Manager ohne Kompetenzen

Die Einkaufsgemeinschaft Lyoness ist seit Oktober in der Schweiz auf Kundensuche und betreibt ein System, das Konsumentenschützer und die Aufsichtsbehörde Comlot als intransparent und schneeballartig bezeichnen (TA vom Dienstag). Hinter der neu gegründeten Schweizer Ländergesellschaft steht eine Holding, die seit Sommer 2003 in Buchs SG angesiedelt ist. Sie verwaltet 15 verschiedene Gesellschaften in Europa, beschäftigt nach eigenen Angaben insgesamt 300 Angestellte und hat nicht weniger als 650 000 Businesspartner und Kunden.

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Ein Blick in den Handelsregistereintrag der grossen Firma bringt allerdings einige problematische Fakten zum Vorschein: Im Verwaltungsrat sitzt mit dem Schweizer Erwin Josef Hüsler nur eine einzige Person. Normalerweise wählen Unternehmungen mehrere Personen in ihren Verwaltungsrat, damit er seine Aufgabe als Aufsichtsgremium über die verschiedenen Tätigkeiten der Firma vollumfänglich und breit abgestützt ausüben kann. Lyoness-Mann Hüsler sieht in der Einzelbesetzung aber nichts Ungewöhnliches: «Als junges Unternehmen sind wir bestrebt, unsere Mittel optimal und vorsichtig einzusetzen», sagt er. «Da wir in den letzten Jahren stark gewachsen sind, ist eine Erweiterung des Verwaltungsrates auf Ende Januar 2010 geplant.»

Kleinkindererzieherin als Chefin

Während der Verwaltungsrat der Lyoness ungewöhnlich klein ist, verfügt die Firma angeblich über ein breites Management: Auf ihrer Website findet sich eine Liste des oberen Kaders unter CEO und Firmengründer Hubert Freidl. Als Chief Operating Manager ist eine Monika Murarova tätig. Weder Murarova noch ihre fünf Managerkollegen sind aber im Handelsregister als zeichnungsberechtigte Personen eingetragen. Wie können sie ohne Unterschriftsmacht ihre Führungsaufgabe wahrnehmen? «Wir legen hohen Wert auf Sicherheit», erklärt Hüsler. «Deshalb geben wir so wenigen Personen wie möglich eine Zeichnungsberechtigung. Das Management erhält punktuell für wichtige Verträge die Vollmacht.»

Monika Murarova war nach Angaben der Lyoness früher als Kleinkindererzieherin tätig und hat in der slowakischen Stadt Levice ein Studium in Pädagogik abgeschlossen. Wie kam die Frau plötzlich zur Schlüsselposition einer Chief Operating Managerin? «Wir sind ein junges und dynamisches Team», erklärt Hüsler. «Wir geben jungen Menschen eine Chance, wenn sie in der Lage sind, autodidaktisch grosse Leistungen zu erzielen.»

Neben der ungewöhnlichen Führung verfügt Lyoness über eine problematische Passage in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen: Sie hält fest, dass Lyoness berechtigt ist, ihre Ansprüche gegenüber Kunden auch durch Tochter- und Schwestergesellschaften auszuüben. Umgekehrt bestehen die Beziehungen des Kunden ausschliesslich zur Lyoness Holding. Firmensprecherin Silvia Weihs sagt: «Um unseren Kunden länderübergreifend die Vorteile zukommen zu lassen, erfolgt die Verwaltung zentral.»

Arbeitslose auf Kundenfang

Laut der schweizerischen Gesetzgebung darf eine Holding in der Schweiz allerdings gar keine eigenen Geschäftstätigkeiten aufnehmen. Lyoness ist sich dieser Problematik laut Weihs bewusst und verzichtet daher auf den privilegierten Steuerstatus als Holdinggesellschaft: «Lyoness versteuert wie eine operative Firma», beteuert Weihs. Das kantonale Steueramt wollte dies dem TA nicht bestätigen.

Lyoness sucht seit Oktober in der Schweiz an selbst organisierten Veranstaltungen nach Personen, die Businesspartner der Einkaufsgemeinschaft werden wollen und bereit sind, sich mit einem Paket zu 3000 Franken in ein komplexes System einzukaufen, das später 24 858 Franken erwirtschaften soll. Im Namen von Lyoness hat eine Person in der Online-Stellenbörse Gigajob gezielt nach Sozialhilfeempfängern und Arbeitslosen gesucht, die mit Lyoness einen Nebenverdienst erwerben wollen. Laut dem Schweizer Geschäftsführer Georg Zakraysek liess Lyoness das Inserat sofort vom Netz nehmen. Lyoness-Gründer und CEO Hubert Freidl. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.10.2009, 02:02 Uhr

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