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Für Höremer Bauer war es bloss ein Tropfen auf den heissen Stein

Gestern hat es im Zürcher Unterland erstmals seit über drei Wochen wieder richtig geregnet. Dies freut die Gärtner und Landwirte.

Von Christian Wüthrich und Fabian Boller «Ich freue mich über jeden Regentropfen», sagt Brigitte Schurter, Inhaberin der Eymann-Gärtnerei, und fügt an, «allerdings dürfte es noch deutlich mehr regnen.» Ein ganzes Kopfsalatfeld ist bereits kaputtgegangen in der Gemüsegärtnerei in Winkel. Allein dies verursache eine Schadensumme in fünfstelliger Höhe, sagt Schurter. «Ohne Bewässerung würde hier längst nichts mehr wachsen.» Sie führt 45 Angestellte, die allerlei Salate, Gurken, Tomaten und auch Artischocken für die Migros anpflanzen und verarbeiten. Während sie ihre Kulturen in anderen Jahren gar nicht bewässern musste, war dies heuer schon im Februar nötig geworden – so früh wie selten zuvor. In den letzten Wochen musste Schurter eigens einen Mitarbeiter im Nachtdienst abstellen, um zu dieser Zeit alle Bewässerungsanlagen auf den umliegenden Feldern einzuschalten und zu überwachen. «Mein Herz würde höherschlagen, wenn es endlich ein paar Tage ausgiebig regnete.» Es grünt dank eigenem «See» Bereits Hochsaison ist bei der Grossgärtnerei Lamprecht in Nürensdorf. Die warmen Verhältnisse der vergangenen Wochen haben dazu geführt, dass Geschäftsführer Roland Mensch seine Topfpflanzen bereits früher als sonst ausliefern kann. «Die ungewohnte Trockenheit hat bei uns keine grösseren Probleme verursacht.» Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil die Gärtnerei über ein eigenes, 90 Meter langes Regenwassersammelbecken verfügt, das noch immer zur Hälfte gefüllt ist. Trotzdem darf die Trockenperiode nicht mehr zu lange anhalten. «Der Regen, der jetzt ausbleibt, fehlt uns spätestens in zwei Monaten.» Zwar könnte der Betrieb auch Wasser aus dem Versorgungsnetz der Gemeinde beziehen, was sich allerdings in diesem Branchenzweig überhaupt nicht rechnet. Der Höremer Bauer Martin Schellenberg sieht die jüngsten Regenfälle als «Tropfen auf den heissen Stein». Er besitzt zwar eine Konzession zur Wasserentnahme aus der Glatt, was er aber noch nicht gemacht hat dieses Jahr. «Es lohnt sich eben nicht, Weizen zu wässern», sagt der 36-Jährige. Die Böden seiner Felder seien noch nicht so sehr ausgetrocknet, da sie nicht so kieshaltig seien wie etwa jene im Rafzerfeld. Nun hofft er auf anhaltenden Landregen. Weniger als 5 Liter Regen Die gestrigen Regengüsse brachten laut dem Eglisauer Meteorologen Peter Wick im Unterland nur etwa 1 bis 5 Liter Wasser pro Quadratmeter. «Heute Donnerstag und morgen Freitag kann es vereinzelt zu weiteren Regengüssen kommen, allerdings eher im Schwarzwald und im Zürcher Oberland», so Wick. Das Problem der Trockenheit sei damit aber noch längst nicht behoben. Er rechnet auch nächste Woche nur vereinzelt mit kurzen Regengüssen. Für das darauffolgende Wochenende orakelt Wick sogar wieder von einer weiteren Trockenperiode. «Dies ist allerdings noch etwas spekulativ», ergänzt er. «Wir haben momentan zwar eine aussergewöhnliche Trockenphase, aber die Situation ist nicht besorgniserregend», beruhigt Wolfgang Bollack, Sprecher der Baudirektion, wo auch die Wasserwirtschafts- und Fischereifachleute angesiedelt sind. Von einer Situation wie im Hitzesommer 2003, als auch der Rhein teilweise abgefischt werden musste, sei man jetzt noch weit entfernt, beruhigt Bollack.

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