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Für Schmähbriefe bestraft

Über Jahre hinweg hat ein Pensionär Erlenbacher Behördenvertreter aufs Schärfste kritisiert. Nun hat ihn das Bezirksgericht wegen übler Nachrede verurteilt

Von Daniel Fritzsche Erlenbach – Wie ein dreister Querulant wirkt der Mann auf der Anklagebank nicht. Eher wie ein sanftmütiger Grosspapi, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann. Doch der Schein trügt. Seit über 15 Jahren hält der rüstige Pensionär das «offizielle» Erlenbach mit Schmähbriefen der härteren Sorte auf Trab. In regelmässigen Abständen hat er diffamierende Texte an Gemeinderäte, Verwaltungsmitarbeiter und Parteipräsidenten versandt. Ihren Ursprung hat die Hetzkampagne in einem Landumlegungs- und Erschliessungsvertrag aus dem Jahr 1994. Der Angeklagte fühlte sich damals von den Behörden, namentlich dem Bauamt, ungerecht behandelt. Der Zorn auf die Amtsträger scheint über die Jahre gewachsen zu sein. In einem Schreiben aus dem Jahr 2009 bezichtigte der Erlenbacher den Gemeindepräsidenten der «dreisten Irreführung, Lügen und Nötigungen». Nur in Erlenbach dürften Behördenmitglieder, Chefbeamte und ihre Vasallen hinter einer Fassade von Rechtschaffenheit erstunkene und erlogene Behauptungen skrupellos verbreiten.Von der Bezirksrichterin auf seine Motivation angesprochen, meinte der Rentner: «Das, was mir passiert ist, darf niemandem mehr passieren.» Wegen der Behörden habe er sein ganzes Vermögen verloren. Der Anwalt der Klägerseite erklärte, der Angeklagte habe den Bogen des rechtlich Zulässigen massiv überspannt. Wiederholt habe er böswillige Ehrverletzungen begangen. Seine happigen Anschuldigungen habe er aber nie beweisen können, auch den Rechtsweg habe er nicht beschritten. Die Verteidigung forderte einen Freispruch. Der Angeklagte sei im Grunde eine friedliebende Person, kein Störenfried, wie dies die Kläger behaupten würden. Nur hinsichtlich des baurechtlichen Verfahrens habe er gemäss eines psychologischen Gutachtens über die Jahre eine gewisse Neurose entwickelt. Tatsächlich sei der Erlenbacher von den Behörden systematisch «zermürbt» worden. Aus Ohnmacht habe er sein Anliegen schliesslich in die Öffentlichkeit getragen. Vier Jahre keine bösen Briefe Das Meilemer Bezirksgericht sprach den uneinsichtigen Rentner am Ende der mehrfachen üblen Nachrede schuldig. Er wurde mit einer bedingten Geldstrafe in Höhe von 10 800 Franken bestraft. Die Probezeit wurde auf vier Jahre angesetzt. Während dieser Zeit sollte die Gemeindeverwaltung also keine bösen Briefe mehr erhalten. Zudem muss der Angeklagte eine Busse von 2000 Franken und eine Entschädigung an die Klägerseite berappen. Auch die Prozesskosten muss er übernehmen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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