Bibi ist in aller Munde

Nuggi und Babyflaschen der Marke Bibi sind in fast jedem Schweizer Jungfamilienhaushalt zu finden. Sie werden in einer unscheinbaren Fabrik in Regensdorf hergestellt.

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Von Fahrettin Calislar (Text) und David Baer (Fotos)

Regensdorf – Ein Stück Gummi aus Regensdorf begleitet heute die meisten Schweizer durch ihr Leben. Kaum geboren, wird ihr Weltschmerz mit einem Nuggi der Marke Bibi betäubt. So werden die Helligkeit, die Kälte und die Gerüche erträglicher, und nuckelnd schläft das Baby ein. Nach dem Erwachen erhält es Muttermilch aus einem Fläschchen mit dem Bibi-Aufdruck. Wenn es gebadet wird, wäscht die Hebamme das Kind mit einem Tuch, welches ebenfalls das Design aus dem Hause Lamprecht in Regensdorf trägt.

Wer ein Baby oder ein Kleinkind hat, kommt um die Produkte aus der ehemaligen «Gummiwarenfabrik» an der Althardstrasse fast nicht herum. In den Drogerien sind sie allgegenwärtig, Grossverteiler verkaufen Bibi-Produkte zum Teil unter eigenem Namen, und per Internet werden Nuggi-Abos vertrieben. In ihrem Bereich ist Lamprecht unangefochtene Marktführerin. Das Geheimnis des Erfolgs ist laut Marketingchefin Michaela Schäfer: «Bei uns steht das Baby im Vordergrund.» Das zeige sich daran, dass man Bibi fast in jedem Kinderwagen sehe: «Mit Bibi sind unsere Grossmütter aufgewachsen, unsere Mütter und wir. Und wir geben diese Tradition an unsere Kinder und Enkel weiter.»

Nuggi heimischer Produktion

Die Bibi-Macher haben in den acht Jahrzehnten des Bestehens des Produktes ihr Marketing ständig verbessert. Dazu gehört eine intensive Beobachtung des Marktes. «Wir investieren viel Zeit, um diese Bedürfnisse zu erforschen», sagt Schäfer. Hinter der Werbung steckt oft etwas Ironie. Der aktuelle Slogan lautet «Meine erste Marke», denn: «Bibi ist die erste Marke im Leben eines Menschen.» Der zweite zentrale Punkt ist das Design. «Uns fällt auf, dass Kinder früh wissen, was sie wollen. Und dann wird eben genau ihr Favorit auf Flaschen und Nuggi gewählt», weiss Schäfer.

Auch die Qualität sei wichtig. Dazu gehöre, dass die Firma von Beginn an auf Weichmacher und die gefährliche Chemikalie Bisphenol A verzichtet habe, während die Konkurrenz erst jetzt von diesen Stoffen Abstand nehme. Allerdings, so räumt Schäfer ein, sei es natürlich auch einfacher für ein KMU, sich den Bedürfnissen anzupassen, als für Grossunternehmen. Und schliesslich ist «Swissness» wichtig: «Bis heute produzieren wir Nuggi in unserer Heimat.» Die lokale Identität will die Firma in Zukunft mehr betonen.

Mütter an der «Nuggi-Party»

Umsatzzahlen gebe die Firma aus Konkurrenzgründen nicht bekannt, sagt Schäfer. Nur so viel: «Unsere Umsatzkurve geht einher mit der Geburtenrate.» Letztes Jahr erblickten 78 000 Kinder in der Schweiz das Licht der Welt. Die Tendenz ist steigend und jede frischgebackene Mutter eine potenzielle Kundin. Neben dem Heimmarkt Schweiz ist die Marke in Holland und Belgien führend und wird in 20 Ländern verkauft.

Mütterberaterinnen, Hebammen und die Mütter selbst helfen der Firma, das Produkt weiterzuentwickeln. «So holen wir uns wertvolle Impulse und Erkenntnisse, die in die Produktentwicklung einfliessen», sagt Marketingmitarbeiter Yves Weber. Zu diesen Massnahmen gehört, dass die Firma ab und zu Mütter – viele kommen aus der Region – zusammenruft und ihnen ihre Werbung, Verpackung oder das Produkt vorstellt. Für die mitgebrachten Kinder wird eine Art Kindergarten eingerichtet, sodass die Mütter ungestört testen und bewerten können. «Wir wollen spüren, was die Mütter denken. Wir haben Auge und Ohr am Markt», sagt Schäfer. Sie will wissen, was die Mutter anspricht, welche Bedürfnisse sie und ihr Baby haben, denn: «Es ist wertvoll und gleichzeitig spannend, die vielen Eindrücke in geballter Ladung miterleben zu dürfen. Mütter sind sehr kritisch.» Auch Mütter innerhalb der Firma und Nichtkäuferinnen sind wichtige Informationsquellen.

Weitere «Gummi»-Produkte

Was kaum jemand weiss: Im gleichen Haus wie Bibi ist auch Ceylor ansässig, das führende Präservativ in der Schweiz. Was auf den ersten Blick seltsam klingen mag, ist historisch gewachsen. Die Lamprecht AG war und ist eine Gummiwarenherstellerin. Sobald den Leuten klar werde, dass hinter beiden Produkten ein und dieselbe Firma stehe, seien sie amüsiert, erzählt Tanja Rittinghaus, die für den Verkauf von Ceylor zuständig ist. Von einigen Witzbolden kriege sie dann zu hören: «Erst das eine, dann das andere – für jede Lebenssituation.» Besonders hartnäckig hält sich offenbar auch die Bemerkung, man könne ja beim einen nachhelfen, damit das andere besser verkauft werde. Doch die Ceylor-Präservative seien absolut sicher, Materialfehler gebe es nicht. Höchstens Anwendungsfehler. Übrigens: Nur weil Bibi so erfolgreich ist, soll das nicht heissen, dass Ceylor serbelt. Im Gegenteil, die Verkaufszahlen steigen ebenfalls.

www.bibi.ch und www.ceylor.ch

Wer kleine Kinder hat, weiss, wie wichtig es ist, einen genügend grossen Vorrat an identischen Nuggi zu haben.

Design ist alles – auch beim Nuggi «made in Regensdorf».

Erstellt: 06.10.2010, 20:10 Uhr

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