Freunde wollten Zürcher G-20-Chaoten freikaufen

Geld für Kaution gesammelt: Die Hamburger Staatsanwaltschaft lehnte ab.

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Die Demonstration richtete sich «gegen den Kapitalismus, gegen die Reichen und ihr Geld», so die Organisatoren. Auch ein 29-jähriger Zürcher marschierte am Vorabend des G-20-Treffens vor zwei Monaten durch die Hamburger Innenstadt. Bei Parolen beliess er es laut Staatsanwaltschaft nicht. Sie wirft dem Schweizer vor, mit zwei Glasflaschen nach Polizisten geworfen zu haben. «Wenige Minuten später soll der Beschuldigte einem Mann mehrere Faustschläge gegen den Oberkörper versetzt und dies auch fortgesetzt haben, nachdem das Opfer zu Boden gegangen war», sagt Oberstaatsanwalt Carsten Rinio.

Mit 50 anderen Chaoten kam der G-20-Demonstrant in Untersuchungshaft. Dort war das verpönte Kapital plötzlich wieder gefragt. Freunde des Zürchers sammelten Geld, um ihn aus dem Gefängnis freizukaufen. Laut einem Insider beteiligten sich verschiedene Personen aus der Zürcher Gastroszene im Langstrassenquartier an der Aktion. Dort führt der Beschuldigte nicht etwa einen Treff für Linksautonome, sondern ein hippes Szene-Restaurant. Innert kurzer Zeit kamen so 20 000 Euro zusammen.

Fluchtgefahr wurde als hoch eingestuft

Nana Frombach, Pressesprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft, bestätigt den Versuch und auch die Höhe der Kautionszahlung. «Diese wurde abgelehnt, weil die Fluchtgefahr als hoch eingestuft wurde.» Man habe befürchtet, dass sich der Beschuldigte in die Schweiz absetzt. «Und sich so dem Prozess entzieht.»

Bis am Donnerstag bleibt der Zürcher deshalb in Untersuchungshaft. Dann muss er um 13 Uhr vor den Amtsrichter. Viel Platz für Unterstützer aus Zürich bleibt nicht, für private Zuschauer sind nur 15 Sitzplätze reserviert. Vorgeworfen werden dem Schweizer versuchte gefährliche Körperverletzung, tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung. Welche Strafe die Staatsanwaltschaft fordert, will sie erst am Prozess bekannt geben.

Justiz in Hamburg spricht lange Haftstrafen aus

Olaf Scholz, Bürgermeister von Hamburg, forderte schon kurz nach den Protesten «harte Strafen» gegen die Randalierer. Entsprechend deutlich fiel das Urteil gegen einen Niederländer aus, dem ähnliche Taten vorgeworfen wurden wie nun dem Schweizer. Der 21-jährige Niederländer soll zwei Flaschen auf einen Polizisten geworfen haben. Er erhielt eine unbedingte Haftstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten, obwohl er in Deutschland nicht vorbestraft war.

Das gilt auch für den Zürcher. Helfen könnte diesem jedoch seine mangelnde Treffsicherheit. Denn anders als der Niederländer verfehlte er die Beamten mit den Glasflaschen. Deshalb klagt ihn die Staatsanwaltschaft nur wegen des Versuchs der gefährlichen Körperverletzung an.

Nacht der Gewalt in Hamburg.

Erstellt: 10.09.2017, 11:58 Uhr

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