Drei Pfarrer kämpfen um das Präsidium des Kirchenbunds

Eigentlich galt der Berner Gottfried Locher als Favorit. Doch jetzt steigt auch der Luzerner Kirchenmann David Weiss ins Rennen ums reformierte Spitzenamt.

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Wahlen an die Spitze des Kirchenbunds sind in der Regel eine eindeutige Sache. Diesmal aber kommt es zu einer Kampfwahl. Mitte Juni kandidieren in Herisau gleich drei Pfarrer um die Nachfolge von Thomas Wipf an der Spitze des gewichtigen nationalen Dachverbandes mit 2,5 Millionen reformierten Christen aus 26 Kantonalkirchen: der ehrgeizige Berner Gottfried Locher, der wenig bekannte Walliser Didier Halter und der vermittelnde Luzerner David Weiss.

Letztmals war es 1986 zur Kampfwahl um das Präsidium des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) gekommen, als der Zürcher Heinrich Rusterholz die Aargauer Pfarrerin Silvia Michel ausstach. Wegen ihres Engagements gegen die Apartheid konnte sie bei den bürgerlichen Abgeordneten nur wenige Stimmen machen.

Diesmal sind weniger politische Fragen entscheidend als das persönliche Profil der Kandidaten und der Anspruch Berns, nach 24 Jahren Zürcher Vorherrschaft den Präsidenten des SEK zu stellen. So hat der Berner Pfarrer Gottfried Locher als Erster bereits Ende Februar seine Kandidatur angemeldet.

Kandidat der Minderheitskirche

Am Freitag, sozusagen in letzter Minute, hat sich nun auch David Weiss ins Spiel gebracht, ein offener und profilierter Kirchenmann. Der 54-Jährige steht seit 17 Jahren als Synodalratspräsident an der Spitze der Luzerner Kirche. Von 1999 bis 2005 sass er bereits im Rat, der Exekutive des SEK. Er ist Präsident der «Reformierten Medien» und Mitbegründer des Ökumenischen Instituts in Luzern. Unterstützt von den Zentralschweizer Kirchen, kandidiert Weiss bewusst als Vertreter einer Minderheitskirche. 25 Jahre lang war er evangelischer Pfarrer in der luzernischen Diaspora. Als SEK-Präsident möchte er die Mitgliedskirchen ermutigen, mit ihrem neuen Minoritätenstatus umgehen zu lernen, die Strukturen anzupassen, und föderalistische Partner untereinander vernetzen. Schliesslich sind die Reformierten mit einem Anteil von noch einem Drittel der Schweizer Bevölkerung mittlerweile in der Minderheit.

Sein Gegenspieler, der 44-jährige Gottfried Locher, kommt demgegenüber aus der grössten Mitgliedskirche in der Abgeordnetenversammlung des Kirchenbundes, der Kirche Bern-Jura-Solothurn. Diese berappt zwar ein Viertel des SEK-Budgets, hat aber mit 9 von 70 Stimmen nur wenig Gewicht. Die Berner Kirche möchte nach 12 Jahren Rusterholz und 12 Jahren Wipf die Zürcher im Spitzenamt ablösen.

Locher ist der Kandidat des Berner Synodalrats. Der zugleich smart und autoritär auftretende Theologe gilt als Karrierist. 2007 kandidierte er für das Präsidium des bernischen Synodalrates, unterlag Andreas Zeller, schaffte es schliesslich aber doch noch in die Exekutive. Er ist als Vizepräsident des Reformierten Weltbundes international vernetzt. Seine Karriere startete er 1999 als Ökumene-Beauftragter des SEK. Auf sein Drängen hin avancierte er zum Leiter der neuen Abteilung Aussenbeziehungen, bis er den Kirchenbund wegen Spannungen mit Thomas Wipf verliess.

Hang zu Hierarchien

Der reformierte Pfarrer hat einen Hang zu Hierarchien und katholischen Würdenträgern. Als erster Protestant durfte er im Kloster Einsiedeln die Einkehrtage für Mönche leiten. Papst Benedikt verteidigte er auch dann noch, als dieser in Regensburg die Muslime beleidigte. 2004 lancierte er die Idee von reformierten Bischöfen in der Schweiz, um der «Sehnsucht nach Menschen mit aussergewöhnlicher Ausstrahlung» strukturell zu entsprechen. Die Idee stiess viele vor den Kopf und dürfte ihn jetzt etliche Stimmen kosten.

Für David Weiss soll die «Kirche nicht obrigkeitlich und klerikal, sondern weltoffen und innovativ wahrgenommen werden». Wobei für ihn der SEK keine Kirche ist, sondern ein Kompetenz- und Koordinationsort seiner Mitglieder. Dieses Verständnis teilt der Walliser Didier Halter mit französischen und lutherischen Wurzeln. Der 47-jährige Pfarrer von Sitten ist der Kandidat der Romandie, die schon lange keinen Präsidenten mehr gestellt hat. Seit letztem Jahr leitet er die Abgeordnetenversammlung des SEK, die den neuen Präsidenten wählt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.04.2010, 02:00 Uhr

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