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«Figuren machen nicht immer, was ich will»

Die Dübendorfer Autorin Petra Ivanov erhält vom Kanton einen Werkbeitrag von 20'000 Franken für ein Jugendbuch. 2009 erscheint es. Einen neuen Krimi hat sie auch schon bereit.

Den Werkbeitrag des Kantons erhält die 41-jährige Petra Ivanov für den Jugendroman «Reset». Er kommt im nächsten Jahr in den Buchhandel. Eben erst erschienen ist Petra Ivanovs vierter Kriminalroman mit dem Titel «Stille Lügen».

Normalerweise muss man dem Kanton Geld abliefern, etwa in Form von Steuern. Waren Sie überrascht, als Sie hörten, dass es auch umgekehrt geht und Sie aus Zürich Geld erhalten?Komplett. Zwar reichte ich wiederholt Gesuche um Werkbeiträge ein, aber bekommen habe ich bislang jeweils nur Standardabsagen. Meine Überraschung war umso grösser, als ich den Beitrag für ein Jugendbuch mit albanischen Protagonisten erhalte. Ein Buchhändler sagte mir unlängst, dass eine solche Geschichte kaum Chancen hätte im Verkauf. Das wollten Schweizer nicht lesen.

Warum satteln Sie auf Jugendbücher um? Mit Ihren ersten drei Flint-Cavalli-Krimis haben Sie als Autorin einen Bilderbuchstart hingelegt. Ihre Fangemeinde ist beachtlich und wird enttäuscht sein, wenn Sie nun Jugendbücher schreiben.(Lacht) Ich gehe den Flint-Cavalli-Fans nicht verloren. Meinen fünften Krimi habe ich bereits geschrieben. Aber der Erfolg der Serie ist zugleich mein Handicap. Ich möchte nicht in die Schublade Krimiautorin gesteckt werden.

Warum wäre das schlimm?Nun, es könnte ja sein, dass sich die Leserinnen und Leser, auch Fans, irgendwann doch zu langweilen beginnen. Dann wäre ich als Schriftstellerin erledigt.

Also Hauptsache Diversifikation – was Sie zum Thema zu sagen haben, kommt erst in zweiter Linie?Keineswegs. Auch bei den Jugendromanen geht es mir um die gleichen Themen wie in den Krimis: Vorurteile, Fassaden und menschliche Abgründe. Zudem spielen einzelne Figuren der Jugendbücher bereits in den Krimis mit.

Haben Sie ein Beispiel, ohne vom Inhalt des Jugendbuchs zu viel zu verraten?Chris Cavalli, der Sohn von Polizist Bruno Cavalli, spielt bereits in «Tote Träume» eine Rolle. In «Reset» erhält er nun aber mehr Raum.

Also sind die geplanten vier Jugendromane eine Art Flint-Cavalli-Krimis auf anderer, eben jugendlicher Ebene?Jein. Zwar greifen Erwachsenen-Krimi und Jugendroman bei den Figuren teilweise ineinander. Aber die Geschichten sind auch völlig unabhängig voneinander verständlich. Man braucht also nicht zuerst die Krimis zu lesen, um die Jugendbücher zu verstehen. Und selbst die einzelnen Jugendromane sind in sich selbst geschlossen.

Mit «Stille Lügen» ist Ihr vierter Krimi zwar eben erst erschienen, und doch haben Sie den fünften schon fast fertig. Ihre Schreibkadenz ist beängstigend.Das ist in der Tat auch für mich ein Problem. Ich schreibe schneller, als der Verlag die Bücher herausbringen kann. Aber meine Ideenquelle sprudelt wild. Die Figuren sind ständig da mit neuen Fragen, Problemen und Gefühlen. Wenn ich Sie nicht niederschreibe, kann ich Sie nicht mehr kontrollieren. Darum ist es wichtig, dass ich laufend schreibe. Das ist befreiend.

Sprechen Sie mit Regina Flint und Bruno Cavalli, wie mit realen Personen?Ja. Es sind eigentliche Gegenüber mit eigenen Geschichten und eigenem Willen. Sie machen nicht immer, was ich will.

Dann können Sie auch nicht voraussagen, selbst wenn Sie es wollten, ob Flint und Cavalli je wieder ein richtiges Paar werden?Nein. Sie will einen treuen Mann, er will sich nicht festlegen. Solange er sich nicht für die Regina Flint zugefügte Kränkung entschuldigt, werden die beiden eigene Wege gehen.

Diesen Sommer eskalierte der Konflikt zwischen Georgien und Russland. Ihr jüngster Krimi «Stille Lügen» spielt in Georgien. Ein Zufall?Ja. Ich sah nicht voraus, dass mein Buch beim Erscheinen eine so brisante Aktualität haben würde. Aber die Krise in der Region, die von meiner Arbeit als Heks-Mitarbeiterin kenne, dauert schon seit Jahren und spitzte sich laufend zu. Von daher war ich nicht überrascht, als es zum offenen Konflikt kam. Es war wirklich nur eine Frage der Zeit.

Machen Sie nun mit dem Geld, das Sie erhalten, Ferien in der Karibik und kaufen eine neue Polstergruppe?Machen Sie sich nur keine falschen Vorstellungen. Das Geld verschafft mir finanziell etwas Luft, mehr nicht. Grosse Sprünge mache ich damit nicht. Von den rund 5000 verkauften Büchern pro Jahr kann ich nicht leben. Nur dank der Lesungen komme ich durch. Und weil diese unregelmässig sind, bin ich um den Werkbeitrag sehr froh.

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