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Fünf Schweizer Klubs unter Verdacht

Wettbetrug: Neben Gossau und Thun sind auch Wil und Schaffhausen verwickelt, dazu Erstligist Fribourg.

Die Bundesanwaltschaft war gestern im Haus des Fussballs in Muri BE zu Besuch, um den Schweizerischen Fussballverband (SFV) sowie die Swiss Football League (SFL) erstmals detaillierter über die Ermittlungen im Wettskandal zu informieren. Hauptbotschaft war die, dass vier Vereine aus der Challenge League in aktiver Rolle verwickelt sind: Gossau, Thun, Schaffhausen und Wil. Auf dem Radarschirm aufgetaucht ist ausserdem Erstligist Fribourg. Insgesamt stehen 17 Challenge-League- und 2 Vorbereitungsspiele unter Manipulationsverdacht - und nicht wie bisher angenommen 22 Challenge-League-Partien.

Gemäss Medienmitteilung des Verbandes besteht «der begründete Verdacht, dass bei Spielen dieser Klubs mutmasslich manipuliert wurde respektive manipulierungswillige oder mit dem Ziel einer Manipulation kontaktierte Fussballer mitspielten oder in den Kadern figurierten». Gewissheit herrscht darüber, dass kein Trainer von den Ermittlungen betroffen ist. Eine der zwei Personen, die vor bald zwei Wochen in der Schweiz wegen Verdunkelungsgefahr verhaftet worden waren, ist seit Montag wieder auf freiem Fuss.

Die Bundesanwaltschaft erlaubte dem SFV und der SFL, die Liste aller im Fokus stehenden Partien zu veröffentlichen. Geklärt sind aber längst nicht alle Fragen. Offen bleibt vor allem, ob und welche Spieler tatsächlich als Betrüger entlarvt und überführt werden.

Bei nicht weniger als 9 Spielen ist der FC Thun beteiligt, 6 der verdächtigten Partien fanden mit Gossau statt. Viermal wird der FC Wil genannt, einmal der FC Schaffhausen. Thuns Präsident Markus Stähli rechnete damit «dass mindestens ein halbes Dutzend Mannschaften» in den Fokus geraten würden. Negativ überrascht ihn die Tatsache, dass gegen die Thuner auch im Spiel gegen Nyon (9:0) Manipulationsverdacht besteht. «Ich dachte, wir seien nur passiv betroffen», sagt Stähli, «der Gegner war völlig inferior. Zudem ist ausgeschlossen, dass Wetten auf eine Thuner Verwarnung erfolgreich gewesen wären. Es gab keine einzige gelbe Karte. Ich habe Mühe, zu glauben, dass in diesem Match von unserer Seite etwas nicht sauber war.»

2. Unterschriftsaktion in Wil

Für Wils Präsident Roger Bigger ist das Erstaunliche, dass es in den betroffenen Spielen mit dem FC Will zwischen der 26. und 29. Runde der vergangenen Saison keine einzige Niederlage für die Ostschweizer gab: «Wir erzielten nur positive Resultate und das gegen durchwegs namhafte Gegner. Da frage ich mich schon, wie die Form der Manipulation aussehen könnte.»

Kaum war der Wettskandal vor knapp zwei Wochen aufgeflogen, liess Bigger von den Spielern einen Ehrenkodex unterschreiben, mit dem die Belegschaft ohne Ausnahme bezeugte, nicht in illegale Machenschaften verwickelt zu sein. Gestern nun startete der Präsident eine ähnliche Aktion. Mit seiner Unterschrift konnte jeder bezeugen, dass er in den letzten Wochen im Zusammenhang mit dem Wettskandal nicht polizeilich einvernommen wurde. «Jeder aus dem aktuellen Kader unterschrieb», betont Bigger, «die Mannschaft ist sauber.» Und in der vergangenen Saison? «Es gab Spieler, die im Sommer den Klub verlassen haben.» Offenbar steht einer von ihnen zumindest in Verdacht, von Wettbetrügern kontaktiert worden zu sein.

Keine Unruhe löste die gestrige Bekanntmachung der Bundesanwaltschaft in Schaffhausen aus. Präsident Aniello Fontana erklärte, sein Klub stehe nur auf der Liste, weil Goalie Darko Tofiloski vor dem Match gegen Vaduz von der Wettmafia 20 000 Franken in Aussicht gestellt bekam, das Angebot aber ausschlug und stattdessen die Klubleitung über den Anruf in Kenntnis setzte.

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