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Gemeinde will das Übernachten im Camion verbieten

In Regensdorf kochen Lastwagenfahrer am Strassenrand und machen ins Gebüsch. Eine neue Polizeiverordnung soll jetzt Abhilfe schaffen.

Von Fabian Boller Regensdorf &endash Wenn einem hinter dem Steuer allmählich die Augen zufallen, gibt es nur eines: anhalten und ein Nickerchen machen. Pech nur, wenn man sich nachts gerade auf dem Gemeindegebiet von Regensdorf befindet. Denn der Gemeinderat will das «Übernachten in Fahrzeugen auf öffentlichem Grund» per Polizeiverordnung verbieten. Am 27. November stimmt die Bevölkerung darüber ab. Heinz Piccolruaz passt das gar nicht. Der Regensdorfer Bürger ist der Meinung, die Verordnung verstosse gegen übergeordnetes Recht: «Jeder kann in seiner Wohnung tun und lassen, was er will. Das gilt auch im Auto», sagt er. Wenn er merke, dass er nicht mehr fahrtüchtig sei, mache er selber ein Nickerchen im Auto. Und um diese Möglichkeit sei er froh. Das Industriegebiet im Visier Der Regensdorfer Gemeinderat will Piccolruaz Schlaf aber gar nicht stören. Er zielt mit dem Verbot hauptsächlich auf Lastwagenfahrer ab. Diese würden im Industriegebiet nächtigen und die Strasse mit Abfall und Fäkalien verunreinigen. Das behagt dem Gemeinderat nicht. «Die Lastwagenfahrer sollen auf offiziellen Rastplätzen wie dem Autobahnparkplatz Büsisee übernachten», sagt der stellvertretende Gemeindeschreiber Stefan Trottmann. Das Problem wird abgeschoben Bei den Camionneuren komme das Schlafverbot schlecht an, wie André Kirchhof, der Medienverantwortliche vom Schweizer Nutzfahrzeugverband Astag, sagt. «Ab 22 Uhr gilt das Nachtfahrverbot. Wenn es dann nicht mehr bis nach Hause reicht, müssen die Chauffeure im Fahrzeug schlafen.» Zudem hätten die Fahrer auch ihre gesetzlichen Ruhezeiten einzuhalten. Rastplätze entlang der Autobahnen gebe es zu wenige, weshalb die Fahrer in die Quartiere ausweichen würden. Die Astag sei daher gegen Verbote. «Wenn eine Gemeinde das Übernachten untersagt, schiebt sie das Problem nur auf die nächste Gemeinde ab.» Auch Piccolruaz sagt, es gebe Gemeinden, die diesbezüglich toleranter seien. «Regensdorf ist hier sinnlos intolerant.» Wenn sich die Lastwagenfahrer im Gelände erleichtern würden, sei das zu ahnden; deswegen müsse aber kein Schlafverbot in Fahrzeugen eingeführt werden. Trottmann beschwichtigt: «Wenn jemand in einem Wohnmobil schläft, müsste die Polizei das zunächst einmal feststellen.» Zudem gelte das Übernachtungsverbot schon seit 2006. Man habe es nun lediglich präzisiert und die Regel von «Fahrzeugkabinen» auf «Fahrzeuge» ausgeweitet.Für die Umsetzung solcher Normen ist in Regensdorf die Gemeindepolizei zuständig. Die Kantonspolizei hat in ihrem Zuständigkeitsgebiet eine etwas andere Handhabung. «Das Übernachten in Fahrzeugen wird grundsätzlich toleriert, sofern man nicht illegal parkiert hat», sagt Mediensprecher Martin Sorg. So propagiere die Beratungsstelle für Unfallverhütung beispielsweise einen 15-minütigen «Turboschlaf», um den Sekundenschlaf zu bekämpfen. «Wenn dann jemand gleich bis zum nächsten Morgen durchschläft, wird er von uns nicht bestraft.» «Die Lastwagenfahrer sollen auf offiziellen Rastplätzen wie dem Autobahnparkplatz Büsisee übernachten.» Stefan Trottmann, stv. Gemeindeschreiber Solche Szenen könnten in Regensdorf bald der Vergangenheit angehören. Foto: Key

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