Ein Stosstrupp evangelikaler Missionare bläst zum nächsten Angriff gegen Muslime

Ein Reformierter und vier Freikirchler machen gegen den Islamischen Zentralrat mobil. Unterstützung im Religionsdisput erhalten sie von viel SVP-Prominenz.

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Der letztes Jahr gegründete Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) soll wegen verfassungswidriger Statuten verboten werden. Dies fordert das Aktionskomitee Gegen die strategische Islamisierung der Schweiz (KSIS). Eine entsprechende Klage zur Überprüfung der Rechtmässigkeit der IZRS-Statuten sei in Vorbereitung und werde demnächst eingereicht, sagt Daniel Zingg, Sprecher des KSIS. Qaasim Illi, Sprecher des IZRS, zeigt sich gelassen: «Diese Klage ist chancenlos.»

Das KSIS stört sich in erster Linie am Vereinszweck des Islamischen Zentralrats Schweiz. «Der IZRS will ein sunnitisches Selbstverständnis sowie dessen Jurisprudenz‹im rechtlichen Rahmen der Schweizerischen Eidgenossenschaft konstituieren›. Diese zwei Rechtssysteme sind aber per se nicht kompatibel und ein Angriff auf die Verfassung. Ein Verein, der auf den Grundlagen der Scharia basiert, müsste verboten sein», sagt Zingg, der dem IZRS «islamischen Fundamentalismus» vorwirft. IZRS-Sprecher Illi weist die Vorwürfe vonseiten Zinggs zurück: «Es ist ein Hohn, wenn uns evangelikale Missionare Fundamentalismus vorwerfen. Aus deren Sicht verkörpern wir doch den Antichrist», sagt Illi.

Missionarische Verve

Solche Töne lassen eine heftige religiös motivierte Auseinandersetzung um den Islamischen Zentralrat Schweiz erwarten. Auf der einen Seite stehen die konservativen Muslime, die vom gemässigten Kurs des IZRS abweichen. Auf der anderen Seite stehen fünf reformierte Missionare und evangelikale Freikirchenangehörige aus Langenthal und Umgebung, die aus konfessionellen Gründen bereits das Initiativkomitee zum Verbot von Minaretten angeführt hatten. Zum einen ist da Daniel Zingg (EDU), offiziell Mitglied der reformierten Landeskirche. Zingg ist Geschäftsführer des Vereins Aseba mit Sitz in Bollodingen. Der Verein will mit der Produktion von Kindertonbildschauen, Multimediapräsentationen und DVDs «Werbung für die Bibel machen». Präsident des Vereins mit missionarischem Zweck ist Hans Lieberherr.

Präsident Lieberherr ist Mitglied der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) Langenthal, wo Zingg ebenfalls aktiv ist. Und Lieberherr sitzt auch im KSIS-Vorstand. Dessen Präsident Stefan Zeller (EVP) ist Mitglied der Finanzkommission von Langenthal und Präsident der Arbeitsgemeinschaft für offene christliche Jugendarbeit (ACJ). Die ACJ vermittelt nach eigenen Angaben «Werte und Lebensperspektiven auf christlicher Basis». Zeller ist in der freikirchlichen Vereinigung evangelisch-methodistischer Kirchen engagiert. Daneben fungieren im KSIS-Vorstand der Langenthaler Ingenieur Christian Engel und der Sozialpädagoge Simon Geiser. Geiser ist vor 10 Jahren aus der reformierten Kirche aus- und zur FEG Langenthal übergetreten. Auch Engel ist über die FEG Langenthal zum KSIS gestossen.

«Ideologisch unterstützt», wie KSIS-Sprecher Zingg es ausdrückt, wird das KSIS vom «Egerkinger Komitee», das die Minarett-Initiative eingereicht hatte. Neben den KSIS-Vorständen Lieberherr und Zeller umfasst die Gruppe als eher politische Akteure Walter Wobmann (SVP, SO), Ulrich Schlüer (SVP, ZH), Lukas Reimann (SVP, SG) und den ehemaligen SVP-Sprecher Roman Jäggi. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.03.2010, 02:00 Uhr

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