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Für Manager gibts den Jackpot ohne lästige Lotterie

Der Generaldirektor des Pariser Luxuskonzerns LVMH hat an der Börse an einem Tag 18 Millionen Euro kassiert. Das gibt zu reden.

Von Oliver Meiler, Marseille Das ist eine jener Geschichten von zwei-felhafter Eleganz aus der Managerwelt, wie sie im grossen Publikum nicht sehr gut ankommen. Antonio Belloni (55), seit acht Jahren Generaldirektor des französischen Luxuskonzerns Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH), hat, wie nun bekannt wurde, unlängst eine einträgliche Finanztransaktion in eigener Sache getätigt. Der reservierte Italiener kaufte und verkaufte an einem einzigen Tag 250 000 Aktien dieses Unternehmens, dessen Schicksal er als Nummer 2 nicht unwesentlich mitverantwortet. Und da er beim Ankauf der Titel von einem Vorzugspreis profitierte und sie dann zum Marktpreis verkaufen konnte, schaute am Ende ein Gewinn von 17,6 Millionen Euro heraus. Genauer: 200 000 Aktien kaufte Belloni für je 37 Euro, 50 000 für je 61,77 Euro – macht rund 10,5 Millionen. An jenem Tag lag der Kurs der Aktie aber bei 112,35 Euro, was ihm etwa 28,1 Millionen bescherte. Nach Abzug der Investition blieben ihm also 17,6 Millionen Euro. Man erfährt nun auch, dass Belloni in diesem Jahr bereits vier Mal Stock Options ausgeübt hat. Jedes Mal mit stattlichen Millionengewinnen, denn LVMH, der Weltleader des Luxusgeschäfts, erlebt gerade einen Höhenflug an der Börse: Seit Jahresbeginn stieg der Kurs des Unternehmens um 50 Prozent an. Sonderlich bedürftig scheint Belloni nicht zu sein. Mit 5,3 Millionen Euro Jahresgehalt ist er der bestbezahlte Manager Frankreichs. Er bezieht gar ein höheres Gehalt als der Patron und Grossaktionär des Kon-zerns, Bernard Arnault, der sich selber im Jahr 2009 etwa 4 Millionen Euro ausbezahlte. In der französischen Presse lösen diese Interna von LVMH zweierlei kritische Reaktionen aus: emotionale und fachliche. In den Tageszeitungen rechnet man Belloni vor, er habe binnen 24 Stunden und ohne jeden Arbeitsaufwand den Gegenwert von 1400 Jahren des gesetzlich festgelegten Mindestlohns eingestrichen. Das Wissen des Superinsiders Die Wirtschaftsmedien dagegen thematisieren die leidige Frage des Insiderhandels und der Stock Options, die immer dann kurz aufblitzt, wenn es dazu grosse Schlagzeilen gibt. «Die Debatte ist lanciert», schreibt «La Tribune». Belloni hat zwar die Regeln der Börsenaufsicht respektiert und seine Operation gemeldet. Doch er wickelte sie nicht an irgendeinem Tag ab, er handelte viel mehr sehr gut getimt: Am 26. Oktober machte Louis Vuitton nämlich völlig überraschend publik, dass es mit stillen Zukäufen zum grössten Einzelaktionär des erfolgreichen Rivalen Hermès aufgestiegen war. Und so fragen sich die Franzosen, ob den Managern fortan nicht untersagt werden sollte, dass sie ihre Stock Options während ihrer Amtszeit ausüben können – mit dem Wissen von Superinsidern. Antonio Belloni.

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