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Freches Design im Traditionshaus

Pfister lanciert eine eigene Kollektion mit Stücken von jungen Designern. In der Zürcher Kunstgalerie Nicola von Senger sind jetzt Fotos der Prototypen zu sehen.

Auch Saurier können etwas für ihr Image tun, wenn sie die nötige Einsicht haben - und das 128-jährige Traditionshaus Pfister hatte sie. Was derzeit in der Zürcher Galerie Nicola von Senger zu sehen ist, wirkt zumindest recht abenteuerlich und überraschend. Kunstfotografen wie Linus Bill, Melanie Hoffmann und Taiyo Onorato & Nico Krebs haben die noch unfertigen Werke der 13 Atelier-Pfister-Designer abgebildet, die in den letzten Monaten für die 124-teilige Kollektion entstanden sind - in entspannt-kreativer Atelier-Atmosphäre.

Schon die Inszenierung in einer Galerie zeigt die Absicht. Das etwas behäbig wirkende Möbelhaus erhofft sich mit der exklusiven Kollektion den Sprung ins zeitgenössische Design und in die Wohnungen einer arrivierten Zielgruppe. Mit diesem Vorgehen wird Pfister wohl auch einigen Schweizer Herstellern und designorientierten Möbelgeschäften in die gute Stube treten.

Alfredo Häberli, bekannter Schweizer Designer mit internationalen Aufträgen, hat die Gestalter im letzten Jahr ausgesucht und ihnen einen für Pfister-Verhältnisse provokanten Katalog mit Gedanken und Fragen mit auf den Weg gegeben, zum Beispiel: «Wie viele Kissen braucht Gemütlichkeit?» Oder: «Kann ein Teppich auch unter der Decke kleben?» Ein Katalog, der sie zu «charakterstarken Ideen, verblüffenden Erfindungen und unverwechselbaren Produkten» verleiten sollte. So lautete das ambitionierte Ziel.

Chance für junge Designer

Was ist inzwischen passiert? Passt das neue, visionäre Design in unsere Wohnungen? Und ist es überhaupt visionär? Es ist zumindest das erste Mal, dass ein Schweizer Möbelhaus einen Designauftrag in dieser Dimension vergibt. Laut Mediensprecher Luca Aloisi beträgt der Auftrag an die Designer mehrere Millionen Franken. Bis auf das arrivierte welsche Atelier Oï sowie Jörg Boner und Frédéric Dedelley handelt es sich mehrheitlich um junge und wenig bekannte Schweizer Designer, die nun die Chance erhalten, sich einem breiten Publikum zu präsentieren. Für ihre Arbeiten bekamen alle Gestalter einen Vorschuss, und sie sollen später, wenn die Kollektion in die Filialen kommt, auch am Erfolg beteiligt werden.

Beim näheren Betrachten der Prototypen sieht man, dass unter dem Coaching von Alfredo Häberli eine Menge Ideen entwickelt wurden, die das Zeug haben, unsere Wohnungen ein Stück unkonventioneller und intelligenter zu machen. Zum Beispiel das Bettsystem Broc vom Designteam Fulguro aus Lausanne. Am Rahmen lassen sich diverse Ablagen, eine Garderobe oder ein Baldachin anbringen, was das Bett zu einem kleinen Universum - auch für Kinder - macht. Interessant das skulpturale Sideboard von Nicolas Le Moigne, das mit offenen und geschlossenen Volumen spielt. Es lässt sich zu einem Kubus zusammenklappen, der nach aussen völlig neutral und aufgeräumt wirkt. Aufgeklappt entfalten sich dann Tablare, Nischen, Eckchen und Kanten für Bücher und allerlei Krimskrams.

Ein markantes Möbel ist der Holztisch in Nussbaum von Stauffacherbenz, dem Designerpaar aus Uster. Er nimmt die alte Idee vom Esstisch mit Schubladen auf und interpretiert sie neu. Bei der zeitgenössischen Version sind die praktischen Schubladen für Bestecke und Servietten elegant in die Längsseite integriert. Endlich auch ein Tisch, der seine Beine nicht an den Aussenkanten hat, wie wir das seit Jahren sehen, sondern einer, der seine schönen Beine wieder diskret unter die Tischplatte stellt und sie umso mehr schweben lässt. Produziert wird der Tisch in der Schweiz, wie viele andere Teile der Linie.

Im Sommer in den Läden

Etliches aus der Kollektion wirkt noch unausgegoren, wie die Teppiche der Modedesignerin Lela Scherrer, die mit alten Persermustern spielt und sie zu neuen schwarz-weissen Mustern collagiert. Doch der provisorische Eindruck täuscht - hinter den Kulissen steht die Kollektion kurz vor der Produktionsreife. Ende August soll sie in den Filialen präsentiert werden. Alfredo Häberli wird persönlich dafür sorgen, dass die Inszenierung stimmt.

www.atelierpfister.chDie Ausstellung ist heute Samstag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Galerie Nicola von Senger, Limmattalstr. 275, Zürich. Es kommt ein Stuhl gefahren - von Stauffacherbenz. Foto: Taiyo Onorato & Nico Krebs Das Bett als flexibles Universum - vom Designerteam Fulguro. Foto: Linus Bill

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