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Führung durch einen der schönsten Friedhöfe der Schweiz

«Werden, Sein, Vergehen», lautet der menschliche Kreislauf. Auf dem Ustermer Friedhof ist er als Skulptur zu finden, wie die Besucher am Samstag erfuhren.

Uster - Für Pietro Maggi ist der Ustermer Friedhof einer der schönsten der Schweiz. Das Wichtigste ist laut dem Stadtarchivar und Kunsthistoriker, dass die Angehörigen hier Ruhe finden und allein sein können. «Das gibt ihnen die Möglichkeit, eine geistig-seelische Verbindung mit dem Verstorbenen aufzunehmen», sagte er am Samstag auf einer Führung durch die beschauliche Parkanlage. Neu gestaltet wurde sie Anfang der 60er-Jahre vom bedeutenden Gartenarchitekten Walter Leder.

Die mächtigen, wie Soldaten in Reih und Glied stehenden Tannen, Föhren und Scheinzypressen wurden ganz bewusst auf einer Erhebung gepflanzt. Laut Maggi wollte der Architekt an den Auferstehungsglauben anknüpfen: «Wer vor einem Grab steht, blickt automatisch leicht nach oben - zu den Bäumen.»

In den 80er-Jahren wurde eine Ecke des Friedhofsareals, die an die Landwirtschaftszone angrenzt, naturnah gestaltet. Die Blumenwiese, Kiesfläche, Trockenmauer und die Hecken bieten Insekten und Vögeln einen Lebensraum; im Weiher tummeln sich mehrere Bergmolche.

Die Symbolik der Grabsteine

Der Stadtarchivar erklärte den rund 70 Besuchern die Symbolik einzelner Grabsteine und Skulpturen. So stellt die Steinplatte auf dem Familiengrab des bekannten Bildhauers Walter Hürlimann senior den menschlichen Kreislauf «Werden, Sein, Vergehen» und den Energiekreislauf mit den Elementen Feuer, Luft, Wasser und Erde dar. Wal-ter Hürlimann senior hat nicht nur die meisten Ustermer Brunnen gestaltet, sondern auch diverse Grabsteine. Beeindruckt zeigten sich die Besucher von seiner Bronzeplastik «Auferstehung», die ein Mädchen darstellt, das soeben erwacht ist und sich langsam erhebt.

Vielschichtig ist die Symbolik, die die Skulptur «Das Lebensschiff» ausdrückt. Emilio Stanzani hatte das Segelschiff, das von Mann und Frau gemeinsam ge-steuert wird, im Jahr 1960 für Hans Bis-sig, den ehemaligen Zellweger-Direktor, und seine Ehefrau geschaffen. Die fehlenden Schiffsplanken stellen Hindernisse dar, während der Anker, der Jesus symbolisiert, das Schiff stabilisiert.

Manche Angehörige drücken mit der Grabgestaltung etwas aus, das dem Verstorbenen wichtig war oder das an des-sen Beruf erinnert. So stösst man auf dem Friedhof Uster beispielsweise auf eine Katzen- und eine Pferdeskulptur und einen bronzenen Flötenspieler, der zu Ehren eines Musikdirektors geschaffen wurde. «Solche Darstellungen schaffen Nähe und helfen beim Verarbeiten des Todes», ist Maggi überzeugt. Gerade in der ersten Trauerphase könnten solche Symbole eine wichtige Funktion erfüllen, weil sich die Angehörigen an etwas festhalten könnten.

Eingeweiht wurde der Friedhof am 24. Oktober 1869 - genau 140 Jahre vor der Führung. Laut Friedhofsgärtner Thomas Schenker wünschte Pfarrer Salomon Vögelin den Anwesenden damals, dass sie der Friede, der auf dem Friedhof herrsche, auch im Alltag begleite. Nicole Zurbuchen Auferstehungsskulptur von Bildhauer Walter Hürlimann. Foto: Christoph Kaminski

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