Sein Geld ging an Universitäten, Unternehmer und Künstler

Er war ein Pionier bei der Vergabe von Risikokapital und galt als Inbegriff des Mäzens. Am Wochenende ist Branco Weiss gestorben.

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Von Rita Flubacher

Was haben der frühere Orange-Chef Andreas S. Wetter, der Soziophysiker Riley Crane und der Theaterregisseur Christoph Marthaler gemeinsam? Ihre Wege kreuzten sich mit jenem von Branco Weiss, dem gebürtigen Kroaten, der 1943 vor dem Faschismus in die Schweiz floh, im Thurgau die Matura machte und 1951 mit dem Diplom als Chemie-Ingenieur die ETH Zürich verliess.

Für Wetter war es die Zürcher Firma Kontron, die Weiss 1959 gegründet hatte und die sich mit Messgeräten, Bauteilen und Computerperipherie beschäftigte. Branco Weiss habe ihn in seinem beruflichen Werdegang am meisten gefördert, erklärte Wetter viele Jahre später in einem Interview mit der NZZ.

Der Amerikaner Riley Crane, der drei Jahre an der ETH geforscht hatte und nun am Massachusetts Institute of Technology tätig ist, wird derzeit von der Weiss-Stiftung «Society in Science» gefördert. Das Programm honoriert Cranes Arbeit zur Verbreitung von Informationen über das Internet und soziale Netzwerke. Seine Forschungsfreiheit sei erst durch die Finanzierung von Branco Weiss möglich geworden, erklärte er im Gespräch mit dem «Tages-Anzeiger». Christoph Marthaler schliesslich erhielt 2003 von Branco Weiss Geld für seine Inszenierung «Grounding» am Zürcher Schauspielhaus.

Die Projekte, die Weiss in den letzten Jahren und Jahrzehnten förderte, füllen leicht eine Zeitungsseite, wie der TA bereits vor einiger Zeit schrieb. Den nachhaltigen Nutzen klug eingesetzten Geldes realisierte Branco Weiss aus eigener Erfahrung. So hatte ihm die Winterthurer Familie Reinhardt einst mit einem Stipendium das Studium finanziert. Nachdem er es zu eigenem Vermögen gebracht hatte, retournierte Weiss das Stipendium mit Zinsen und dem Kommentar: «Das Geld war gut angelegt; tut wieder das Gleiche damit.»

Mit seiner Firma und weiteren Gründungen im Hightech-Bereich wurde er zu einem Pionier der damals noch kaum beachteten Computerindustrie. 1974 ging Kontron an Roche. Es war der Anfang einer Auseinandersetzung zwischen Weiss und dem damaligen Roche-Verwaltungsratspräsident Fritz Gerber, der dem Zürcher eine Restzahlung in zweistelliger Millionenhöhe verweigerte. Das Geld wurde Weiss erst Jahre später ausbezahlt.

Grösster privater ETH-Mäzen

Branco Weiss finanzierte Hochschulabgänger mit innovativen Ideen, für die später der Begriff «Start-up» geprägt wurde. Er stand den Jungunternehmern beratend zur Seite – eine Rolle, die als «Business Angel» in die Lehrbücher einging. Weiss gilt als Pionier im Bereich Venture Capital. In späteren Jahren hielt er nicht zurück mit seiner Kritik am fehlenden Mut, neue Ideen umzusetzen, und den angeblich fehlenden finanziellen Ressourcen: «Alle schreien, Jungunternehmer brauchen mehr Geld. Das stimmt nicht. Gute Leute mit guten Projekten finden immer Geld.»

In den letzten Jahren konzentrierte sich der Mäzen auf Wissenschaft, Bildung und Begabtenförderung im In- und Ausland. «Ich bin neugierig und verfolge das Wirken anderer neugieriger Menschen gerne mit», begründete er sein Tun. Besonders grosszügig zeigte er sich gegenüber der ETH Zürich, wo er sich seit 1981 finanziell und während Jahren auch als Dozent engagierte, der den Ingenieuren das Know-how zur Gründung eigener Firmen vermittelte. Er errichtete das Branco-Weiss-Zentrum und alimentierte «Society in Science» – einen Fonds, der den globalen Austausch unter jungen Wissenschaftern fördert. An den Bau von Science City der ETH steuerte er 23 Millionen Franken bei. Er rückte damit zum grössten privaten Förderer dieser Hochschule auf.

Branco Weiss

Der 81-jährige Zürcher Unternehmer und Mäzen ist am 31. Oktober nach schwerer Krankheit verstorben.

Erstellt: 01.11.2010, 23:10 Uhr

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