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Es ist Sonntagsverkauf, und keiner macht mit

Alle 1500 Geschäfte der Zürcher City Vereinigung boykottieren den ersten Sonntagsverkauf am Muttertag - aber nicht nur den Müttern zuliebe.

Zürich - Am kommenden Sonntag dürfen die Zürcher Geschäfte offiziell ihre Türen öffnen. Trotzdem bleiben die Läden in der Innenstadt geschlossen. «Dieser Sonntag ist für viele wirtschaftlich nicht attraktiv», sagt Andreas Zürcher von der City Vereinigung, dem Dachverband für Innenstadt-Geschäfte mit rund 1500 Mitgliedern. Es brauche eine gewisse Kundenfrequenz, damit die höheren Sonntagslöhne, die damit verbundenen Kompensationstage der Mitarbeiter und die zusätzlichen Werbeausgaben gedeckt seien.

Bereits während der Euro 2008 und als die Bären 2005 die Stadt Zürich zierten, waren die Geschäfte im Frühsommer an einem Sonntag in der City geöffnet. «Es hat sich aber gezeigt, dass dieser Sonntagsverkauf von der Kundschaft nicht angenommen wurde. Die Geschäfte blieben schlecht besucht», sagt Zürcher. Deshalb folgen die 1500 Mitglieder der Empfehlung der City Vereinigung und bleiben am ersten Sonntagsverkauf dieses Jahres geschlossen.

Dass der Sonntagsverkauf erstmals auf dem Muttertag fällt, spielte beim Entscheid eher eine Nebenrolle. Trotzdem betont Zürcher: «Der Muttertag ist ein Tag, den die Familien feiern sollten».

Wunsch nach altem Gesetz

Die Gewerkschaft Unia Zürich ist jedoch nur halb zufrieden: «Hätte es sich für die Geschäfte gerechnet, hätten sie die Türen am Muttertag geöffnet», sagt Maria José de Olazabal, Bereichsleiterin Tertiär bei der Unia Zürich. Deshalb würde es die Unia begrüssen, wenn die Geschäfte eingesehen hätten, dass es für Mütter am Muttertag nicht zumutbar ist, zu arbeiten.

Offen haben so oder so diverse Geschäfte im Kreis 4 und 5. Zum vierten Mal findet dort der Kreislauf 4 und 5 statt. Daran beteiligen sich 79 Läden und Ateliers, die auf ihre Kleider, Schuhe, Schmuck und Möbel aufmerksam machen. «Bei uns wird keine Frau gezwungen, am Muttertag zu arbeiten», sagt René Grüninger, Initiant und Organisator des «Kreislauf 4 und 5». Beim Kreislauf seien vor allem Familienbetriebe dabei, die oft keine Angestellte hätten.

Den Wirbel um den Sonntagsverkauf hatte die Stadt ausgelöst. Warum aber hat das Polizeidepartement den ersten von vier Sonntagsverkäufen ausgerechnet auf den Muttertag gelegt? Die Stadt sei dem Anliegen der «traditionellen Kreislauf-Veranstaltung» gefolgt, begründete Reto Casanova, Sprecher des Polizeidepartements, im März.

Viele Geschäfte sind mit dem Datum unzufrieden und wünschen sich die Regelung von 2007 zurück. Damals waren zwei Sonntage im Advent als Verkaufstage gesetzt. Zwei weitere Sonntagsverkäufe konnte jedes Detailhandelsgeschäft für sich frei bestimmen. Seit dem 1. Juli 2008 läuft das Verfahren weniger individuell. Im neuen Arbeitsgesetz steht: Die Kantone können vier Sonntage pro Jahr festsetzen, an denen Arbeitnehmer in Verkaufsgeschäften ohne zusätzliche Bewilligung beschäftigt werden dürfen. Im Kanton Zürich geschieht dies auf Antrag der Gemeinden. Sonntagsverkauf im Advent: Solche Massen sind im Mai unmöglich. Foto: Beat Marti

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