Zum Hauptinhalt springen

Gemeinde Wetzikon hat konkrete Pläne gegen die Jugendgewalt

Eine Informationsveranstaltung in Wetzikon beschäftigte sich mit Kriminalität unter Jugendlichen. Mit aufsuchender Jugendarbeit möchte die Gemeinde das Problem bekämpfen.

Wetzikon. - Die Gemeinde Wetzikon möchte die Jugendkriminalität mittels aufsuchender Jugendarbeit besser in den Griff bekommen. Das Vorhaben erläuterte Gemeindepräsident Urs Fischer (FDP) an einer Informationsveranstaltung am Mittwochabend. «Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Angebote, die wir haben, zu wenig von den Leuten genutzt werden, die sie nutzen sollten», sagte er. Mit der aufsuchenden Jugendarbeit, die der Gemeinderat nun einführen wolle, werde umgekehrt vorgegangen. Die Jugendarbeiter würden vermehrt auf die Jugendlichen zugehen und an den Orten, an denen die Probleme am auffälligsten seien - auf Schulhausplätzen, am Bahnhof und vor der Migros -, mit ihnen in Kontakt treten.

Das Projekt ist Teil der Strategie der Gemeinde im Bereich der Jugend, über welche die Stimmberechtigten im November entscheiden werden (TA vom 10. 9.). Die neue Strategie soll laut Fischer 2010 zunächst in einer Versuchsphase zur Anwendung kommen. In anderen Gemeinden wie Uster oder Dübendorf existieren bereits ähnliche Angebote.

Mit der Jugendgewalt hatte die FDP Wetzikon für ihre Informationsveranstaltung ein aktuelles Thema gewählt. Im Restaurant IWAZ kamen neben dem Gemeindepräsidenten zwei Fachreferenten zu Wort. Rolf Weilenmann, Leiter des Jugenddiensts der Kantonspolizei, ging in seinem Referat konkreter auf die Kriminalität unter Jugendlichen ein. Als häufigstes Delikt nannte er Sachbeschädigungen. Doch auch schlimmere Taten kämen vor und stellten ein grosses Problem dar, sagte er. Natürlich habe es Jugendgewalt schon immer gegeben. «Die Brutalität ist heute aber grösser.» Grund dafür sei in vielen Fällen die fehlende soziale Bindung. «Viele Eltern haben heute zu wenig Zeit für die Jugendlichen», sagte Weilenmann.

Auf die sozialen und psychologischen Hintergründe von Jugendkriminalität ging Cornelia Bessler, Leiterin der Fachstelle für Jugendforensik an der Universität Zürich, ein. Die Pubertät bedeute für die Jugendlichen umfangreiche körperliche und geistige Veränderungen, sagte sie. Das sei allerdings nicht die alleinige Ursache für Jugendgewalt: «Studien haben gezeigt, dass jugendliche Straftäter oft psychisch auffällig sind.»

Die Gründe für Gewalt sahen die Referenten sowohl im individuellen als auch im gesellschaftlichen Bereich. Sie waren sich darüber einig, dass das Phänomen vielfältige Ursachen hat. Jedoch befürworteten sie jeweils unterschiedliche Massnahmen, um das Problem zu bekämpfen. Rolf Weilenmann betonte die Wichtigkeit, dass früh genug eine Anzeige bei der Polizei eingehe. Urs Fischer propagierte eine Abkehr von der antiautoritären Erziehung und sprach sich für höhere Strafen aus. Deren Wirksamkeit zog Cornelia Bessler in Zweifel. Gefängnisstrafen führten auch zu einem Entwicklungsrückstand für die Täter, sagte sie und hielt fest: «Die Formel, wonach höhere Strafen zu weniger Straftaten führen, ist schlicht falsch.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch