Zum Hauptinhalt springen

Fernweh-Argentinier tanzen sich weit weg von Stäfa

Je länger am Samstag der Tango-Ball im Rössli Stäfa dauerte, desto mehr wähnte man sich in Buenos Aires.

Stäfa - Eine kurze Begrüssung von Gisela und Oliver Stern, die ersten Takte Tango, und schon gleiten die beiden elegant über das Parkett im Saal des Rössli. Zu Beginn des fünften Tango-Balls geben die beiden Veranstalter an diesem Samstag für Neulinge einen Schnupperkurs. Was gerade noch einfach und schwerelos schien, ist für die Anfänger eine harte Konzentrationsübung - um passabel Tango zu tanzen, braucht es Jahre. Unterdessen erscheinen immer mehr Gäste, und es fällt auf, wie elegant die Ball-Besucher gekleidet sind: die Herren in dezentem Schwarz, die Damen auf gewagten Highheels.

Der Schnupperkurs ist vorbei, die erfahrenen Tanzpaare zeigen stolz und gekonnt ihr ganzes Repertoire: eng umschlungen und lasziv, erotisch und exotisch. Die Stimmung wird merklich heisser, vielleicht ist es auch die Luft; mancher Tänzer kommt jedenfalls ganz schön ins Schwitzen.

Auf dem Parkett wird es eng, man spürt einen Hauch von Buenos Aires. Die Gästeschar ist ausgesprochen international, viele sprechen Spanisch. Petra und Louk aus Holland sind begeistert: «Wir waren kürzlich in Argentinien, das war toll, doch auch hier spürt man viel von diesem Geist und dieser Stimmung.» Das Orchester El Afronte erscheint auf der Bühne, hochdramatisch die ersten Klänge. Was die elf Musiker aus Buenos Aires in den folgenden 60 Minuten an Rhythmus und Temperament zeigen, gibt es so selten zu hören. Mit vier Bandoneons (die argentinische Version des Akkordeons), zwei Kontrabässen, einem Pianisten, drei Geigen und einem Sänger heizen sie dem Publikum noch mehr ein.

Die Profis machen es vor

Ihre Version des «Tango nuevo» überzeugt die Tanzpaare vom ersten Lied an. Der Sänger singt vom Tango, von langen Nächten und einsamen Herzen, vom Schmerz und vom Glück der Liebe. Man glaubt ihm jedes Wort, auch wenn man kein spanisch spricht. Auf der Tanzfläche verschmelzen die Paare im schummrig roten Licht. Auf den nun folgenden Showtanz haben alle gewartet, er ist der Höhepunkt des Abends: Regina Chiappara und Martìn Borteiro, ein professionelles Tanzpaar aus Uruguay auf Europatournee, demonstriert seine Passion auf hohem Niveau. So wie die beiden würde auch mancher Gast gerne tanzen können: wie ein vielgliedriges Raubtier, dessen Revier das Tanzparkett ist. Ihre Bewegungen sind absolut synchron. Man fühlt sich nach San Telmo versetzt, in jenes berühmte Quartier von Buenos Aires.

Nach den Profis ist die Reihe wieder an den tanzenden Besuchern. Manches Tanzpaar wähnt sich weit weg von Stäfa. Es wird eine lange, heisse Tango-Nacht. Früh genug werden die Traumtänzer von der nasskalten Schweizer Realität eingeholt. Jérôme Stern Tango ist mehr als nur ein Tanz - diese Haltung haben die Paare im Rössli, viele davon Absolventen der lokalen Tangoschule Vagabunda, verinnerlicht. Fotos: Peter Würmli

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch