«Nation mit eigener Sprache und Kultur»

«Das neue Gesetz verlangt nur, dass 50 Prozent der Filme auf katalanisch synchronisiert werden.»

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Vier offizielle Landessprachen.

Mit Befremden musste ich feststellen, dass Herr Dahms faschistische Diktaturen mit demokratischen Parlamenten vergleicht. Man kann ihm verzeihen, dass er von der katalanischen Geschichte wenig weiss, doch seine Einstellung gegenüber sprachlichen Minderheiten ist verwerflich. Der Artikel passt überhaupt nicht zum «Tages-Anzeiger», ich bin konsterniert. Man stelle sich vor, den Tessinern hätte Bern das Tessineritalienisch oder den Bündnern ihre rätoromanische Sprache verboten, nur weil sie der Eidgenossenschaft beigetreten sind. Ist es nicht ein Beweis der gegenseitigen Wertschätzung, was im Bundesgesetz Artikel 70 verankert ist? Warum soll nicht Ähnliches in Spanien möglich sein, wo doch die heutige Regierung solche Schutzmassnahmen für Landessprachen wieder ermöglicht. Ist Herrn Dahms nicht bekannt, dass Spanien wie die Schweiz vier offizielle Landessprachen hat? Ich erwarte einen korrekten Artikel über die Sprachschutzmassnahmen Kataloniens.

Jacqueline Parera, Richterswil

Völlig unsinniger Vergleich.

Martin Dahms bezieht sich auf den historischen Präzedenzfall, als General Franco in Spanien zwang, sämtliche Filmproduktionen auf Spanisch zu übersetzen. Will Herr Dahms tatsächlich eine faschistische Diktatur mit der Regierung eines demokratischen Landes gleichsetzen? General Franco verbot die Verwendung einer Sprache (bei Behörden, in Schulen, im öffentlichen Leben) in ihrem eigenen Sprachraum (Katalonien), während das katalanische Parlament nur den Gebrauch der eigenen Sprache in ihrem eigenen Sprachgebiet verteidigt, ohne eine andere Sprache zu unterdrücken. Das neue Gesetz verlangt lediglich, dass 50 Prozent der Filme auf Katalanisch synchronisiert werden. Im spanischen «Filmgesetz» von 2007 heisst es im Übrigen, dass Filme in sämtlichen Sprachen des spanischen Staates synchronisiert oder mit Untertiteln versehen werden. Weiss Herr Dahms nicht, dass der Artikel 70 der Schweizerischen Bundesverfassung, das Filmgesetz (2002), die Verordnung über die Förderung Film (2006) und das Sprachengesetz (2007) regelt, wie in der Schweiz die reiche Sprach- und Kulturvielfalt geschützt werden müssen? Würde es Herr Dahms normal finden, wenn einem Westschweizer oder einem Tessiner Politiker verboten würde, im Bundeshaus in Bern seine Sprache zu benutzen? So geschieht es derzeit mit dem Katalanischen im spanischen Parlament. Würde er dann nicht auch besessen (um seine Terminologie zu gebrauchen) seine Muttersprache schützen?

Carles Xavier Torres, Zürich

Schutz nach langer Unterdrückung.

Ich bin empört über einige Aussagen des Artikels. Katalonien ist eine alte Nation mit eigener Sprache und Kultur. Nach einem Krieg verlor Katalonien im Jahr 1714 seine Institutionen und wurde gezwungenermassen Teil des spanischen Staates. Seitdem hat das katalanische Volk mehrere brutale Phasen der Repression gegen seine Sprache und Kultur erlebt. Frucht dieser Repressionen gegen unsere Sprache ist die aktuelle Situation: Wir können im eigenen Land immer noch nicht in unserer eigenen Sprache leben. Es ist zum Beispiel sehr schwierig, einen Film in der eigenen Sprache besuchen zu können. Manchmal ist es sogar nicht einmal möglich, einen Kaffee in der eigenen Sprache zu bestellen. Die katalanische Regierung versucht nun, diesen untragbaren Zustand etwas zu mildern. Katalonien versucht nach Jahrhunderten unter diktatorischen Regierungen und nach vielen Repressionen mit demokratischen Mitteln seine Sprache auf seinem Gebiet zu schützen.

Dolors Ferrer Noguer, Küsnacht

Situation in der Schweiz ignoriert.

Ich war geschockt, als ich diesen Artikel gelesen habe, er verdreht und vermischt politische und geschichtliche Tatsachen. In Spanien ist das Katalanische genauso eine Sprache wie das Kastilisch oder das Baskische und das Galicische. Diese vier Sprachen sollten (werden eben leider nicht immer) als gleichwertig behandelt werden, so wie es in der Schweiz passiert. Obwohl in der Schweiz das Deutsche dominiert, wird von keinem Genfer erwartet, dass er Walliser Dialekt versteht, oder von einem Tessiner verlangt, er solle sich Filme auf Deutsch anschauen. Es wäre wichtig, die Meinung des Autors, der in Madrid lebt und wahrscheinlich von der dort herrschenden Meinung beeinflusst ist, nicht in solche Artikel einfliessen zu lassen.

Anne-Lise Schneider, Zürich

Sprache hat trotz allem überlebt.

Der Artikel über Katalonien hat mich geärgert. Nur so viel: Katalanisch ist die Sprache von etwa 10 Millionen Menschen, die in Spanien, Frankreich und sogar in Italien (Alghero/l’Alguer) leben. Ich bin Urenkel eines Deutschen, Sohn eines Basken und einer Katalanin. Die Sprachen meiner Eltern haben unter militärischen Stiefeln überlebt - trotz einer faschistischen Regierung und obwohl schlecht informierte Journalisten über diese Länder schreiben.

Natxo Knörr i Borràs, Mallorca Die katalanische Fahne («senyera») ist eine der ältesten Flaggen der Welt. Foto: PD

Erstellt: 27.01.2010, 02:00 Uhr

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