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Für Kinder auf der Strasse Strassenkinder spielen

Jrene Bianchi hat ein Musiktheater über Strassenkinder geschrieben. Heute führen es 18 Langnauer Schülerinnen und Schüler in Bellinzona auf - für ein Hilfswerk.

Langnau - Am Schluss sterben nur drei von 18 Kindern. Doch die Szenen des Musiktheaters «Strassenkinder» sind alle traurig. Geschrieben hat es die Langnauerin Jrene Bianchi, es spielt in Brasilien. Es kommt zu einer Messerstecherei zwischen rivalisierenden Cliquen, ein Kind bekommt Bauchweh, weil es etwas Verdorbenes gegessen hat, ein anderes tritt aus Versehen auf eine gebrauchte Spritze, weil der Spitalabfall auf der Müllhalde landete.

Heute wird das Musiktheaterstück von Bianchi zum ersten Mal aufgeführt. 18 Kinder aus Langnau stehen am nationalen Kinderkongress zum 50-Jahr-Jubiläum des Hilfswerks Terre des Hommes - Kinderhilfe in Bellinzona auf der Bühne. Auf dem Castelgrande werden Kinder und Erwachsene aus der ganzen Welt motiviert, sich für die notleidenden Kinder dieser Welt zu engagieren.

Bianchi hat Szenen mit Drogenhändlern und Kinderprostitution weggelassen, um die 18 Langnauer Kinder zwischen 7 und 16 Jahren nicht zu überfordern. Die Szenen spielen die Kinder stumm, das Gesehene kommentieren Erzähler.

Weil laut Bianchi viele der jungen Darsteller im Stück nicht sterben wollten, bleibt der Ausgang vieler Szenen offen. Auch die Szene der elfjährigen Morgan Mestry. Sie ist die letzte Überlebende einer Bande, findet schliesslich eine Tube mit giftigem Leim, schnüffelt an ihr und erlebt ihren ersten Rausch. Plötzlich sieht sie die Welt wie durch eine rosa Brille. Anders als die meisten ihrer Schulkolleginnen, kennt Morgan Mestry Strassenkinder nicht nur aus Büchern oder Filmen. Sie wurde in Mauritius geboren, verbrachte auf der Insel ihre ersten neun Lebensjahre. «Nicht oft, aber manchmal» traf sie Kinder an, die am Strassenrand kauerten, mit einem Tässchen und einem Plakat. «Darauf stand meist etwas wie‹Ich habe Hunger, ich brauche Geld›», erinnert sich Morgan Mestry. Das Leben eines Strassenkindes stellt sie sich als «sehr hart und sehr kurz» vor.

Engagement aus Dankbarkeit

Damit sie die drei Proben am Mittwochnachmittag nicht verpasste, hatte sie in der Schule keinen Freizeitkurs belegt. Als Regisseurin hat Bianchi den Kindern viel Freiheiten gelassen, wenig korrigiert und wenig Druck aufgesetzt. Jrene Bianchi spielt in ihrem eigenen Stück keine Rolle. Sie sagt: «Ich finde den Gedanken schön, dass Kinder Kindern helfen.»

Bianchi engagiert sich seit zwei Jahren für Terre des Hommes - aus Dankbarkeit, dass ihre beiden Buben (elf- und achtjährig) gesund seien. Für das Hilfswerk steht sie auch drei Mal im Jahr vor dem Langnauer Coop und der Migros und verkauft Orangen, Sonnenguetsli oder Aidsschlaufen. Auch Morgan Mestry half schon mit Bastelarbeiten. Basteln und Zeichnen liegen ihr mehr als Schauspielern, meint sie. Doch die Botschaft von Bellinzona ist zumindest bei ihr schon angekommen. «Ich möchte machen, was Jrene macht», sagt sie und schaut ihr Vorbild mit grossen Augen an. Das Stück wird auch in Langnau aufgeführt: Samstag, 17. April, 17 Uhr, reformiertes Kirchgemeindehaus. Eintritt frei, Kollekte für Terre des Hommes. Barfuss: Morgan Mestry (11) aus Langnau spielt im Stück von Jrene Bianchi (42) ein brasilianisches Strassenkind. Foto: Patrick Gutenberg

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