Zu den Wurzeln zurückgekehrt

In der Schweiz gehörte er einst zu den grössten Talenten. Nach 15 Jahren Spitzenfussball hat Bruno Sutter nun seine Karriere still beendet. Der 33-jährige Winterthurer spielt jetzt beim Drittligisten Veltheim.

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Von David Schweizer

Seine Debütsaison 1995/96 in der damaligen Nationalliga A war beachtlich. Mit 18 Jahren wurde Bruno Sutter beim FC Basel sofort zum unumstrittenen Stammspieler. Hinter Torhüter Stefan Huber kam der Winterthurer auf die meisten Einsatzminuten, erhielt viel Lob und wurde sogar mit seinem bekannteren Namensvetter Alain Sutter wegen seiner langen blonden Haare und der feinen Technik verglichen. «Vielleicht ist es damals zu schnell von 0 auf 100 gegangen», erinnert sich Sutter. Noch mit 15 spielte er bei den B-Junioren des FC Tössfeld, als 16-Jähriger beim FC Oerlikon in der 3. Liga und ein weiteres Jahr später beim Erstligisten YF Juventus.

Es war damals eine ganz andere Zeit. In der NLA gab es nur wenige junge Schweizer Stammkräfte. Raphaël Wicky (Sion), Patrick Müller (Servette), Johann Vogel (GC), Sutter oder sein FCB-Teamkollege Hakan Yakin waren Ausnahmen. Doch während seinen damaligen U-21-Auswahlkollegen später den Sprung ins A-Nationalteam schafften und sogar ins Ausland wechselten, machte Sutter eine Art Tour de Suisse. Nach zwei Jahren in Basel spielte er später für den FC Zürich, Schaffhausen, Wil, Lugano, St. Gallen und zuletzt bei Vaduz.

Kontakte nach Lens und Lecce

Auch er habe die Gelegenheit gehabt, den Sprung ins Ausland zu wagen, sagt Sutter. Während seiner Zeit in Basel sei Lens an ihm interessiert gewesen. Der damalige GC-Manager Erich Vogel empfahl ihm aber, sich erst in der Schweiz durchzusetzen. Später bei Lugano war Lecce auf ihn aufmerksam geworden. Sutter blieb aber im Tessin und qualifizierte sich 2001 mit Lugano als NLA-Zweiter sogar für die Champions-League-Qualifikation. Die Hürde Schachtar Donezk war allerdings zu hoch.

Doch Bruno Sutter sah in Lugano – und später bei Wil – auch die Schattenseiten des Spitzenfussballs. Luganos Präsident Helios Jermini war im März 2002 im Luganersee tot aufgefunden worden. Der Treuhänder hatte, wie sich später herausgestellte, insgesamt 61 Millionen Franken veruntreut und in den FCL gesteckt. Lugano bezahlte dafür teuer und musste im Sommer 2002 in die NLB. Nur ein halbes Jahr später wurde in der Ostschweiz – Sutter spielte mittlerweile beim FC Wil – der nächste Finanzskandal aufgedeckt. Der Klubpräsident, der Banker Andreas Hafen, hatte bei seinem Arbeitgeber 48 Millionen abgezweigt und einen Teil davon in den Verein investiert. Sutter dazu: «Mein erster Gedanke war: Nicht schon wieder.» In der Folge erlebte der FC Wil turbulente Zeiten mit ausländischen Investoren, die schliesslich im Frühjahr 2004 in dem Abstieg gipfelten.

Beim legendären 11:3 dabei

Zu diesem Zeitpunkt war Bruno Sutter bereits nach St. Gallen gewechselt. Vor dem Wirbel um Präsident Hafen hatten die Wiler Spieler nämlich auch sportliche Akzente gesetzt und sich damit für andere Klubs empfohlen. Legendär dabei der 11:3-Kantersieg ausgerechnet gegen den grossen Kantonsrivalen. Glücklich wurde Sutter in den drei Jahren bei St. Gallen nicht. Nach einem soliden Start spielte er zuletzt immer weniger. Er machte einen Schritt zurück in die Challenge League. Bei Vaduz schaffte er ein letztes Mal den Sprung in die Super League und spielte sogar im Europacup gegen Basel, Slovan Liberec, Falkirk, Zrinjski Mostar und Dinamo Tbilisi. Er erlebte aber auch viele Spieler- und Trainerwechsel und musste sich im Herbst 2008 einer schweren Rückenoperation unterziehen, die ihn weit zurückwarf. «Vor dem Eingriff zeigte mein linkes Bein Lähmungserscheinungen», blickt Sutter zurück. Immerhin: In der zweiten Saisonhälfte kam er nochmals zu 13 Einsätzen, der Abstieg konnte aber nicht mehr abgewendet werden.

Nach einem letzten Jahr im Ländle hat Bruno Sutter in diesem Frühjahr seine 15-jährige Karriere still beendet. Geplant war zunächst, dass er in Vaduz in den Trainer-Staff wechselt. Das Vorhaben hat sich aber nach einem Wechsel in der Führungsetage des Liechtensteiners Vereins zerschlagen.

Sutter kehrte damit endgültig zu seinen Wurzeln nach Winterthur zurück, wo er mit Ausnahme seines Engagements in Lugano immer wohnte. Seit einiger Zeit führt er bereits die Fussball- und Talentschule Winterthur, der er selbst entstammt und die er mittlerweile von seinem langjährigen Mentor Georges Graf übernommen hat. Seine Zukunft im Fussball sieht er deshalb im Nachwuchsbereich. Er habe diverse Anfragen von Erstliga- und Zweitliga-Vereinen gehabt, sagt Sutter. Doch er wolle sich in der Ausbildung engagieren. Deshalb sei für ihn auch ein (Spieler-)Traineramt im Aktivbereich nicht infrage gekommen.

Zurück im Regionalfussball

Ganz mit dem Fussballspielen will er aber noch nicht aufhören. Seit wenigen Wochen spielt er beim Drittligisten Veltheim. «Ich kenne dort einige Spieler. Zudem hat sich der Verein sehr um mich bemüht», begründet der 33-Jährige seinen Entscheid. Trotz des prominenten Neuzugangs kann das Team von René Baumeler aber mit dem Saisonstart nicht zufrieden sein. Nach einem Sieg und einem Remis mussten die Veltheimer in der Gruppe 6 zuletzt eine 0:1-Niederlage gegen Wiesendangen einstecken. «Nahezu jede Partie ist ein Derby. Und natürlich sind viele besonders motiviert, gegen mich zu spielen.»

Sutter erwartet deshalb auch am Sonntag gegen das noch erfolglose Wülflingen keine einfache Aufgabe (Sporrer, 10.15 Uhr). Denn auch Wiesendangen war vor dem Duell gegen Veltheim noch ohne Punktgewinn gewesen.

Trotz Rücktritt aus dem Spitzenfussball weiter aktiv. Bruno Sutter (l.) wirbelt neu beim SC Veltheim. Foto: Daniel Good

Erstellt: 09.09.2010, 22:35 Uhr

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