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«Fänden wir uns nicht schön, hätten wir uns nicht gemeldet»

Selbstvertrauen sei wichtiger als Schönheit, sagen die Miss-Zürich-Kandidatinnen aus dem Bezirk Meilen.

Meilen/Männedorf - Jeannine Truong und Felicitas Ditrich begrüssen sich mit einem einzelnen Küsschen auf die Wange. Das machen Miss-Zürich-Kandidatinnen so. Auch sonst haben sich die Männedörflerin und die Meilemerin schon einige Fähigkeiten angeeignet, die eine Miss haben muss: Stöckeln auf 13 Zentimeter hohen Absätzen etwa. Beim Posieren ein bedarfsweise freundliches oder gelangweiltes Gesicht aufsetzen. Sich nicht auf Fangfragen von Journalisten einlassen. Sie machen ihre Sache gut - und wirken dennoch nicht so, wie man sich eine Miss vorstellt.

Auch wenn die Fotos auf der Miss-Zürich-Homepage die jungen Schönheiten als Frauen darstellen, die mitten im Leben stehen - im Gespräch bleiben sie Teenager. Keine Spur von Hochnäsigkeit, ungeschliffene Antworten, ein schüchternes Lachen hie und da. Kunstfiguren sind die 17-jährige Felicitas und die 19-jährige Jeannine nicht, auch wenn sie wie aus dem Ei gepellt zum Interview erscheinen.

Immun gegen Giftpfeile

Jeannine träumt von einer Reise nach Kalifornien, Felicitas von einer Karriere als Ärztin. Die Mädchen scheinen zu klug und zu jung für eine Welt, in der neidische Frauen mit spitzem Zeigefinger auf die Bilder der Kandidatinnen pieksen und ihr Urteil abgeben: Hässlich, okay, hässlich, hübsch, uiii, was hat denn die für Zähne? Doch scheinen sie erstaunlich immun gegen Giftpfeile zu sein. Der «Blick» hat eine Bilderreihe der 12 Kandidatinnen online gestellt, die Leser dürfen schon vorab ihre Stimme vergeben. Bei dieser Umfrage rangiert Jeannine Truong auf Platz 8, Felicitas Ditrich auf dem zweitletzten. Darauf reagieren sie gelassen. «Unser Coach sagt, dass diese Umfrage nicht ausschlaggebend ist», sagt Jeannine. Ihre Kollegin pflichtet bei: «Es sind oft Freunde, die dort abstimmen.»

Verunsichern lassen sie sich davon nicht. «Wenn wir uns nicht schön fänden, hätten wir uns nicht angemeldet», sagt Felicitas. Ausserdem gehe es bei der Wahl nicht allein um Schönheit. Auch Präsenz und Ausstrahlung seien nötig. «Man muss nicht Kleider präsentieren wie ein Model», ergänzt Jeannine, «sondern sich selbst.» Dazu kommen die Fragen der Jury zur Person, den Hobbys, der Motivation, mitzumachen. Letztere bestehe darin, eine spannende Erfahrung zu machen, eine Abwechslung vom Alltag zu haben, sagt Felicitas. Jeannine nennt einen weiteren Grund «Wenn man solche Sachen am Fernseher sieht, hört man immer von Zickereien. Ich wollte wissen, wie es wirklich ist.» Und? «Bisher gab es noch keine.»

«Natürlich will man sich zeigen»

Allein in der Schweiz werden so viele Missen gekürt, dass man leicht den Überblick verliert: Neben der Miss Schweiz auch Miss Bikini, Miss Earth und Miss Handicap. Täglich lassen sich Frauen nackt für den «Blick» ablichten, jährlich halbnackt für den Bauernkalender. Aufnahmen für den «Playboy» sind keine Schande mehr, sondern eine Ehre. Und da soll der Wunsch nach Selbstdarstellung nicht in der Liste der Teilnahmegründe auftauchen? «Natürlich», sagt Jeannine schulterzuckend, «jeder will gesehen werden. Es gibt Leute, die nur deswegen in den Ausgang gehen und sich dafür extra neue Kleider kaufen.» Auch Felicitas gibt zu: «Klar will man sich zeigen, aber das ist nicht der Grund, warum ich mitgemacht habe.»

Von ihren Freunden würden sie unterstützt, die Eltern seien stolz auf sie. «Am Anfang hatten sie Bedenken, weil man immer vom Magerwahn der Models hört», sagt Jeannine und nimmt einen Schluck aus der Red-Bull-Dose. Aber eine Miss müsse gesund aussehen. Das habe sie beruhigt. Felicitas nickt und knabbert unbeschwert am Keks, der zu ihrem Espresso serviert wurde. Felicitas Ditrich (links) und Jeannine Truong kämpfen am 14. Mai um den Titel der Miss Zürich. Foto: Daniel Kellenberger

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