Wo man sich wohlfühlt und Kraft tankt

Auf der Forch liegt der energieintensivste Ort der Schweiz. Als Besucher fühlt man sich dort wohl. Ob es an der positiven Energie oder an der Landschaft liegt, bleibt offen.

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Serie Besondere Orte im Zürcher Oberland, Teil 4

Von Nicole Roos

Aesch (Forch) – Die Aussicht zwischen den Bäumen hindurch reicht bis weit ins Glattal. An den sanften Hängen des Pfannenstiels liegt auf dem Tägernhügel im Ortsteil Aesch – das zur Gemeinde Maur gehört – der energieintensivste Punkt der Schweiz. Entdeckt hat ihn die Bauingenieurin und Energieforscherin Blanche Merz. Die Geobiologin ist Autorin des Buchs «Orte der Kraft». 750 000 Bovis-Einheiten (siehe Kasten) hat sie am Ende der Tägernstrasse gemessen. Dieser Punkt sei mit seinem Spitzenwert weltweit nur noch mit einem Ort auf den Azoren und der Kultstätten der Mayas im mexikanischen Palenque vergleichbar, schreibt Merz in ihrem Buch.

Ob ich wohl auch etwas spüre, wenn ich den Kraftort besuche?, frage ich mich, als ich die schmale Tägernstrasse entlanggehe. Schon die Wohnhäuser, an denen ich vorbei komme, haben eine besondere Ausstrahlung. Die etwa 50-jährigen Häuser liegen hinter üppig grünen Bäumen verborgen. Manche Gärten sind wie verwunschen. Sie scheinen im Dornröschenschlaf zu liegen. Üppiges Grün dominiert.

Dann fragt mich eine etwa 50-jährige Frau mit leicht italienischem Akzent nach dem Weg zur Forchbahn-Station. «Waren Sie beim Kraftort?» – «Ja.» – «Und, haben Sie etwas gespürt?» – «Leider nicht, es hat zu viele Häuser dort», sagt sie. Ob sie von weit herkomme, will ich wegen ihres italienischen Akzents wissen. Nein, sie sei aus Zürich. Ihre Wurzeln habe sie aber in Italien. Nachdem ich ihr den Weg auf der Karte gezeigt habe, verabschieden wir uns, und ich gehe weiter. Langsam geben die hohen alten Bäume den Blick frei auf eine Wiese der Vorderen Tägeren. Hier ist er also, der Kraftort mit den gemessenen 750 000 Bovis-Einheiten. Eingebettet in die liebliche Hügellandschaft, fühle ich mich auf Anhieb wohl. Ob es an der wunderschönen Aussicht liegt? Oder spüre ich die Strahlung des «zentralen kosmo-tellurischen Akupunkturpunkts auf Schweizer Boden», wie die Geobiologin Merz die Stelle beschreibt. Ich kann es nicht sagen. Ich fühle mich einfach wohl. Eine Krähe krächzt und flattert fort, weit entfernt höre ich das Rauschen der Forchautostrasse. Mein Blick schweift über die Häuser von Aesch. Links oben auf dem Pfannenstiel sehe ich hinter Bäumen die Spitze des Forchdenkmals. Gerne würde ich auf einem Bänkli Platz nehmen, doch es gibt keines. Drei Kirschbäume stehen auf der Wiese. Blanche Merz hat in ihrem Buch noch einen weiteren Kirschbaum dokumentiert, dessen Stamm zuerst waagrecht den Boden entlang und erst dann in die Höhe gewachsen ist. Merz begründet dies damit, dass der Baum dem starken Energiefeld ausweichen wollte. Allerdings ist der Baum heute nicht mehr zu sehen. Er fiel dem Sturm Lothar zum Opfer.

Wohnen beim Kraftort

«Ich wohne seit 49 Jahren hier und fühle mich sehr wohl», sagt ein älterer Mann, den ich im Garten seines Hauses treffe. Es befindet sich gleich neben dem Kraftort. «Leider merke ich nichts von den aussergewöhnlichen Energien», sagt er fast bedauernd. Er habe aber schon viele schöne Begegnungen mit Leuten gehabt, die den Kraftort besucht hätten. «Meist kommen die Leute alleine, manchmal auch in Gruppen.» Eine Person sei sogar aus dem Wallis angereist.

Auch zum ungewöhnlich gewachsenen Baum weiss er eine spezielle Geschichte zu erzählen. «Unser Hund ist einmal diesen Baum hochgeklettert, weil er eine Katze jagen wollte. Ich zeige Ihnen das Foto . . .» Und er verschwindet für kurze Zeit im Haus. Ich warte beim Eingang und fühle mich ausserordentlich wohl und geborgen unter den hohen alten Bäumen. Liegt es am 50-jährigen, verwunschenen Garten oder vielleicht doch an der energetischen Strahlung? Der Mann kommt mit einem Fotoalbum zurück. Auf den Bildern sieht man einen Mischlingshund, wie er den Baumstamm entlangklettert. Da der Stamm am Anfang waagrecht verläuft, kann der Hund ein Stück den Stamm hochklettern. Doch die Katze sitzt bereits weiter oben auf dünneren Ästen. «Tja, unser Hund war ein aussergewöhnliches Tier.» Einige Bilder später sieht man ihn hoch in die Luft springen. «Vielleicht hat er ja die kosmische Energie wahrgenommen», sage ich. «Ja, das ist durchaus denkbar.» Nun müsse er sich aber verabschieden, meint der ältere Herr, er habe eine Verabredung.

Weg vom Technikglauben

Die Religionswissenschafterin Andrea Fischbacher hat eine Biografie über Blanche Merz geschrieben und die Forschungsstelle Kraftorte Schweiz ins Leben gerufen. Wie erklärt sie sich das grosse Interesse an den Kraftorten in der Schweiz? «Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Bevölkerung von den technischen Errungenschaften fasziniert. Das alte Wissen über die verschiedenen Energien in der Natur ging dann allmälich verloren», sagt Fischbacher. Heute würden sich die Menschen wieder für dieses Wissen interessieren. «Früher baute man dort ein Haus, wo die Schafe geschlafen haben. Dort herrschten positive Energien.» Heute werde gebaut, wo es Platz habe. Egal, welche Art von Energien herrschte.

Und was entgegnet Fischbacher Personen, die den Kraftorten kritisch gegenüberstehen? «Ich finde es gut, wenn jemand kritisch ist. Das ist mir viel lieber als unkritische Menschen, die alles glauben.» Mit Esoterik hätten die Kraftorte nichts zu tun. Denn die Geobiologie bewege sich zwar in einem Grenzgebiet, die Forschungsstelle versuche aber nach wissenschaftlichen Kriterien das Phänomen Schwingungsenergien zu erklären.

Eine Zeit lang verweile ich noch beim Kraftort auf der Forch und geniesse die wunderschöne, beruhigende Aussicht. Dann mache ich mich auf den Heimweg. Kaum habe ich die Tägernstrasse verlassen, ist die Hektik des Alltags zurück.

Der energiereichste Ort liegt beim Tägernhügel in Aesch. Foto: Christoph Kaminski

Erstellt: 18.08.2010, 21:45 Uhr

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