Manuela Müller muss kapitulieren

Ihre Karriere war geprägt von Verletzungen. Die Skiakrobatin aus der Au (Wädenswil) kämpfte sich stets zurück. Kurz vor Beginn der Olympiasaison zieht sie nun die Notbremse.

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Ihr Ziel für die anstehende Saison hatte sie klar definiert: eine Medaille an den Olympischen Spielen in Vancouver. Dieser Traum ist ausgeträumt. Manuela Müllers Körper macht nicht mehr mit. Selbst beim Treppenlaufen verspürt die 29-Jährige Schmerzen. Das Knie und der Fuss machen ihr zu schaffen - die Folgen einer langen Verletzungsserie.

Zuletzt musste die Skiakrobatin aus der Au im Juni unters Messer. Das Innenband am rechten Fuss wurde operiert. Im Training zu der WM Ende Februar in Japan war sie schwer gestürzt, schlug mit dem Kinn auf dem Knie auf und riss sich zudem das Band. «Ich habe 25 Minuten lang nicht gewusst, wo ich bin und was ich hier mache», schildert Müller den Unfall. Dennoch war sie willens, zum Wettkampf anzutreten, auch weil sie zum ersten Mal den Full-Full-Full zeigen wollte. Doch dazu kam es nicht, zu gross wäre die Gefahr einer noch schwereren Verletzung gewesen. Der dreifache Salto mit drei Schrauben wurde in der Schweiz nach dem Erfolg von Evelyne Leu an den Olympischen Spielen von Turin berühmt. Müller konnte ihn an einem Ernstkampf nie zeigen.

Im Schatten von Leu sprang sie 2006 dennoch auf den 7. Platz und sicherte sich ein Diplom. «Das hat die Öffentlichkeit nicht registriert. In unserem Sport muss man sich damit abfinden, dass sich das Interesse in Grenzen hält», bemerkt die Athletin vom TV Dietlikon. Trotzdem konnte sie sich ein Leben ohne ihren geliebten Sport nicht mehr vorstellen. «Die absolute Körperbeherrschung, gepaart mit Perfektion: Um das umzusetzen, hat man nur zwei bis drei Sekunden Zeit. Das Gefühl in der Luft kann ich kaum beschreiben. Es ist einfach geil», schwärmt Müller. Dass sie das wohl nie mehr erleben darf, damit hat die Ausnahmekönnerin zu kämpfen. «Es ist hart.»

Zu jung für künstliches Gelenk

Weil Müller aber ohnehin nach den Spielen in Kanada hätte zurücktreten müssen, hofft sie, dass es ihr nach dem Grossanlass wieder besser geht. Ihr Abgang von der Skibühne war bereits geplant. Der Arzt hätte sie zwar bis Olympia unterstützt, danach aber für nichts garantieren können. «Für ein künstliches Hüftgelenk bin ich schlicht zu jung», sagt die 29-Jährige. Noch nach ihrer letzten Operation war sie guten Mutes, rechnete damit, dass sie die Saison 2009/10 würde bestreiten können. «Ich klammerte mich an einen Strohhalm. Ich habe wohl verdrängt, dass alles vorbei sein könnte.» Schliesslich hatte sie den Weg zurück an die Weltspitze schon einige Male bewältigt.

2006, kurz nach den Olympischen Spielen, hatte ihre Leidensgeschichte begonnen. Am rechten Fuss wurde eine Syndesmose gemacht. Das heisst: Zwei Knochen werden durch Bindegewebe zusammengehalten. Dieser Eingriff war die Folge einer Verletzung, die sich Müller 1997 als Geräteturnerin beim TV Wädenswil zugezogen hatte. Es folgten ein Bänderriss im linken Fuss und Probleme mit dem Meniskus, ein Kreuzbandriss sowie seit über einem Jahr Knorpelschäden im rechten Knie. Unter anderem musste sie auf die Saison 2007/08 ganz verzichten. «Aus medizinischer Sicht wäre ein Rücktritt zu diesem Zeitpunkt bestimmt richtig gewesen», räumt Müller ein.

Zuversicht zerschlägt sich

Doch sie machte weiter, gab ihr Comeback im Januar dieses Jahres am Weltcup im kanadischen Mont Gabriel, schöpfte neuen Mut. Die Zuversicht zerschlug sich. Eine Operation am Knie wurde nötig und schliesslich eben jene am Fuss. Und ihr Leiden hat noch kein Ende. Bald steht der nächste Eingriff an. Das vordere Kreuzband am rechten Knie hängt nur noch an einem Faden.

Wenigstens wird die körperliche Belastung für Müller in Zukunft kleiner sein. Doch von der Skiakrobatik will sie sich nicht lossagen. Beim Verband übernimmt sie die Verantwortung für den Nachwuchs. «Ich bin sehr froh, dass ich meine Erfahrungen weitergeben kann», sagt sie. Vielleicht kann sie so zumindest einem ihrer Schützlinge zu einer olympischen Medaille verhelfen. Manuela Müller. Manuela Müller wird nie mehr so durch die Luft fliegen. Foto: John G. Mabanglo (Keystone) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.11.2009, 02:03 Uhr

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