Fast ein neues Quartier für Zürich

Die neue Tramstrecke ist für die meisten Zürcherinnen und Zürcher «Terra Incognita». Dabei hat sie einiges zu bieten.

Ein neuer Blickfang: Der Stadtplatz im Schlieremer Zentrum mit der Haltestelle der Limmattalbahn.

Ein neuer Blickfang: Der Stadtplatz im Schlieremer Zentrum mit der Haltestelle der Limmattalbahn. Bild: Tom Egli

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Durch die gestern eröffnete erste Etappe der Limmattalbahn rücken Zürich und Schlieren näher zusammen. Altstetten bekommt, über die Stadtgrenze hinaus, in gewisser Weise ein neues Quartier.

«Es wirkt etwas amerikanisch», sagt ein Stadtzürcher, der das erste Mal in diese Region gekommen ist. Er meint wohl damit: Diese Tankstellen und Autowerkstätten und Imbissecken entlang der Strasse. Die wenigen Menschen auf dem Trottoir, die sowieso kaum hier verweilen, sondern unterwegs irgendwohin sind.

Diese Gegend ist auch für die meisten Schlieremerinnen und Schlieremer etwas fremd. Auch sie kennen diesen Strassenzug fast nur vom Vorbeifahren. Auch sie haben übersehen, dass vor ihrer Haustür ein eigenwilliges und eigenständiges Quartier entstanden ist, das einiges zu bieten hat.

Die Sehenswürdigkeiten entlang der neuen Tramstrecke. Grafik: Micha Treuthardt

Der neue Stadtplatz (2) (Bild oben) Hier war einst das möglicherweise hässlichste Stadtzentrum des Kantons. Eigentlich eine Brache mit Unterführung. Nun setzt ein – natürlich umstrittenes – wie ein Flügel gespanntes rotes Dach einen kräftigen Akzent. Ein ziemlich origineller Dampfbrunnen kühlt den etwas fantasielosen schwarzen Asphaltbelag – und ist natürlich auch umstritten (Platz­gestaltung: Kuhn Landschaftsarchitekten und Weberbrunner Architekten).

Die Kaffeerösterei (1)

In manchen älteren Schlieremer Haushaltungen stehen noch gelbe Blechdosen mit der Aufschrift «Schwitter Kaffee» und einem kolonialistisch anmutenden Kaffeebohnen-Männchen. Die traditionelle Kaffeerösterei gibt es noch immer, und sie ist so etwas wie ein Geheimtipp bei Kaffeeliebhabern. Sie heisst heute Caffetino, röstet aber immer noch frisch und bedächtig auf einer Trommel-Röstmaschine aus dem Jahr 1956.

Das Restaurant Amadeus (3)

Manche behaupten, hier gebe es die besten Wienerschnitzel Zürichs. Sie sind hauchdünn, gross natürlich, und die Panade schlägt Blasen, ohne abzublättern. Dem Ambiente fehlt es allerdings an Wiener Charme, vor allem von aussen. Nicht davon abschrecken lassen!

Die ehemalige Wagonfabrik (4) Bild: PD

Sie machte Schlieren auf der ganzen Welt bekannt, denn die Lifte und Schienenfahrzeuge der 1895 gegründeten Wagi traf man überall an. Über 1000 Menschen arbeiteten dort. 1985 wurde die Firma geschlossen, die Stadt stand unter Schock. Doch siedelten sich neue Betriebe an, etwa die Druckerei der NZZ, die 2015 geschlossen wurde. In diesem Umkreis arbeiten heute mehrere Forschungsgruppen der Universität Zürich. Auch Roche kam mit ihrem Innovation Center hierher.

Das Postzentrum (5) Bild: Sabina Bobst

Hier geht buchstäblich die Post ab. Das 1985 fertiggestellte Gebäude mit seiner auffälligen Aluminium-Fassade (Architektur: Theo Hotz) wurde als Paketzentrum der Post eröffnet und ist seit 2006 ein hochmodernes Briefverteilzentrum. Das Gebäude umfasst rund eine Million Kubikmeter Raum und gehört damit zu den grössten Hochbauten des Landes. Es steht unter Denkmalschutz.

Das Logistikzentrum des USZ (6)

Mitte 2018 hat das Universitäts­spital hier das modernste Lager der Schweizerischen Gesundheitsbranche in Betrieb genommen (Architektur: Architekturwerk AG Sarnen). Es fügt sich in die Vielzahl von Unternehmen aus dem Bereich Life Science und Medizin ein, die sich in diesem Gebiet angesiedelt haben. Die etwas von der Strasse zurückversetzte, wie ein Dampfer wirkende Kantonsapotheke (Landolt & Haller) ist auch eines davon.

Restaurant Tam Nam Sian (7)

Dafür pilgern die Thailänderinnen und Thailänder an den Zürcher Stadtrand: Das Tam Nan Siam gilt als eines der besten Restaurants mit thailändischer Küche in der ganzen Region. Tatsächlich finden sich hier Gerichte, die sonst kaum ein anderes Thai-Lokal serviert: fermentierte Schweinerippchen etwa oder ein roher Crevetten-­Salat. Wer es nicht ganz so experimentell mag, bekommt auch ein mildes Panaeng-Curry oder ein Pad Thai. (zet)

Dokuzentrum der Radgenossenschaft der Landstrasse (8) Bild: Dokuzentrum Radgenossenschaft

Hier kann man sich näher über die Jenischen, Sinti und Roma informieren. Neben einer Dokumentation zur Geschichte und derzeitigen Situation veranschaulicht ein kleines Museum, wie die Angehörigen dieser Minderheiten lebten und leben. In der Nachbarschaft liegt ein Hotspot der Kreativität. Die Genossenschaft Gleis 70 hat im ehemaligen Franz-Carl-Weber-Haus als Mieterinnen und Mieter kreative Köpfe aus den Bereichen Handwerk, Film und Kunst versammelt.

Erstellt: 31.08.2019, 09:40 Uhr

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