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«Frischfleisch-Bschiss» Coop prüft Verkauf von Fleisch strenger, TA vom 11. 11.

«Frischfleisch-Bschiss» Coop prüft Verkauf von Fleisch strenger, TA vom 11. 11. Boni verleiten zu Betrügereien. Ich beobachte seit 1976 die Folgen von Erfolgsbeteiligungs- und Bonussystemen. Das Beispiel «Frischfleisch-Bschiss» zeigt, dass finanzielle Anreize Mitarbeitende zu Handlungen verleiten, die zwar umsatzfördernd wirken, aber aus ethischer und moralischer Sicht verwerflich sind und deshalb auf Dauer nicht funktionieren können. Boni sind auf Verkaufs- und Gewinnmaximierung fokussiert &endash also auf Geld &endash, und die menschlichen Aspekte bleiben auf der Strecke. Mitarbeitende mit ethisch korrekter Arbeitsmoral werden durch die Nötigung zu betrügerischen Machenschaften (damit der Chef sein Bonusziel erreicht) in Gewissenskonflikte getrieben, die wissenschaftlich nachweisbar krank machend wirken. Allein in der Finanzwelt erleben wir nunmehr seit Jahren, welche immensen Schäden an Volk und Wirtschaft aus Bonusgier angerichtet wurden und wohl noch lange werden. Boni verleiten hüben und drüben zu Betrügereien, und im Fall Coop wird es zu massiven Frustrationen kommen, denn diejenigen Metzger-Filialleiter, die nicht betrogen haben, dürften ihre Bonusziele auch nicht erreichen, weil die Fleisch- und Fischverkäufe in allen Filialen massiv einbrechen werden &endash also auch dort, wo korrekt gearbeitet wurde. Coop wird für den Wiederaufbau des Konsumentenvertrauens ein Vermögen investieren müssen. Ein erster Schritt ist die angekündigte Schaffung einer Ombudsstelle. Diese wird Coop aber nur dann Nutzen bringen, wenn sie extern und garantiert neutral ist. Zur Leitung einer solchen Ombudsstelle sind viel unternehmerische Erfahrung und Fingerspitzengefühl nötig, mit einem starken Durchsetzungsvermögen nach oben. Anita M. Herzig, Sachseln Unrealistische Umsatzziele. Dass die aufgedeckten Sauereien bei Coop System haben und von oben gesteuert oder gedeckt wurden, kann ich mir nicht vorstellen. Dagegen trifft die Verantwortung letztlich die oberste Führung des Grossverteilers. Es zeugt von äussert wenig Marketingfantasie, wenn man dauernd neue Preiskriege anzettelt und auch noch meint, auf jeden kleinen Preis-Reaktions-Furz der Konkurrenz massiv reagieren zu müssen. Das mutet einerseits kindisch an, andererseits müssen die steigenden Marketingkosten wieder eingespielt werden. Da bleiben halt ausser den bereits wie eine Zitrone ausgepressten Lieferanten nur noch unrealistische Umsatzziele. Und weil die im garstigen Marktumfeld nicht erreicht werden können, steigt der Druck auf die Personalkosten. Was nach «Rationalisierung» oder «Straffung der Strukturen» ruft und als Folge daraus immer noch mehr Aufgaben und immer mehr Druck für immer weniger Köpfe heisst. Das läuft übrigens nicht nur bei Coop, sondern im ganzen Detailhandel so. Coop hat zusammen mit Migros über Jahrzehnte erfolgreich dafür gesorgt, dass der übrige Detailhandel entweder platt gewalzt oder marginalisiert wurde. Daran ist nicht der Konsument schuld, wie gerne behauptet wird, sondern die beiden Grossverteiler. Diese machen den Markt. Und zwar nicht nur jenen der Lebensmittel. Dem Konsumenten die Schuld zu geben, ist Quatsch. Der hat ja gar keine andere Wahl, als entweder bei Migros oder Coop einzukaufen. Auch in dieser Hinsicht sind wir Schweizer weltweit ein Sonderfall. Max Mantel, Kilchberg

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