Für Afro-Pfingsten wird es eng

Heute entscheidet das Winterthurer Stadtparlament über einen Beitrag für das nächste Festival. Für die Organisatoren ist das eine Vorentscheidung für die Zukunft.

An Pfingsten liegt Afrika jeweils an der Eulach.

An Pfingsten liegt Afrika jeweils an der Eulach. Bild: Keystone/Steffen Schmidt

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Für Fans von Weltmusik und exotischen Speisen ist Winterthur an Pfingsten der «place to be»: Dann finden die Afro-Pfingsten statt. Ein Traditionsfestival mit Märkten und Konzerten, das jedes Jahr Zehntausende anlockt. Doch nun ist die Zukunft des Anlasses unsicher – wieder einmal. Zwar unterstützen der Kanton Zürich und der Bund Afro-Pfingsten mit je 30’000 Franken, und auch der Stadtrat von Winterthur hat 25’000 Franken zugesagt. Doch das reiche langfristig nicht, sagt Organisator Daniel Bühler.

Bühler möchte von Winterthur gern 20’000 Franken mehr. Er argumentiert mit den steigenden Kosten, die unter anderem durch immer strengere Auflagen verursacht würden: «Wenn wir zum Beispiel Stände aus Sicherheitsgründen streichen müssen, fehlt uns nachher Geld in der Kasse.» Insgesamt 60’000 Franken zahle Afro-Pfingsten für städtische Leistungen. Dabei bringe Afro-Pfingsten der Stadt viel. So würden 25 Gratiskonzerte organisiert – neben 19 Konzerten mit Eintritt.

Das Albanifest erhält viel mehr

SP, GLP, die Grünen und die AL unterstützen Bühlers Anliegen. Die SP hat für die Budgetdebatte, die heute Nachmittag beginnt, einen Antrag eingereicht, Afro-Pfingsten mit genau der Summe zusätzlich zu unterstützen, welche Bühler fordert. «Ohne diese Unterstützung geht es nicht», sagt SP-Fraktionschef Silvio Stierli. Christian Griesser, Fraktionschef der Grünen und AL, argumentiert, die Stadt gebe für das Albanifest sehr viel mehr Geld aus: «Da liegt auch für Afro-Pfingsten noch etwas drin.»

Doch der Antrag hat keine besonders guten Chancen. FDP und SVP wollen ihn ablehnen. Für sie sind die Afro-Pfingsten ein kommerzieller Anlass, der selbsttragend sein sollte. «Wenn der Anlass wachsen will, dann soll er das aus eigener Kraft tun», sagt FDP-Fraktionschef Stefan Feer. Nein sagen auch EVP und BDP, allerdings nur vorläufig. Denn Afro-Pfingsten und der Stadtrat wollen nächstes Jahr eine Leistungsvereinbarung abschliessen. Dem wolle man nicht vorgreifen, sagt Fraktionschefin Lilian Banholzer: «Wenn sich dann zeigt, dass mehr Geld nötig ist, kann man darüber reden.» Auch Stadtpräsident Mike Künzle (CVP) findet einen zusätzlichen Beitrag nicht sinnvoll, bevor die Leistungsvereinbarung steht.

Was ein Nein bedeutet

Aus Daniel Bühlers Sicht wäre allerdings auch ein Nein des Gemeinderats ein Signal, und zwar ein negatives: «Das würde heissen, dass das Parlament nicht hinter Afro-Pfingsten steht.» Zwar wäre das Festival für 2018 nicht gefährdet, aber danach würde es eng. «Die Stadt soll jetzt endlich einmal sagen, ob sie das Festival will», sagt Bühler.

Es ist nicht das erste Mal, dass Afro-Pfingsten finanziell schwierige Zeiten durchmacht. Schon 2012 war das Festival in Schieflage geraten. Daraufhin hatte Bühler die Verantwortung an einen Verein abgegeben und den Namen Afro-Pfingsten verkauft. Doch der Verein hatte kein Glück: 2015 stand er vor aufgelaufenen Schulden in der Höhe von 700’000 Franken. Die Stadt hatte damals einen Beitrag an die Sanierung verweigert. 2016 fanden deshalb keine Afro-Pfingsten statt; Bühler sprang aber in die Bresche und organisierte unter dem Namen «Eine Welt» stattdessen einen kleineren Anlass. Dann kaufte er die Namensrechte zurück und stellte 2017 wieder Afro-Pfingsten auf die Beine. Die Stadt leistete daran einen Beitrag von 20’000 Franken.

Erstellt: 04.12.2017, 14:18 Uhr

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