegen den Entscheid der Gemeinde nicht angekämpft?Selbst wenn ich die Verlängerung hätte erwirken können, wäre das eine schlechte Hypothek gewesen. Offenbar gibt es Leute in Horgen, denen gefällt mein Schnauz nicht.

Wie sah das Geschäftsergebnis über die ganze Saison aus?Endgültige Zahlen habe ich noch nicht. Letztes Jahr war die schlechteste Saison, die mein Vorgänger in den letzten vierzehn Jahren hatte. Dieses Jahr lief es eine Spur besser. Im Juli schien jedoch nur eine Woche die Sonne, dafür blies die Bise. Es war keine Katastrophe, aber nicht ermutigend. Ich weiss aber, dass man nicht nur eine einzelne Saison betrachten darf.

Sie bringen ja Erfahrungen als Beizer und als Caterer mit. Was ist in einer Badibeiz anders?Man muss schampar effizient arbeiten. Die Küche war sehr klein. Die Leute haben wenig Geduld. Es muss schnell gehen. Man kommt um den Conveniencefood nicht herum. Alles frisch zu machen, ist schlicht nicht zu bewerkstelligen.

Sie haben keine Ausbildung im Gastgewerbe. Hat das Learning by Doing nicht genügt?Learning by Doing ist gefährlich. Ich habe sicher manchen Schritt in eine Sackgasse getan, der Zeit und Geld gekostet hat.

Was sind Ihre weiteren Pläne? Wollen Sie Beizer bleiben?Noch ist nichts spruchreif, ich habe aber Jobs in Aussicht. Wichtig ist mir der Umgang mit den Leuten, Gastro muss nicht unbedingt sein.

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