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«Es ist wie damals die Musik»

Auf seine TV-Sendung «Traumpaar» wird der Adliswiler Raymond Fein immer noch häufig angesprochen. Dem Fernsehen hat der Musiker aber längst den Rücken gekehrt – und eine neue Leidenschaft entdeckt.

Mit Raymond Fein sprach Philipp Kleiser Die Schweiz kennt Sie als «Traumpaar»-Moderator im Fernsehen und als Pianist des Boogie-Woogie-Duos Che & Ray. Seit kurzem haben Sie eine neue Passion: die Malerei. Wieso wechseln sie das Metier? Ich habe schon als Kind viel gemalt. Mein Zeichenlehrer am Gymnasium hat mir die Freude zwar kurzfristig etwas genommen. Ich malte und zeichnete aber auch später viele Skizzen und nahm mir vor, diese Passion irgendwann zu verwirklichen. Im letzten Sommer hatte ich an meinem 60. Geburtstag dann meine erste grosse Aktivität mit dem Kunstmaler Martin Duss. Ich war sofort begeistert. Ihre Bilder haben etwas Grafisches. Ich male mit Holzspänen und Holzspachteln und arbeite gerade an drei verschiedenen Serien. Bei der einen arbeite ich nur mit den Farben Gold, Schwarz und Silber. Dann habe ich die «Fein-Mikado-Schrift» kreiert. Mit ihr kreiere ich Schriftzüge, aber auch Sprachbilder. Malen im stillen Kämmerlein passt nicht recht zu einem Mann, der sein halbes Leben auf der grossen Musik- und TV-Bühne verbracht hat. Das sehe ich nicht so. Auch in der Musik veröffentlicht man nicht alle Lieder und gibt Konzerte im kleinen Kreis, weit weg von grossen Bühnen. Ich bin es aber natürlich gewohnt, dass meine Arbeit beobachtet wird. Deshalb freue ich mich, dass meine Werke im Mai in Bern erstmals ausgestellt werden und ich im November in Adliswil meine Bilder zeigen kann. Hat die Malerei den gleichen Stellenwert wie Ihre früheren Tätigkeiten? Das Malen übt auf mich die gleiche Faszination aus wie die Musik vor 50 Jahren. Damals spielte ich jeden Tag mindestens eine Stunde Klavier. Heute gibt es fast keinen Tag, an dem ich nicht ins Atelier gehe. Manchmal male ich ganz alleine zwei Stunden mitten in der Nacht, manchmal aber auch mit meinen beiden Kindern oder mit Kunstmaler Martin Duss. Ich merke oft nicht, wie die Zeit vergeht. Das ist wohl ein Zeichen, dass einen eine Tätigkeit erfüllt. Das Malen ist eine Entspannung. Eher ist es eine bewusste Auseinandersetzung. Nach dem Malen bin ich erschöpft. Ähnlich wie beim Musikmachen oder auch nach einer Fernsehsendung, es steckt viel Zeit und Energie dahinter. Energie hatten Sie nicht immer genug. Ihre Fernsehkarriere ging Ende der 90er abrupt zu Ende, auch aus gesundheitlichen Gründen. Ja, ich setzte damals meine Late Night Show «Feinheiten» in den Sand. Wir bereiteten die Pilotsendung vor, produzierten Sketches für ein ganzes Jahr, ich heiratete in diesem Jahr, hörte auf zu rauchen – das war zu viel. Wir versuchten zwar, die Premiere noch zu verschieben, aber das ging nicht mehr. Für «Feinheiten» mussten Sie Ihre eigene Produktionsfirma gründen, viele Sketche verstauben unveröffentlicht im Keller – warum haben Sie nicht nochmals einen Neuanfang im TV-Business gewagt? Wenn man mit einer Sendung scheitert, sollte man die Grösse haben, ins zweite Glied zu treten. Dazu kommt, dass das Fernsehen jünger wurde. Ich war der Meinung, dass Jüngere die Verantwortung übernehmen sollen. Giacobbo/Müller etwa machen eine lässige Sendung. Bleibt Ihnen das Fernsehen in guter Erinnerung? Auf die Sendung «Traumpaar» und das Maskottchen Schnüfeli werde ich heute noch oft angesprochen. Es ist ein fröhlicher, lustiger Teil meines Lebens. Und in meiner Tätigkeit als Kommunikationsberater profitiere ich vom Erfahrungsschatz aus meiner Zeit beim Fernsehen. Seit über 35 Jahren sind Sie in der Unternehmensberatung tätig, mit Schwerpunkt Verhandlungs-coaching. Eine Seite, die man von Ihnen weniger kennt. Ich mache keine Werbung, Kunden kommen durch Mundpropaganda zu mir. Diskretion und Vertraulichkeit sind für mich in diesem Geschäft wichtig. Sie profitieren vom Prominentenstatus. Wer will nicht von einem Mann gecoacht werden, der einst jede Woche eine Million Menschen vor den Fernsehbildschirm gelockt hat. Ich habe schon zuvor als Kommunikationsberater gearbeitet und mir bewusst auch in Deutschland einen Kundenkreis aufgebaut. Dort kennt man mich nicht als TV-Macher und Musiker, sondern als Kommunikationsexperten. Dass ich als Schweizer auch in Deutschland in grossen Firmen vom Kader bis zu den Mitarbeitenden coachen kann, ist sicher ein Qualitätsmerkmal und hat nichts mit meinen übrigen Tätigkeiten zu tun. Für Ihre frühere Leidenschaft, die Musik, bleibt nicht viel Zeit. Musikalisch sind Sie ziemlich untergetaucht. Ich trete tatsächlich nicht mehr so viel auf wie zu den besten Zeiten von Che & Ray. Es ist eine zeitliche Frage. Als Berater bin ich viel im Ausland unterwegs. Trotzdem spiele ich noch Klavier und habe sicher einmal im Monat einen Auftritt. Zuletzt spielte ich etwa am Albisgüetli-Festival, hatte in Uznach einen Auftritt mit Freunden und natürlich im letzten November in der Adliswiler Kulturschachtle. Einzig eine CD habe ich nicht mehr produziert. Dafür schreibe ich Stücke und Texte für andere. Für wen? Ich möchte nicht mehr verraten. Aber wenn Sie wissen wollen, welche musikalischen Projekte ich noch verfolge: Ich betreue eine junge Band in der Ostschweiz, Zwölfjährige, die tolle Rockmusik machen. Und nächstens treffe ich mich mit einer Popband am Zürichsee. Was kann denn ein Boogie-Woogie-Pianist einem Rock-Gitarristen beibringen? Ich coache die Bands, gebe ihnen Tipps zur Stückauswahl, zu einem Programmablauf, wie sie sich auf der Bühne positionieren sollen. Ich erhalte viele Anfragen. Bands, die möchten, dass ich ihre Demotapes anhöre. In den meisten Fällen lehne ich ab. Ich kenne mittlerweile meine Stärken und Schwächen. Ich weiss, wo ich etwas bewirken kann, aber auch, wo ich einem Projekt eher schaden würde. Raymond Fein wurde am 20. August 1950 in Zürich geboren. Nach seiner Ausbildung zum Textilkaufmann arbeitete er in der Textilbranche und später als Fachlehrer an verschiedenen Gewerbe- und Berufsschulen. 1983 schloss er das Rechtsstudium an der Universität Zürich mit dem Lizenziat ab. Fein war mehrere Jahre als Schulleiter tätig und übernimmt auch heute noch Lehraufträge an Hochschulen. Seit 1981 ist Fein als selbstständiger Unternehmensberater tätig. Er hat zwei Kinder und lebt seit 26 Jahren in Adliswil. Raymond Fein ist vor allem als Entertainer bekannt. 1975 gründete er mit Schulkamerad Che Peyer das Boogie-Woogie-Duo Che & Ray. Fein und Peyer gaben in ihrer Karriere über 3000 Konzerte und verkauften rund 300 000 Tonträger. Für ihre Alben erhielten sie sieben goldene Schallplatten und eine Platin-Auszeichnung. 2005 stellten Che & Ray ihre gemeinsame Arbeit ein. Grosse Bekanntheit erreichte Fein in den 1980er-Jahren als Moderator von Sendungen wie «Tele-Rallye» und «Traumpaar». Letztere gehört bis heute zu den erfolgreichsten Sendungen des Schweizer Fernsehens. (pkl) Raymond Fein zeigt seine Werke im November in Adliswil. Foto: André Springer

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