Zum Hauptinhalt springen

Es kommt ein Schiff geflogen

Die Malin ist das einzige Sailcom-Schiff an der Goldküste. Sie hat schon so manches Abenteuer überstanden.

Von Daniel J. Schüz Erlenbach – Sie hat ihr Element verlassen und kommt, am Kran hängend, durch die Luft geflogen: Am Wochenende wurde die Malin ausgewassert. Statt an der Boje vor Erlenbach verbringt das Sailcom-Schiff den Winter unter einem Scheunendach in Oberembrach. Andreas Volk, als stellvertretender Sailcom-Boots-Chef für die «öffentliche Segeljacht» am rechten Zürichseeufer zuständig, inspiziert die Backbord-Flanke. «Gute Arbeit», sagt er, «nichts mehr zu sehen.» Vier Monate zuvor, am 10. Juli, kam die Malin zum ersten Mal geflogen – und krachte unsanft auf die ufernahen Felsbrocken im Vorgarten einer Liegenschaft. Sie war nur noch 300 Meter von ihrer Boje entfernt, als die Sturmwarnung einsetzte. Wenige Minuten später fegten die ersten Gewitterböen mit über 130 Stundenkilometern vom Albis herunter. Der Skipper machte, wie viele Segler in Seenot, einen entscheidenden Fehler: Statt sich mit gereffter Takelage freizusegeln und in der Seemitte den Sturm abzuwarten, versuchte er, so rasch wie möglich das vermeintlich sichere Ufer anzulaufen – und kam ihm dann zu nahe. «Skipper und Besatzung sind mit dem Schrecken davongekommen», erinnert sich Andreas Volk an die Havarie. «Und wir hatten Glück, dass die Malin nicht leckschlug. Die Reparatur dauerte einen ganzen Monat, der Schaden war beträchtlich.» Warten auf zweiten Liegeplatz Rund 15 000 Franken musste die Versicherung berappen; wenig mehr, als das Schiff in einer Saison an Charter-Erträgen einbringt. «Sie ist eines unserer grössten und bestausgelasteten Schiffe auf dem Zürichsee», zieht Andreas Volk nach der zweiten Sommersaison der 27 Jahre alten schwedischen Jacht Bilanz. «Als Langkieler ist sie zwar etwas schwerfällig, dafür sehr gutmütig. Und da sie über eine geräumige Kabine verfügt, ist sie bei Familien beliebt, die ein Wochenende auf dem Wasser verbringen wollen.» Am rechten Zürichseeufer ist die Malin das einzige Boot der Segler-Genossenschaft Sailcom (siehe Kasten). «Wir würden gerne weitere Schiffe anbieten», bedauert Sailcom-Geschäftsleitungsmitglied Silvio Kippe, der als Regionalleiter Ostschweiz für 18 Boote auf dem Bodensee, Walensee und Zürichsee zuständig ist. «Aber die Liegeplätze sind begehrt, und ihre Zahl ist beschränkt. Wir stehen in vier Gemeinden auf der Warteliste; es kann durchaus zehn und mehr Jahre dauern, bis ein Platz frei wird.» Vorerst ist die Malin in der Scheune aufgebockt, die ihr als Trockendock dient, und wird gründlich überholt. Vier Monate lang wird geputzt und gemalt, bevor das über zwei Tonnen schwere Schiff wieder in neuem Glanz erstrahlt und im März 2011 dorthin zurückkehrt, wo es hingehört: zur Boje vor der Küste von Erlenbach. «Der Platz hat einen kleinen Nachteil», schmunzelt Andreas Volk. «Das Ufer ist bei Fischern beliebt – und die fangen nicht nur Fische, sondern auch Schiffe! Bevor man mit der Malin in See sticht, muss man oft erst abgerissene Angelhaken von den Wanten lösen.» Sailcoms Segelboot Malin verbringt diesen Winter auf einem Bauernhof in Oberembrach. Foto: Nathalie Guinand

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch